Vaihingen (ev). Abstieg aus der Bezirksliga, punktlos Letzter in der Fußball-Kreisliga A3 – beim VfB Vaihingen läuft es richtig mies. Trainer Martin Käpplinger zieht deshalb die Reißleine, um dem Team eine neue Chance zu bieten. Die Frauenmannschaft will er trotzdem weiter betreuen.
Es läuft nicht. Und das schon lange. Der VfB Vaihingen ist wieder Tabellenletzter. 200 Prozent müsse ein Trainer in dieser Situation in die Mannschaft investieren, sagt Martin Käpplinger. Er könne aber maximal 100 Prozent geben, die anderen 100 fließen in das Training der VfB-Damen. Deshalb hat Käpplinger nun die Verantwortung für die Herren abgegeben. Das Projekt, beide aktiven VfB-Teams trainieren zu wollen, ist gescheitert.
Käpplinger ist nach wie vor vom Potenzial der Vaihinger Mannschaft überzeugt. Die doppelte Trainertätigkeit habe ihm auch viel Spaß gemacht. Doch es war zu viel. Außerdem hatte er nach der 0:4-Niederlage gegen Illingen das Gefühl, diesen Schritt tun zu müssen, damit die Mannschaft und der Verein die Chance haben, etwas Neues anzufangen. Denn auf dem Feld habe er Stillstand gesehen. „Die Mannschaft will, aber sie hat es nicht geschafft, die Motivation aus der Kabine mit auf den Platz zu nehmen“, erklärt Käpplinger.
Ein Grund für den fehlenden Erfolg sieht der scheidende Trainer in der Kommunikation. „Sender und Empfänger waren nicht auf der gleichen Ebene“, sagt Käpplinger. Ob es am Sender oder am Empfänger gelegen hätte, sei dahin gestellt. Außerdem sei der Druck, den sich er und die Mannschaft aufgebaut hätten, wohl zu groß gewesen. Es habe auf jeden Fall keinen Sinn, irgendwelchen Träumereien nachzuhängen.
Auch wenn Käpplinger nur wenige Monate die Männer trainierte, hat er nicht das Gefühl gescheitert zu sein. „Der eine oder andere wird mich sicherlich belächeln, aber wenn ich das Gefühl habe, dass jetzt etwas passieren muss, nehme ich mich selbst lieber zurück und ziehe die Reißleine, damit die Mannschaft doch noch die Kurve bekommen kann“, erklärt Käpplinger.
Trotz des Rücktritts: Die Frauenmannschaft will er weiterhin betreuen. „Ich habe ihnen versprochen, dass das Projekt mit den Männern auf keinen Fall zu Lasten der Frauen geht“, sagt er. Dieses Versprechen will er nun halten. „Wir sind froh, dass er dem Verein erhalten bleibt“, sagt Timo Kretzler, zweiter Vorsitzender beim VfB.
Doch zurück zu der Kreisliga-A3-Mannschaft: Auch Co-Trainer Anastasios Anastasiou ist nicht mehr im Amt. In zwei bis drei Wochen will er dem Verein aber wieder als Spieler zur Verfügung stehen.
Neuer Trainer ist Paulo Sousa – zumindest vorübergehend. Er hat den Trainer-A-Schein und auch schon etwas Erfahrung als Übungsleiter. Kretzler ist sich sicher, dass der 42-Jährige, der selbst noch für Vaihingen spielt, den nötigen Abstand hat. „Er ist eine Respektsperson und schafft sich die nötige Distanz“, so der zweite Vorsitzende.
Am Sonntag wird Sousa das erste Mal an der Seitenlinie stehen. Wegen einer Verletzung wird er frühestens in zwei Wochen wieder selbst spielen. Der Gegner am Wochenende ist Gündelbach. „Das wird interessant“, so Kretzler.
Sousa weiß, dass er vor einer schweren Aufgabe steht, denn nach vier Spieltagen ist der VfB immer noch punktlos und hat ein Torverhältnis von 5:17. Sousa will zwar über Spaß zum Erfolg kommen, aber eines kündigt er an: „Es ist viel Arbeit nötig“, so der Interimstrainer. Wie lange er und der VfB zusammenarbeiten werden, ist noch offen. In zwei bis drei Wochen wollen die Beteiligten entscheiden, wie es endgültig weitergeht und sich gegebenenfalls einen neuen Trainer suchen. Bis dahin leitet Sousa die Geschicke der Mannschaft.
