Jan Brauchle – das Navi auf der Kutsche
Hohenhaslach (ev). Gemütliche Kutschfahrten kennt Jan Brauchle nicht. Wenn er die Pferde anspannt, spritzt der Dreck, dann knallt auch mal eine Kutsche gegen einen Pfosten oder sie kippt ganz. Bei der WM im Ponyfahren passierte das nicht. Brauchle gewann Mannschafts-Gold und Silber im Einzelwettbewerb.
Im Mittelpunkt steht Jan Brauchle selten. Im Fahrsport steht nämlich der im Rampenlicht, der die Zügel in den Händen hält – und das ist nicht der Hohenhaslacher. Brauchle ist Beifahrer, agiert daher eher im Hintergrund. Doch genau das gefällt ihm: „Das ist mir lieber als ein Schleifchen zu bekommen oder einem Oberbürgermeister die Hand zu schütteln.“
Beifahrer bekommen inzwischen allerdings immer mehr Anerkennung. So ist es mittlerweile Mode, dass sie auch mit zur Siegerehrung dürfen. Und bei denen ist auch das Gespann von Jan Brauchle oft vertreten. Bei der Weltmeisterschaft im Ponyfahren zum Beispiel. Da holte er gemeinsam mit seinem Cousin Steffen Brauchle Silber im Einzelwettbewerb und Gold mit der Mannschaft.
Die Leidenschaft für den Fahrsport hat der Hohenhaslacher von seinem Onkel Franz Brauchle. Er fing damit an, seine Pferde vor einen Wagen zu spannen und an Wettbewerben teilzunehmen. Die Söhne Steffen und Michael traten in seine Fußstapfen und auch Jan war immer mit von der Partie, obwohl er 120 Kilometer entfernt von Aalen, dem Wohnort des Onkels, lebt. Das ist auch einer der Gründe, weshalb er nicht selbst fährt. Die Fahrten nach Aalen hätten zu viel Zeit und Geld verschlungen. Trotzdem ist der 19-Jährige, der eine Ausbildung zum Industriemechaniker absolviert, oft bei der Verwandtschaft. Mittwochs nach der Arbeit fährt er nach Aalen, Donnerstagfrüh geht es zurück. Auch am Wochenende und im Urlaub ist er bei den Pferden – dann wird trainiert. Um bei Wettbewerben erfolgreich zu sein, müssen Fahrer und Beifahrer nämlich ein eingespieltes Team sein.
Das fängt schon beim Herrichten der Kutsche an. Der Fahrer kümmert sich um die Pferde, der Beifahrer um die Kutsche. Geschirr, Räder und Bremsen müssen überprüft werden. Nur in der Dressur – einem von drei Teilbereichen im Wettbewerb – hat Jan Brauchle nicht viel zu tun. „Ich bin dabei, damit es gut ausschaut“, sagt er lachend. Figuren und Weg darf er theoretisch nicht ansagen. Aus Sicherheitsgründen müssen allerdings immer zwei Personen auf der Kutsche sein. Den ein oder anderen Tipp gibt’s vom Beifahrer aber doch.
Vielleicht liegt es an der Statistenrolle des Beifahrers, aber die Dressur gehört nicht zu Brauchles Lieblingsdisziplin. „Ich kann auch maximal vier anschauen, dann wird es mir langweilig“, sagt er. Beim Gelände sieht das anders aus, denn da gibt es Action. Da spritzt der Dreck, Kutschen bleiben an Hindernissen hängen und der eine oder andere Beifahrer fliegt vom Gespann. Nicht ganz ungefährlich. Einmal knallte die Kutsche auf Brauchles Bein. Eine Sehne war gerissen. So eine Kutsche wiegt immerhin 600 beziehungsweise 400 Kilogramm, je nachdem, ob Ponys oder Pferde das Gefährt ziehen.
Die Aufgabe von Jan Brauchle im Gelände ist einfach zu beschreiben. Er ist das Navigationsgerät des Gespanns. „Zweite Gasse rechts“, könnte zum Beispiel ein Kommando von ihm lauten. Verfährt sich der Fahrer dann doch mal, muss er ihm sofort eine neue Route durch den Parcours bieten. Außerdem motiviert er, wenn er merkt, dass die Kutsche gut liegt und fordert seinen Vordermann auch schon mal auf: „Fahr zu!“.
Die Erfahrung dazu hat er, denn schon seit Jahren ist er als Beifahrer dabei. Vor ein paar Jahren noch mit zwei Pferden vor der Kutsche. Jetzt fahren sowohl Steffen als auch Michel Brauchle vierspännig. Steffen mit den Ponys, Michael mit den Pferden. Eigentlich ist es Jan Brauchle egal, ob es die großen oder kleinen Vierbeiner sind. „Pferde sind prestigeträchtiger. Dafür sind die Ponys schneller und flinker – da ist viel mehr Action dabei“, erklärt er. Und mit ihnen wurde er auch Vizeweltmeister bei der WM in Greven bei Münster. Außerdem kann er auf mehrere Landesmeistertitel und einen zweiten Platz bei der deutschen Meisterschaft blicken. Mit den Pferden wurden die Brauchles ebenfalls schon Deutscher Vizemeister und Sieger bei der Mannschaftsweltmeisterschaft. Außerdem haben sie in Aalen den Geländewettbewerb gewonnen. Im Hintergrund kann da mittlerweile nicht einmal mehr der Beifahrer stehen.
