Freitag, 25. Mai 2012

Bruno Kachur: Mit 60 Jahren zur WM




Bruno Kachur
Bruno Kachur hat bereits einige Erfolge für sich verbuchen können. Foto: oh

Hochdorf/Moskau (ev). So schnell wie ein 20-Jähriger ist Bruno Kachur nicht mehr. Allerdings ist der Fechter aus Hochdorf auch schon 60 Jahre alt. Dass er fast schon das Rentenalter erreicht hat, merkt man ihm nicht an. Im Gegenteil: Morgen startet er bei der Senioren-Weltmeisterschaft der Fechter.

Rüstig – so werden gerne Menschen jenseits der 60-Jahre-Marke beschrieben, die lieber an der frischen Luft sind, als auf der heimischen Couch. Bruno Kachur ist zwar 60 Jahre alt und er macht auch nicht den Eindruck, als ob er ein Stubenhocker sei. Trotzdem: Rüstig ist definitiv das falsche Wort, um ihn zu charakterisieren.

Morgen geht Bruno Kachur bei der Senioren-Weltmeisterschaft der Fechter an den Start. Mit dem Florett hat er sich für das Turnier qualifiziert. „Die Qualifikation für eine WM ist schwer, meist ist sie auch anstrengender als das Turnier selbst“, meint er. Wenn man die Quali aber erfolgreich überstanden hat, sei die Weltmeisterschaft das Sahnehäubchen. Dabei sein ist für ihn allerdings trotzdem nicht alles. „Ich fliege nicht nach Moskau, um zu verlieren“, sagt er. Sein Ziel ist eine Platzierung unter den ersten Zehn. Doch das Teilnehmerfeld ist stark. In allen Disziplinen gehen zusammen 450 Teilnehmer an den Start – ein neuer Rekord. Das Feld in der Altersklasse Ü60 ist stark besetzt. Allerdings kann auch der Vaihinger Unternehmer auf einige Erfolge auf der Fechtbahn zurückblicken. Mit dem Florett war er WM- und EM-Fünfter. Mit dem Degen war er Vizeweltmeister im Einzel und Europameister mit der Mannschaft. Hinzu kommen einige Deutsche und Württembergische Meistertitel, sowohl mit dem Degen als auch dem Florett.

Kachurs Stärke ist die Kondition: „Ich habe zwar nicht mehr die Grundschnelligkeit, die ich mit 20 hatte, aber ich bin fit.“ Einmal in der Woche steht ein Waldlauf auf dem Programm, zweimal die Woche besucht er das Fechttraining der TSF Ditzingen, aber nicht die Übungsstunde für Senioren. Es kann schon einmal passieren, dass Kachur von einem 18-Jährigen her-ausgefordert wird. Das Duell nimmt er freilich an und dann „geben wir es uns richtig“ – mit offenem Ausgang.

Kachur ist sich allerdings bewusst, dass viele Leute Sportler, die nicht mehr 20 oder 30 Jahre alt sind, belächeln. Der Hochdorfer kann darauf nur erwidern: „Senioren-Sport ist altersbezogener Leistungssport.“ Seine Vereinskameraden sehen es ähnlich und bringen ihm Respekt entgegen. Davon, lächerlich zu wirken, ist Kachur meilenweit entfernt.

Und wie viele Weltmeisterschaften sollen noch folgen? „Keine Ahnung“, sagt Kachur. In diesem Jahr wird probeweise zum ersten Mal ein Wettbewerb in der Altersklasse 70+ durchgeführt. Am Angebot mangelt es also nicht, am Interesse ebenfalls nicht.

Kachur ist vom Bazillus Fechten infiziert. „Der ganze Körper ist gefordert“, schwärmt er. Arme, Beine, aber auch der Kopf. „Fechten verkörpert den uralten Jagdtrieb der Menschen“, sagt der Hochdorfer. Es sei das Duell Mann gegen Mann. Ein Unentschieden gibt es nicht. Und genau deshalb trainiert Kachur. „Was sollte ich abends denn sonst machen? Mich vor den Fernseher setzen?“, fragt er. Nein, dann gehe er lieber ins Training oder wie jetzt zur WM nach Moskau.




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