Freitag, 10. Februar 2012

Arbeitsdienst am Grill – Bockbierfest mal anders


VKZ-Redakteurin Wirth war am Hähnchengrill im Einsatz.

Warmes Wasser prasselt auf meine Haut. Feuchter Nebel breitet sich in der Kabine aus. Langsam vermischt sich der Duft von fettigem Hähnchen mit dem frischen Geruch von Duschgel und Haarshampoo. Es ist Viertel nach eins. Vor rund fünf Stunden, um 20 Uhr, um genau zu sein, habe ich meinen Dienst beim Bockbierfest angetreten. Meine Aufgabe lautete: einen Abend lang mit den zahlreichen anderen Helfern des Musikvereins Vaihingen (MVV) dafür zu sorgen, dass alle Besucher des Festes genügend zu trinken und essen bekommen.
Mit dieser Info betrete ich kurz vor acht die Ezel-Halle. „Hier ein T-Shirt, hier eine Schürze. Das ziehst du an.“ Schnell schlüpfe ich in die weißen Klamotten mit MVV-Logo. Dann führt mich die Frau zum Hähnchengrill – mein Arbeitsplatz für die nächsten Stunden. „Hähnchen kommen auf die flachen Teller, die Haxen werden in den tiefen serviert. Außerdem kommt jeweils ein Brötchen, eine Serviette und ein Zitrustuch für die Hände dazu. Hals gibt’s im Brötchen mit Serviette“, erklärt mir die Dame aus der Schicht zuvor, die sehr erleichtert zu sein scheint, die Ablösung zu sehen. „Hähnchen flach, Haxe tief, Hals Brötchen“, wiederhole ich in Gedanken und dann geht’s auch schon los. Einige Leute warten bereits ungeduldig vor dem Stand. „Ein Hähnchen, bitte“, fordert der erste in der Schlange. „Dauert noch ein paar Minuten“, springt Joachim helfend ein. Er ist heute Abend der Grillmeister. Anette und ich sollen Geflügel und Schwein unter die Massen bringen.
Doch so ganz haben wir den Arbeitsablauf noch nicht raus. Ein Mann in der Schlange möchte Hals. Ratlos schaue ich mich um. Wo ist der Hals? Wer schneidet, wer richtet? Hektisch laufen Anette und ich hin und her, stoßen dabei auch mal aneinander oder stehen Joachim im Weg, der das Fleisch schneidet. Ich halte ihm schließlich das Brötchen hin, der Hals ist drin, eine Serviette dazu und ab zum Kunden. Die Hähnchen sind fertig. Grillmeister Joachim holt die Stange aus dem Ofen, nimmt die Vögel runter und teilt das Fleisch. Schnell schnappen Anette und ich uns die halben Portionen. Rechts an der Schlange drängt sich eine Bedienung vor: „Vier halbe Hähnchen, bitte.“ Der Mann ganz vorn in der Schlange schaut grimmig. Wer ist nun dran? „Bedienungen haben Vorrang“, erklärt mir Anette. Die nächsten vier Portionen landen auf dem Tablett der Bedienung. Der Arbeitsablauf spielt sich langsam ein. Bestellung aufnehmen, Teller richten, Bon kassieren, einreißen und ab in die Box. „Guten Appetit! Der Nächste bitte.“
Die Latexhandschuhe triefen schon nach wenigen Minuten vor Fett. Die Hitze der Grills dringt langsam durch meine Kleidung. Ich kremple die Ärmel meines Pullovers nach oben. Langsam spüre ich, wie sich auf meiner Nase kleine Schweißperlen bilden. Mit dem Arm fahre ich mir über das Gesicht. Das Make-up hätte ich mir heute sparen können. Genau eine halbe Stunde halte ich es aus, dann verabschiede ich mich kurz und ziehe meinen Pulli aus. Das Arbeiten ist jetzt wesentlich angenehmer, viel zu heiß ist es trotzdem. An meinem Rücken staut sich die Hitze. An meinem rechten Arm bilden sich rote Streifen – da bin ich wohl dem Grill zu nah gekommen. So oft es geht, stellen Anette und ich uns neben den Grill. Dort ist ein laues Lüftchen zu spüren. Eine Erfrischung für wenige Sekunden.
Der Andrang am Grillstand lässt langsam, aber kontinuierlich nach. Zeit zum Durchschnaufen. Über den Wolken lasse ich mit Nena 99 Luftballons steigen, spiele Cowboy und Indianer und trinke griechischen Wein. „Ein halbes Hähnchen, bitte“ – ich werde aus meinen Gedanken gerissen, mein Fuß wippt allerdings immer noch im Takt mit.
Anette hat uns mittlerweile etwas zum Trinken besorgt. Uff, das ist dringend nötig. Während wir auf die nächste Bestellung warten, schweift mein Blick durch den Saal. Viele junge Leute sind hier, die Halle ist brechend voll. Zwischendurch entdecke ich viele bekannte Gesichter – doch irgendwie hat keiner mehr Hunger. Dafür scheint das Volk Durst zu haben. Ein Security-Mensch ist auf die Bar gestiegen und drängt die Massen zurück, die kurz davor sind, die Holztische zum Einstürzen zu bringen. Direkt neben uns schüttet ein junger Mann einem anderen sein Bier über den Kopf, der schuppst zurück. Das Glas knallt auf den Boden, die Scherben springen in alle Richtungen. Anette und ich verstecken uns schnell hinter den Grill, doch gleich ist das Sicherheitspersonal da. Das Fest ist für die beiden Streithähne beendet. Meine Füße tun weh. Wir haben zwei Getränkekisten organisiert und sitzen abwechselnd darauf. Langeweile macht sich breit. Ein halbes Hähnchen in 30 Minuten. Sehr viel ist nicht zu tun. Am Würstchenstand nebenan wird kräftig gefeiert. Der junge Mann am Grill klatscht seine Zange im Takt von „We will rock you“ auf seinen Oberschenkel. Die Stimmung ist ausgelassen.
Die Hungrigen warten bis kurz vor 12 oder bis fünf nach. Da ist das Fest aber vorbei. Es gibt nichts mehr. Da hilft auch kein Bitten und Betteln mehr. Wir räumen auf. Die Theke muss abgewischt werden. Nebenbei gönnen wir uns ein Radler – das haben wir uns verdient. Die Leute wollen immer noch nicht gehen. Ich schon. Um 1 Uhr verlasse ich die Halle.
Ich drehe den Wasserhahn zu. Ein paar Tropfen prasseln herunter. Meine Nase zuckt. Riecht hier noch irgendwas nach Hähnchen? Dieser Geruch wird mich wohl noch die nächsten Tage verfolgen. Doch gerade rieche ich nur Vanille und Pfirsich, ich schlüpfe in meinen Schlafanzug und falle ins Bett. Eva Wirth


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