Donnerstag, 09. Februar 2012

Bei Rosen Weniger blüht’s wieder


Ute und Wolfgang Weniger vor ihren  Schnittrosen. Foto: Rücker
Ute und Wolfgang Weniger vor ihren Schnittrosen. Foto: Rücker

Hochdorf – Sie heißen Baccara, Tinto und Carina. Allesamt sind sie Rosen und lassen das Herz vieler Blumenfreunde höher schlagen. Selbst für Ute Weniger, die täglich mit den Pflanzen arbeitet, ist die Rose nach wie vor „die edelste unter den Blumen“. Die VKZ warf bei Schnittrosenkulturen Weniger in Hochdorf einen Blick hinter die Kulissen.
Mercedes ist die Seniorin auf den 6000 Quadratmetern Gewächshausfläche von Wolfgang Weniger. Sie zog vor 36 Jahren gleich mit in den damals neuen Aussiedlerhof in Hochdorf ein. Genau genommen bekommt Mercedes, eine orangeblühende Edelrose, in der Schnittrosenkultur ihr Gnadenbrot. „Das Sortenkarussell dreht sich immer schneller“, sagt Wolfgang Weniger, Inhaber von Rosen Weniger. Das Beet mit den betagten Mercedes-Pflanzen darf trotzdem noch bleiben. „Meist beendet der Kunde das Leben der Rosen, wenn die Sorte nicht mehr gefragt ist“, so der Gärtnermeister. Während in seiner Jugendzeit drei Züchter je zirka 15 Sorten Schnittrosenpflanzen angeboten hätten, seien es heute schon 15 Züchter mit je 50 bis 80 Sorten. Das sei schon für den Fachmann kaum mehr zu überschauen. Der Kunde könne den Wert der Sorte, also die Haltbarkeit, ob sie schön aufgeht oder schnell welkt, gar nicht mehr richtig einschätzen. Baccara, Carina und Super Star, das sind die Sorten aus seiner Jugendzeit, „die hat man noch zehn Jahre lang gehabt“.
Das Zeitliche gesegnet hat erst vor wenigen Tagen die Pharao, die dem 50-Jährigen persönlich gut gefallen hat. Doch die Blumenfachhändler, die er mit seiner bunten Ware beliefert, hatten keine Verwendung mehr für die gelb-orangenen Blumen. Folglich wird Platz geschaffen im Gewächshaus und neue Sorten wie die rote Tinto erobern das überdachte Land. Wenigers Rosenpflanzen dürfen noch im Mutterboden wurzeln. Eine gute Qualität zeichne die Böden im Raum Vaihingen aus. Das war, neben der günstigen, ebenen Lage, ausschlaggebend für den Aufbau des Aussiedlerhofs in Hochdorf. „Da blutet mir das Gärtnerherz, wenn ich sehe, dass auf besten Böden Industriegebiete entstehen. Bloß wegen der Steuergelder für die Gemeinde“, schimpft Weniger.
Von Kindesbeinen an hat der 50-Jährige sein eigenes Gärtle gehegt und gepflegt. Im Jahr 1995 übernahm er die Gärtnerei seiner Eltern, die sich seit Anfang der 80er Jahre auf Schnittrosen spezialisiert hatte. 19000 Quadratmeter umfasst die Betriebsfläche mittlerweile, auf der auch einige Päonien (Pfingstrosen) und Maiglöckchen ein Plätzchen haben. Die Arbeit mit den Rosen bereitet dem Hochdorfer, trotz der Schwierigkeiten bei der Vermarktung, immer noch Freude. Die Rose sei heutzutage ein globales Produkt. Ein Drittel der Rosen auf dem deutschen Markt seien Importware aus Afrika. Bis eine solche Blume beim Endverbraucher landet, tickt ihre innere Uhr weiter, was die Freude über die Blüte verkürzen kann. „In Afrika werden noch Spritzmittel verwendet, die hier nicht mehr zulässig sind“, sagt Weniger. Mitunter seien die Spritzmittelrückstände auf den Blättern noch zu erkennen. Auch Weniger behandelt seine Rosen, aber „nach deutschem, strengem Pflanzenschutzmittelgesetz“. Mehltau, Läuse, Trips und Spinnmilben werden so bekämpft.
35 verschiedenfarbige Sorten wachsen derzeit in den Hochdorfer Beeten. „Wir liefern hauptsächlich an Blumenfachgeschäfte, haben aber auch einen Hofladen“, sagt Weniger. Zweimal in der Woche ist die Nacht für ihn und Gärtnerin Birgit Urban schnell zu Ende: Um fünf Uhr wird zum Ausliefern gestartet. In Bündeln zu 20 Stück wartet die Ware im Kühlhaus auf die große Fahrt. Von Anfang März bis Anfang Dezember reicht die Hauptsaison der edlen Blumen. Ab mittags schneidet Wolfgang Weniger jeden Tag die erntereifen Blüten, die anschließend von seiner Frau und Gärtnerin Urban sortiert und gebunden werden. Auf beachtliche 90 Zentimeter Länge sind manche Exemplare gewachsen.
Ihre Ruhephase im Dezember verbringen die Pflanzen frisch zurückgeschnitten im geputzten, auf null Grad Celsius temperierten Gewächshaus. Je nach Ergebnis von Bodenproben wird mit organischem Dünger aufgedüngt. Die Gewächshausfläche ist in fünf Abteilungen aufgeteilt, die ab Mitte Januar nacheinander auf 16 Grad Celsius angeheizt werden. Damit ist gewährleistet, dass immer frisch blühende Pflanzen zur Verfügung stehen. Haus für Haus kann dann die bunte Ernte stattfinden, danach fängt der Reigen im ersten Haus wieder an. Dort ist inzwischen nahe der Schnittstelle die nächste Rose gewachsen, der sogenannte zweite Flor. Beregnungsanlage und Heizungsrohre schlängeln sich am Boden entlang. Ein Energieschirm wird in der Nacht entrollt, um die Wärme zu halten und dient im Sommer als Sonnenschutz. Die Pflanzen werden mit dem Sender SWR 4 beschallt, was ausschließlich mit dem Wohlgefühl von Wolfgang Weniger zu tun hat. Wobei: Ein positives Pflanzenwachstum könne schon beobachtet werden, meint er schmunzelnd.
Auf seine Rosen lässt der Gärtnermeister nichts kommen. Aber ein Laster hätten sie dann doch: In der Vase sind sie Säufer. Tief im Wasser sollen sie stehen und nach drei bis vier Tagen frisches Nass bekommen. Weniger: „Eine gute Rose sollte je nach Sorte sieben bis zehn Tage halten.“ Von der allgemeinen Wirtschaftskrise bleibt auch der Schnittrosenproduzent nicht verschont. Besonders die bunten Sträuße sind da nicht so gefragt. „Aber Rot geht auch in schlechten Zeiten“, sagt Weniger.  (sr)


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