Das Rezept: Grenzenlose Konzentration
Illingen (ev). Ein Regelbuch unterm Kopfkissen – das braucht Eckhard Mayer nicht. Er hat die Vorschriften im Kopf. Nasse Hände, eine zittrige Stimme oder ein flaues Gefühl im Magen? Auch das ist bisher Fehlanzeige. Der Illinger ist die Ruhe selbst, obwohl er bei der Tischtennis-Europameisterschaft als Schiedsrichter im Einsatz sein wird.
Volle Konzentration erfordert ein Tischtennisspiel vom Schiedsrichter. Er muss erkennen, ob der Aufschlag ordnungsgemäß ausgeführt wird und anzeigen, wer den Punkt bekommt, wer Aufschlag hat und wehe er zeigt es mit dem falschen Arm an. Tischtennisspieler sind in Sachen Reklamationen zwar bei Weitem nicht mit Fußballern zu vergleichen, große Fehler sollten sich die Unparteiischen bei einer Veranstaltung wie einer Europameisterschaft trotzdem nicht erlauben.
Das Rezept des Illinger Schiedsrichters Eckhard Mayer: Konzentration. Dass er diese beherrscht, hat er schon bewiesen. Bei einem Endspiel einer deutschen Meisterschaft stritten sich Zuschauer direkt hinter Mayer und das nicht leise. Mayer war jedoch so sehr auf das Geschehen an der Tischtennisplatte fokussiert, dass er von dem Disput nicht das Geringste mitbekommen hat.
1984 hat Eckhard Mayer seine Schiedsrichterkarriere begonnen
Diese Fähigkeit war wahrscheinlich mit ausschlaggebend dafür, dass der Illinger bei der Tischtennis-Europameisterschaft eingesetzt wird. Allerdings hat der 49-Jährige auch einiges an Erfahrung zu bieten.
1984 hat Eckhard Mayer als Bezirksschiedsrichter angefangen. Es hat ihm Spaß gemacht, deshalb wurde er Verbandsschiedsrichter und 1995 schließlich Bundesschiedsrichter. Seit 2002 ist er Internationaler Schiedsrichter. Außerdem ist Mayer der Vorsitzende des Schiedsrichterbezirks Ludwigsburg, also immer nah dran an Regeländerungen und solchen Sachen. „Ich muss den Leuten unter mir ja mit Rat und Tat zur Seite stehen“, sagt Mayer. Mit den Regeln und deren Auslegung kennt er sich daher bestens aus.
Bewiesen hat er das schon bei der Mannschafts-WM 2006 in Bremen, bei der Junioren-WM in Palo Alto (USA) und auch schon bei der EM 1992, die ebenfalls in Stuttgart stattgefunden hat. Dort war er das erste Mal mit den Stars der Tischtennis-Szene in Kontakt. Allerdings ist der 49-Jährige kein Autogrammjäger. Hier und da mal ein Gespräch, wenn es sich ergibt, ansonsten lässt er die Stars in Ruhe, obwohl „es sehr nette, angenehme Leute sind“.
Als Internationaler Schiedsrichter wird Mayer bei der EM wohl vor allem bei den Vorrundenspielen in den Mannschafts- und Einzelwettbewerben eingesetzt. „Vielleicht klappt es ja auch noch mit einer Viertelfinalpartie“, so der Unparteiische. Ein Halbfinal- oder sogar das Finalspiel wird er wohl nicht leiten. Da werden bevorzugt die sogenannten Blue Badge Schiedsrichter – die höchste Qualifizierungsstufe eines Unparteiischen im Tischtennis – eingesetzt.
Neben der Arbeit wird dem Illinger aber durchaus Zeit bleiben, die eine oder andere Partie zu beobachten. „Ich freue mich schon auf hochklassige Partien“, sagt er. Vielleicht kann er sich ja den einen oder anderen Trick für seine eigenen Spiele abschauen. Mayer spielt nämlich selbst für 08 Mühlackers zweite Mannschaft in der Kreisklasse C.
Bereits am Samstag, einen Tag vor dem offiziellen EM-Start, beginnt das Turnier für Mayer mit der Einsatzbesprechung für Schiedsrichter. Dort wird noch einmal erklärt, auf was die Schiris achten müssen. Eckhard Mayer wird das meiste wohl wissen. Er bereitet sich auf seine eigene Weise vor: Am Tag vor einem Spiel geht er rechtzeitig schlafen und zwar ohne zuvor zwei Flaschen Rotwein getrunken zu haben. Dafür trinkt er während der Spiele. Allerdings keinen Alkohol. „Aber in jeder Pause trinke ich pausenlos“, erklärt Mayer. Das hilft bei der Konzentration. Und so – da ist er sich sicher – wird er ohne große Fehler durch das Turnier kommen. Auch ohne zittrige Stimme oder ein Regelbuch unter dem Kopfkissen.
