Freitag, 30. Juli 2010

Ein Haus entsteht


Ein Fertighauselement hängt am Haken. Foto: Elsässer
Ein Fertighauselement hängt am Haken. Foto: Elsässer

Der Weg zum Eigenheim ist oft ein langer und steiniger; der Hausbau selbst mittlerweile fast ein Kinderspiel – vor allem, wenn es sich um ein Fertighaus handelt. Nur ein bis zwei Tage dauert es und die Hülle steht samt Dach. Doch wie geht das vonstatten? Die Vaihinger Kreiszeitung wollte es genauer wissen und schaute in Ensingen bei der Errichtung eines Fertighauses zu.
Montag, 6.30 Uhr, Hakenweg 3 in Ensingen: Während in der Nachbarschaft die Wecker klingeln und Kaffeemaschinen in Gang gesetzt werden, rollen draußen drei Sattelzüge und ein Kranwagen im Auftrag der Firma Keitel-Haus GmbH mit Sitz in Brettheim (Rot am See) an. Wie die Heinzelmännchen wuselt der sechsköpfige Montagetrupp über das 670 Quadratmeter große Grundstück. „Normalerweise sind wir nur zu Fünft, doch heute bauen wir auch das Gerüst auf“, sagt Montageleiter Michael Schewen.
Kaum angekommen, wird die Bodenplatte auf dem Keller inspiziert. Stimmen die Winkel? Ist alles im Wasser? Mit einer Laserwasserwaage und Holzplättchen werden kleine Bodenunebenheiten ausgeglichen. Die Gipser rühren so lange den Mörtel an, mit dem später die Wände auf die Bodenplatte „geklebt“ werden. Das einzige Problem: woher den Strom nehmen?. Der Baustromzählerkasten ist zwar auf dem Grundstück, doch noch nicht von der EnBW angeschlossen. Der Nachbar hilft glücklicherweise aus.
Um 7.30 Uhr hängt bereits das erste Wandteil am Haken des 40-Tonnen-Kranwagens, der von Uwe Wagner aus Villingen-Schwenningen bedient wird. „Ab Windstärke 6 wird’s gefährlich“, sagt Wagner. Doch heute ist es nicht windig – nur kalt. Mit viel Gefühl und Augenmaß bringt er ein Fertigbauteil nach dem anderen an seine vorgesehene Stelle. Hier nehmen es die Keitel-Zimmerleute in Empfang und passen es auf den Millimeter genau ein. Die Arbeit wird ihnen dadurch erleichtert, dass die insgesamt 61 Montageelemente (41 Wand-, 12 Dach und 8 Deckenelemente) bereits millimetergenau und vollautomatisch produziert das Werk verlassen haben. Steht das Element an seinem Platz, wird es von einem der Mitarbeiter umgehend mit riesigen Schrauben befestigt.
Mittlerweile – es ist acht Uhr – kommt Bauherr Reinhard Baier auf die Baustelle und hat Kaffee im Gepäck. Kaum angekommen, ruft er auch schon bei seiner Frau Gabi Engele an. Sie soll dafür sorgen, dass der EnBW-Techniker den Baustrom anschließt. Aus Asperg zieht die Familie mit den beiden Töchtern Lea (7) und Maja (5) nach Ensingen. Erst sollte es eine gebrauchte Immobilie im Umkreis von 25 Kilometer um Asperg herum sein. Eines der Objekte stand in Ensingen zum Verkauf. Aus dem Handel wurde nichts, doch der Vaihinger Ortsteil hat der Familie so gut gefallen, dass sie sich dort um ein Grundstück bemühten.
Aus der Frage Fertighaus oder Massivhaus machten die beiden keine Philosophie. „Ausschlaggebend war die kürzere Bauzeit“, sagt der Bauherr. Im April will er mit seiner Familie in das 150 Quadratmeter große „Haus Lichtenau“ – so heißt es bei Keitel-Haus – einziehen. Das Haus ist prinzipiell von der Stange und hat außer vier Kellerräumen im Erdgeschoss einen Wohn- und Essbereich mit Küche, ein Arbeitszimmer sowie ein Gäste-WC mit Dusche. Im Obergeschoss gibt es ein Schlafzimmer, zwei Kinderzimmer, ein Badezimmer sowie eine Galerie. Für angenehme Temperaturen im Haus soll eine Wärmepumpe sorgen.
Ein Wandteil nach dem anderen hievt Kranfahrer Uwe Wagner vom Lkw herunter zu den Arbeitern. Die nehmen sie in Empfang, passen sie ein und drehen umgehend die Schrauben hinein – rund 500 Stück für das ganze Haus. Gegen zehn Uhr stehen die Erdgeschosswände. Nun werden die Deckenteile montiert. Als das Balkonelement nicht richtig passt, greift Montageleiter Michael Schewen persönlich zur Kettensäge. Ein schneller Schnitt und es kann weitergehen. Drei Stunden später ist schon das Dachgeschoss dran. Kniestock, Wandelemente, Kehlgebälk. Wieder das gleiche Bild: Hieven, schrauben, hieven, schrauben. In Windeseile wächst das Haus.
Das Haus der Familie Baier/Engele verfügt über einen sogenannten diffusionsoffenen Wandaufbau in Holzständerbauweise. Von außen nach innen besteht die Wand aus einem fugenlosen, dampfdiffusionsoffenen Silikonharzputz, einem Armierungsgewebe mit diffusionsoffenem Grundputz, 60 Millimeter Holzfaserdämmplatte, 160 Millimeter Holzrahmen-Konstruktion mit Mineralwollmatte, 13 Millimeter OSB-Platte und 12,5 Millimeter Gipsbauplatte. Insgesamt werden in dem Keitel-Haus knapp 30 Kubikmeter Holz verbaut.
Gegen 16 Uhr setzt schon leichte Dämmerung ein, was die Montagearbeiter nicht stört. Die nächsten zweieinhalb Stunden sind sie – gut beleuchtet von zahlreichen Baulampen – damit beschäftigt, die zwölf Dachelemente zu montieren. In luftiger Höhe balancieren die Zimmermänner freihändig und in schlafwandlerischer Sicherheit auf den Balken. Für die Dachziegel reicht es heute nicht mehr, dennoch ist das Haus um 18.30 Uhr bereits regendicht. Als letzte Arbeit an dem Tag wird der Kamin gesetzt. Nach rund zwölf Stunden steht das Haus.
Am Dienstag geht es um 7.30 Uhr weiter. Haus verankern, Dachfenster einbauen, Fassade schließen – bis zur Mittagszeit hat der Montagetrupp noch viel zu tun, ehe am späten Nachmittag das Dach mit knallroten Ziegeln eingedeckt wird. Wenn heute die Abschlussarbeiten beendet werden, geht es im Haus erst so richtig los mit den Innenarbeiten. In vier bis fünf Monaten werden die Neu-Ensinger dann in ihr Traumhaus einziehen.

Frank Elsässer


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