Erfolgreich in der Reithalle und darüber hinaus
30/09 2010
Erfolgreich in der Reithalle und darüber hinaus
Vaihingen (sün). Einen nicht ganz alltäglichen Sport betreibt die Familie Schubert. Alle vier Sprösslinge sind oder waren aktive Voltigierer beim Pegasus Voltigier- und Reitverein Mühlacker. Für die Eltern eine große logistische Herausforderung.
„Voltigieren ist eine Art Turnen auf einem Pferd“, erklärt die jüngste Tochter Viola Schubert. „Zur Musik wird dabei eine möglichst anspruchvolle Kür gezeigt. Hierbei gibt es sogar Saltos und ähnliche Sprünge zu bestaunen.“ Vor allem die 23-jährige Antonia Schubert ist mit viel Engagement bei der Sache – und richtig gut. Schon neunmal war sie bei deutschen Meisterschaften dabei. Ein dritter Platz im Jahr 2007 war das bisher beste Ergebniss. Aber auch ihre drei Geschwister sind weit gekommen und ebenfalls mit viel Enthusiasmus dabei.
Allzu bekannt wurden sie dennoch nicht. „Nur in Voltigierkreisen“, sagt die 27-jährige Julia Schubert. Reich wird man mit dem Sport auch nicht. „Eher im Gegenteil. Sogar die Nationalmannschaft muss für die Anreise zur Weltmeisterschaft selbst aufkommen“, erklärt Viola. „Selbst bei der deutschen Meisterschaft gibt es vielleicht 100 Euro Preisgeld“, ergänzt Antonia. „Man muss praktisch alles aus eigener Tasche finanzieren.“
Auch auf die Eltern kam vor allem in früheren Jahren einiges zu. „Wir mussten, als von den Kindern noch keiner 18 Jahre alt war, zwei bis dreimal die Woche ins Training fahren“, erklärt Mutter Annnegret Schubert. Und Vater Rolf Schubert ergänzt lachend: „Vor allem vor dem Handyzeitalter gab es da einige Probleme. Ich habe zu der Zeit in Stuttgart gearbeitet. Dann wollte ich die Kinder nach der Arbeit vom Training abholen, komme an die Halle und alle sind weg.“
Trotz der Schwierigkeiten unterstützen die Eltern ihre Kinder immer. „Mir war das immer wichtig, dass sie Sport treiben. Vor allem fand ich gut, dass sie von Anfang an viel Verantwortung übernehmen mussten. Da werden schon die Jüngsten nach dem Training in das Putzen der Pferde und der Gerätschaften eingebunden“, erzählt die Mutter. „Vor allem der Umgang mit einem lebendigen Tier fand ich gut.“ Aber auch sonst haben die Schubert-Sprösslinge einiges für ihre Entwicklung beim Voltigieren gelernt. „Man befindet sich teilweise in vier bis fünf Metern Höhe. Da muss man seinem Teamkollegen, der einen hebt, blind vertrauen“, erklärt Julia Schubert. „Das überträgt sich auch in den Alltag. Man erlebt alles ein wenig intensiver.“
Dass jedoch nicht nur alles gut ist, weiß Antonia Schubert: „Auch eine Beziehung kann daran schon mal kaputt gehen. Und auch die Freunde außerhalb des Vereins müssen hin und wieder mal zurückstecken.“ Kein Wunder, sind doch in der Wettkampfsaison von März bis Oktober ein bis zwei Veranstaltungen pro Monat. „Plus Training. Da bleibt nicht mehr viel Zeit“, berichtet Viola Schubert. Doch Auswirkungen auf die Schule hat es laut den jungen Frauen nie gehabt. „Naja“, sagt Mutter Annegret Schubert und fängt an zu lachen. Doch Tochter Antonia Schubert kontert direkt: „Man macht sonst auch nicht mehr. Es ist manchmal sogar ein Vorteil, weil man strukturierter zur Sache geht.“
Zum Voltigieren sind die Schuberts 1992 über Klassenkameraden von Sohn Florian Schubert gekommen. „Ich wollte, dass sie eine Sportart betreiben. Ich komme vom Schwimmen. Aber das wollten sie damals nicht“, erklärt die Mutter. Doch auch vom Voltigieren musste der Sohn erst noch überzeugt werden. „Ist das denn überhaupt etwas für Jungs?“, lautete damals die erste Frage von Florian Schubert. „Doch der damals amtierende Deutsche Meister hat zu der Zeit in Mühlacker trainiert. Damit war die Sache dann gegessen“, erinnert sich die Mutter. „Da die beiden ältesten Töchter sich ebenfalls am Voltigieren begeisterten, wollte die jüngste auch aufs Pferd.“
Der 28-jährige Florian Schubert hat mittlerweile aufgehört. „Vor zehn Jahren durfte man mit 18 nicht mehr im Team voltigieren, nur noch im Einzel. Das wollte er dann nicht“, sagt der Vater. Auch die älteste Tochter Julia Schubert hat ihre aktive Laufbahn beendet und trainiert jetzt den Nachwuchs. Antonia Schubert will noch mindestens die nächste Saison bestreiten. „Danach muss man mal schauen was die Zukunft bringt. Doch Nachwuchs ist immer erwünscht“, wirbt Antonia Schubert für ihren Sport.
Das erste Nachwuchstalent ist schon in Sicht. Die Älteste der Schubert-Töchter erwartet schon den nächsten Voltigierer in der Familie. Die 27 Jahre alte Julia Schubert ist schwanger.
