Freitag, 25. Mai 2012

Friedrich richtet sich auf Abstiegskampf ein




01/09 2010

Friedrich richtet sich auf Abstiegskampf ein

Haba
Anja Friedrich ist starker Rückhalt im Tor bei den Handballerinnen der SG BBM Bietigheim. Sie war maßgeblich am Aufstieg in die 1. Bundesliga beteiligt. Physiotherapeutin Eve Riedmüller kümmert sich dagegen darum, dass die Spielerinnen immer ihre beste Leistung abrufen können. Fotos: Bürkle/privat

Bietigheim-Bissingen (nac). Zweimal in Folge sind die Handballerinnen der SG BBM Bietigheim aufgestiegen. Nun spielen sie in der Belle Etage des deutschen Handballs, der 1. Bundesliga. „Aber viele in der Mannschaft haben das noch nicht realisiert“, berichtet Torhüterin Anja Friedrich.

„Wir spielen jetzt gegen Nationalspielerinnen und Welthandballerinnen.“ Auch Anja Friedrich kann es kaum glauben, was sich in der am Wochenende beginnenden Bundesligasaison für die Bietigheimerinnen ändert. Die Torhüterin, die in Vaihingen aufgewachsen ist und beim TVV mit dem Handball begonnen hat, war maßgeblich am Aufstieg in diesem Frühsommer beteiligt. „Anja hat einen hohen Anteil am Wunder von Bensheim“, sagt die Vaihingerin Eve Riedmüller, eine der Physiotherapeutinnen des Teams. „Sie hat wunderbar gehalten. Wir hatten einen Sieg mit vier Toren gebraucht. Doch letztlich waren es sogar sechs Tore Unterschied im Rückspiel.“

Für Friedrich steht allerdings fest: „Wir werden um den Klassenerhalt kämpfen. Vor allem die Spiele gegen Rosengarten und Trier mit seinen vielen Abgängen sollten wir gewinnen. Und vielleicht gelingt uns dann auch noch der ein oder andere Überraschungspunkt.“ Trainer Hagen Gunzenhauser teilt diese Ansicht: „Es geht nur um den Klassenerhalt und nicht annähernd um was anderes. Wir treten in fast jedem Spiel als Underdog an. Aber mit dieser Situation können wir sehr gut leben.“

15 Spielerinnen umfasst der Kader. Das Gerüst der Mannschaft ist nach dem Durchmarsch in die 1. Bundesliga zusammengeblieben. Mit drei Nationalspielerinnen – Miranda van Capelle (Niederlande), Sara Walzik (Deutschland) und Natascha Schilk (Österreich) – verstärkte sich die SG im Rahmen ihrer Möglichkeiten sinnvoll. Eine besondere Konkurrenzsituation besteht für Friedrich im Tor. Denn mit Natascha Schilk verpflichtete die SG die Torhüterin der österreichischen Nationalmannschaft. „Ich versuche, von ihr zu lernen. Sie hat mit ihren 21 Jahren bereits internationale Erfahrung gesammelt. Aber ich kann ihr auch einiges zeigen“, nimmt die 25 Jahre alte Tammerin die Herausforderung an. „Die Konkurrenz bringt uns beide weiter.“ Schilk habe die sogenannte ungarische Schule durchlaufen. Friedrich: „Sie geht anders zum Ball als ich. Und da sie relativ klein ist, muss sie viel antizipieren. Außerdem wirft sie einen guten Pass, um die zweite Welle, den Schnellangriff, einzuleiten.“ Friedrich dagegen ist der Chef der Abwehr, erzählt Riedmüller: „Sie koordiniert die Abwehr super. Und sie hat eine überragende Körpersprache.“ Und Friedrich ergänzt: „Ich bin sehr ehrgeizig. Ich habe mir alles erarbeitet. Unser Torwarttrainer Jürgen Stehle meinte einmal scherzhaft: ,Ich sei absolut talentfrei.‘“

Um nicht nach nur einer Saison wieder die Segel in der deutschen Eliteklasse streichen zu müssen, wurde bei der SG nochmals einiges professionalisiert. „Vor allem die Umfänge im Training wurden gesteigert. Wir hatten im August drei freie Tage, glaube ich. Auch die Härte hat zugenommen“, erzählt Friedrich. Damit soll kompensiert werden, dass die Bietigheimerinnen nur viermal in der Woche in die Halle können, während andere Mannschaften unter Vollprofibedingungen vermutlich sogar mehrmals am Tag trainieren können. Doch auch im Umfeld hat sich etwas getan. Die Zusammenarbeit mit dem Rehazentrum Hess wurde ausgebaut. „Die Mädels kommen zweimal pro Woche zu uns“, berichtet Riedmüller. „Da das Training intensiviert wurde, müssen wir viele kleine Blessuren auffangen. Außerdem sind wir zusammen mit Dr. Christoph Lukas oder einem der anderen betreuenden Ärzte bei den Heimspielen dabei.“

Heimspiele der SG BBM Bietigheim: 12. September, 16 Uhr: DJK/MJC Trier; 1. Oktober, 20 Uhr: HC Leipzig; 17. Oktober, 16 Uhr: FHC Frankfurt/Oder; 31. Oktober, 16 Uhr: HSG Blomberg-Lippe; 6. November, 20 Uhr: Thüringer HC; 20. November, 20 Uhr: Frisch Auf Göppingen; 28. Dezember, 20 Uhr: VfL Oldenburg; 15. Janur, 20 Uhr: Buxtehuder SV; 29. Januar, 20 Uhr: SG Rosengarten-Buchholz; 19. Februar, 20 Uhr: Bayer Leverkusen; 19. März, 20 Uhr: VfL Sindelfingen.


INFO
Zur Person

Anja Friedrich: Mit neun Jahren hat Friedrich durch eine Freundin beim TV Vaihingen mit dem Handball angefangen. Bereits kurze Zeit später kamen die Einladungen zur Bezirks- und zur württembergischen Auswahl. Bereits im zweiten Jahr C-Jugend wechselte Friedrich zur SG Bietigheim-Metterzimmern. „In kleinen Vereinen wird man nicht so gefördert“, erklärt die Informationstechnikerin. „Ich habe TVV-Trainer Armin Schubert einfach vor vollendete Tatsachen gestellt.“ Bis zur A-Jugend spielte Friedrich in Bietigheim. Dann erfolgte der Wechsel zur TSG Oßweil in die Regionalliga. Doch nach drei Jahren zog Friedrich wegen des Studiums zunächst die Reißleine. Sie wechselte in die Bezirksliga zur SG Metterzimmern. Nach zwei Jahren gründete sich die SG BBM Bietigheim und der Aufstieg bis in die 1. Bundesliga begann.

Eve Riedmüller: Während der Ausbildung zur Physiotherapeutin hat Riedmüller die Zweitligaspieler der TuS Schutterwald betreut. Vor zwei Jahren fing sie dann beim Rehazentrum Hess an, wo sie aufgrund ihrer Vorerfahrungen wieder die Handballer betreute. Die Vaihingerin war in ihrer Jugend aktive Leichtathletin und Turnerin. (nac)




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