Nussdorf (ev) – Die BMX-Fahrer haben im Nussdorfer Hardtwäldle ein neues Zuhause gefunden. Für viele Nachwuchsfahrer des MSC Strudelbachtal im ADAC war es am Sonntag aber nicht nur das erste Rennen auf der neuen Bahn, sondern das erste in ihrem Leben.
„Ein bisschen aufgeregt war ich schon“, gibt Julian Würz zögerlich zu. Der Zehnjährige gab beim BMX-Rennen in Nussdorf seine Premiere. Er stand zum ersten Mal mit seinen Konkurrenten auf der Startrampe und wartete auf das Signal. „Ich bin durch meinen Freund Lars zum BMX gekommen“, erklärt er. Das ist allerdings erst rund ein Vierteljahr her.
Jetzt hat er einen Rennanzug und das rot-schwarze Hemd der Fahrer des MSC Strudelbachtal an und gibt sich ganz gelassen. Seine ersten Runden hat er ja auch schon hinter sich gebracht.
Fast im Minutentakt ertönt das Startsignal. Bis zu acht Fahrer starten gemeinsam und fahren einmal durch den BMX-Parcours. Mädchen und Jungen, Frauen und Männer. Ohne Renn-Moderator Hans Schmid würden die mehreren Hundert Zuschauer wohl leicht den Überblick verlieren, wer gerade gegen wen radelt. Er versorgt die BMX-Fans nicht nur mit Namen, sondern auch mit den Ergebnissen aus den vorherigen Rennen.
Unter die Zuschauer haben sich auch Julians Mutter und Oma gemischt. Stolz hält die Oma den Fotoapparat in den Händen. „Es ist auch für uns das erste Rennen“, meint Mama Martina.
Die neue Rennbahn im Hardtwäldle hat dem MSC einige Nachwuchsfahrer eingebracht. Gute Ergebnisse erwartet Trainer Florian Mildner von ihnen noch nicht. „Vor dem ersten Rennen muss ich die Neulinge immer beruhigen, denn die sind teilweise schon ganz schön nervös“, erklärt er. Erst nach ein, zwei Durchgängen könne er dann auch Tipps geben, technische Anweisungen zum Beispiel.
Insgesamt haben 188 Fahrer am Beginners- und am Baden-Württemberg-Cup teilgenommen. Für gute Resultate haben einige der erfahreneren MSCler gesorgt. Samuel Kern hat sein Rennen (Jugend) gewonnen, auch Jan Diebner war im Finale (Platz 6) und Christian Heider (Schüler) wurde nur knapp Zweiter.
Auch die anderen Ergebnisse (siehe Ergebnissblock) konnten sich sehen lassen. „Vor allem angesichts der Bedingungen“, sagt der Trainer. Lange Zeit hätte es in Nussdorf keine Rennbahn gegeben. Die Fahrer hätten aber ihre Trainingseinheiten in Markgröningen absolviert – mehr war aber nicht möglich. Jetzt gibt es die neue Bahn und nun können Julian Würz sowie seine Freunde auch einfach mal so das Rad schnappen und ihre Runden auf der BMX-Strecke drehen. Julian belegte in den Vorläufen seiner Altersklasse einmal Platz 4 und zweimal Platz 5. „Ich hoffe, dass ihn das nicht abschreckt. Er ist doch so ehrgeizig“, meint Martina Würz. Julian wäre im Training sogar gestürzt und musste im Krankenzelt behandelt werden. Folgen hatte sein Sturz keine. Er konnte weiterfahren.
Zugucken ist für die Eltern nicht immer ganz ohne. Die Fahrer tragen zwar Helme und sind gepolstert, aber Stürze gehören in dieser Sportart dazu. Neben einigen kleineren Unfällen mit Schürfwunden mussten auch zwei Kinder ins Krankenhaus gebracht werden (die VKZ berichtete).
Abschrecken lässt sich davon allerdings keiner. Die Kleinen schauen den Großen begeistert zu. „Lernen kann man da aber nichts“, meint der zehnjährige Steffen Lanik. „Die springen doch nur.“ Was so verächtlich klingt, ist aber so gar nicht gemeint, denn die Sprünge, und darin sind sich Steffen und Julian einig, sind das Coolste im Rennen. In der Klasse der Elitefahrer gab es einige spektakuläre Szenen zu sehen, aber vor allem das Finalrennen hatte es in sich. Erst auf den letzten Zentimetern musste sich Martin Hauser Luis Brethauer geschlagen geben. „Es war ein echtes Fotofinish“, so Mildner.
Hauser rast übrigens nicht nur mit dem Rad über die Strecken, er ist auch der offizielle Fahrersprecher aller BMX-Fahrer Deutschlands. Von der neuen Strecke in Nussdorf ist auch er einfach nur begeistert gewesen. „Das ist deutschlandweit eine der besten und sie ist nicht einfach zu fahren.“ Ein solches Lob von Hauser ist nicht nur gut für die Seele, denn als Fahrersprecher ist seine Meinung auch bei der Vergabe von nationalen und internationalen Rennen gefragt.
Solche soll es nämlich auf lange Sicht auch in Nussdorf geben. Vielleicht dann auch mit Beteiligung von Julian Würz und Steffen Lanik. Dass sie in ihren Rennen nicht ganz vorne gelandet sind, hat sie weniger gestört, sondern viel eher motiviert. Nach den Wettkämpfen wollten die Nachwuchssportler nämlich gleich die nächste Trainingseinheit einlegen.
