Freitag, 25. Mai 2012

Ein Wettbewerb ist auch für Reiter Schwerstarbeit




25/09 2010

Ein Wettbewerb ist auch für Reiter Schwerstarbeit

Haba
Bevor Elisa Binder zur Dressur in den Parcours geht, wird Ashanty herausgeputzt. Reitkollegin Corina Neuberger, der sogenannte Turniertrottel, striegelt den Schimmel, und Binder schabt Dreck aus den Hufen. Fotos: Nachreiner

Nussdorf (sün). „Die lesen die einzelnen Übungen heute schon“, fragt Elisa Binder vom Reit-, Fahr- und Zuchtverein (RFZV) Nussdorf etwas panisch, als sie mit ihrem Schimmel Ashanty zur Dressurpferdeprüfung der Klasse A in den viereckigen Parcours einreitet. Die Aufregung ist der Reiterin deutlich anzumerken. Bereits beim Abreiten, dem Warmmachen des Pferdes vor dem Wettbewerb unkte Binders Reitkollegin Corina Neuberger: „Hoffentlich lesen sie die Übungen. Sonst verreitet sich Elisa nur.“ Die Aufregung ist auch verständlich. Obwohl Binder eine erfahrene Reiterin ist, nimmt Ashanty heute zum ersten Mal an einem Wettkampf teil. Doch der gerade einmal vier Jahre alte Schimmel scheint kein Premierenfieber zu haben. Geduldig und gelassen folgt er den Anweisungen Binders durch den Parcours. Nur einmal scheut er etwas: beim Rückwärts-Richten, dem Rückwärts-Gehen. „Genau hier hat Ashanty noch etwas Probleme“, erklärt Neuberger. Dennoch ist sie am Ende zufrieden – genauso wie Ashantys Reiterin. „Es war sein erster Wettkampf. Da ist es klar, dass er noch recht unruhig läuft. Dennoch war er schon ziemlich gut“, sagt Binder, während sie mit dem Schimmel in Richtung Reithalle entschwindet. „Das Pferd muss jetzt noch abgeritten werden, damit es sich etwas entspannen kann und nicht allzu verschwitzt in den Stall kommt“, erklärt Neuberger. Das Tagwerk für Pferd und Reiter sind erledigt.

Dass es so entspannt verlaufen würde, hätte man rund eine Stunde vor dem Wettbewerb noch nicht gedacht. Binder merkt man ihre Nervosität bereits deutlich an. Das Pferd erhält den letzten Feinschliff. Ashanty merkt, dass etwas im Busch ist. Auf dem Gelände des RFZV läuft immer wieder Musik bei den Siegerehrungen der bereits stattfindenden Springprüfungen. Außerdem war am Tag zuvor bereits Großputz angesagt. „Gestern haben wir schon einmal das Sattelzeug geputzt und das Pferd gerichtet. Das will immerhin an so einem Tag auch hübsch sein“, sagt Binder und lacht. Fast könnte man meinen, eine Dame macht sich ausgehfein. Ashanty wurde abgespritzt, gebürstet und erhielt eine Decke für die Nacht umgehängt, damit das Fell nicht wieder dreckig wird, sollte sich der Schimmel im Stall hinlegen. „Außerdem flicht man dem Pferd noch Zöpfe. Damit die Punktrichter besser die Halsmuskulatur sehen können“, erklärt Neuberger. „Wenn das Pferd gute Nackenmuskeln hat, also die oberen Halsmuskeln sichtbar sind, bedeutet das, das Pferd wird gut geritten. Sind jedoch die unteren Halsmuskeln sichbar, ist das Pferd verkrampft.“

Nach dem Großputz am Tag zuvor, folgt am Wettkampftag noch der Feinschliff. Erneut wird Ashanty abgebürstet. „Das hat zwei Gründe“, erklärt Neuberger. „Erstens muss das Pferd nochmal geputzt werden. Denn obwohl wir heute Nacht eine Decke um Ashanty gebunden hatten, wird er nochmals etwas dreckig. Zum anderen hat das eine massierende Wirkung auf die Muskulatur. Das fördert die Durchblutung, so dass das Pferd nachher besser seine Leistung bringen kann.“ In der Zwischenzeit schabt Binder den Dreck aus den Hufen. Bevor der Sattel aufgelegt wird, putzt Binger das Pferd mit feuchten Tüchern ab. „Dann glänzt das Fell viel schöner“, erklärt sie die für Aussenstehende doch reichlich ungewöhnliche Maßnahme. Neuberger legt dem Pferd die Schabracke um. Eine Art Decke, die den Schweiß auffängt, wie sie erklärt. Jetzt erst wird der Sattel umgeschnallt.

Doch auch der Reiter muss sich noch richten. Es gibt strenge Richtlinien – weiße Reithose, weiße Bluse oder T-Shirt, außerdem ein schwarzes Jacket und Reitstiefel. Dazu weiße Handschuh und einen schwarzen Zylinder. Der Zylinder ist aber erst ab Klasse M aufwärts Pflicht. Darunter dürfen die Reiter auch einen Reithelm tragen.

Einige Stunden zuvor haben sich die beiden Nussdorferinnen bereits den Platz angeschaut. „Das ist wichtig, um zu sehen, wie die Bodenverhältnisse sind“, sagt Neuberger. „Je nachdem, ob der Boden hart, tief, rutschig oder trocken ist, muss man sich überlegen wie lange man das Pferd abreitet.“ Je nach Pferd und Witterungsverhältnissen – Hitze schlaucht auch Pferde – dauert das Aufwärmen der Pferde rund 20 bis 40 Minuten. Ashanty zieht ruhig die Bahnen durch die Reithalle. Mal im Schritt, mal im Trab, mal im Galopp. Auch rückwärts und seitwärts bewegt sich der Schimmel. Auch einige Passagen aus dem Dressurprogramm werden noch einmal durchgegangen. „Damit Pferd und Reiter sich das nochmal in Erinnerung rufen“, erklärt Neuberger.

Währenddessen reiten noch einige Teilnehmer um den Parcours herum. „Die drehen ein paar Runden um die Bahn, damit die Pferde sich schon mal etwas an das Viereck gewöhnen können und nachher nicht alles so unbekannt für die Tiere ist. Aber in den Parcours dürfen sie nicht“, erklärt Neuberger. „Wir haben das aber bereits vorher gemacht.“ Eigentlich sollte für Ashanty das heimische Geläuf bekannt sein. „Durch die Begrenzungen des Parcours und die Blumen sieht das während des Wettkampfs ganz anders aus als normal“, berichtet Neuberger. „Pferde tun sich meist auf heimischen Anlagen bei Wettkämpfen schwerer, weil eben alles anders aussieht. Da müssen sie alles anschauen und sind abgelenkt.“




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