Zittau/Vaihingen (ev) – Das Double ist perfekt. Die Faustballer des TV Vaihingen haben nach dem Titel in der Halle nun auch den ersten Platz bei der Feld-DM geholt. Zeit, ihren Titel zu genießen und zu feiern, hatten sie bisher aber noch nicht.
Noch nicht einmal einen richtigen Pokal haben die Faustballer bei der Siegerehrung bekommen. Nach dem Titelgewinn im vergangenen Jahr durfte ihn Hamm behalten, ein neuer stand am Wochenende noch nicht bereit. Es wurde zwar eine Trophäe überreicht, die richtige bekommen die Vaihinger allerdings erst noch. „Ich hoffe, der Pokal kommt nicht per Post, sondern wird uns offiziell übergeben“, sagte TVV-Trainer Werner Blechschmidt.
Kein Pokal und keine Feier – dafür sei es am Sonntag einfach zu spät geworden. Erst gegen zwei Uhr sind die Spieler in Vaihingen eingetroffen. Gestern gingen sie dann schon wieder ihrer normalen Arbeit nach. „Wir sind eben Amateure“, meinte Michael Marx. Ein bisschen gefeiert – so weit das auf der Autobahn möglich ist – wurde aber trotzdem. Singend stürmten die Vaihinger mit den Medaillen um den Hals eine Raststätte. „Die Leute haben uns schon ein wenig komisch angeschaut“, berichtete Marx. Das Personal hinter der Theke hat allerdings reagiert und den Sportlern eine Runde Gummibärchen spendiert.
Gestern Abend wollten die Faustballer dann noch gemeinsam essen gehen. Richtig gefeiert wird erst Ende der Woche – sofern eine geeignete Lokalität gefunden wird. „Da werden wir dann nicht nur unseren Titel feiern, sondern auch die DM-Feier, die schon seit März aussteht, nachholen“, meinte Faustball-Abteilungsleiter Markus Knodel. Zeit, um den Hallentitel zu begießen war nämlich auch noch nicht.
Welcher Titel war denn nun schöner, der in der Halle oder der auf dem Feld? Michael Marx grübelt. „Jeder ist anders, aber das erste Mal Deutscher Meister zu werden, war schon etwas Besonderes.“ Auch Blechschmidt will sich nicht festlegen: „Der zweite Titel hat das Ganze komplettiert“, meinte er.
So richtig kapiert haben die Faustballer ihren Erfolg noch nicht. „Das kommt erst in ein paar Tagen“, so Marx. Gestern und am Sonntag sei er für großartige Gefühle einfach zu müde gewesen. „Zum Feiern hätten wir auch keine Kraft mehr gehabt.“
Bereits morgen beginnt das Training für die Ende Oktober startende Hallenrunde, aber welche Ziele gibt es eigentlich noch nach zwei Meistertiteln innerhalb eines halben Jahres? Werner Blechschmidt fällt einiges ein. Konstantere Leistung, auch in den Punktspielen, zum Beispiel. „Wir sind noch keine solche Top-Mannschaft, die immer ihre vorhandene Leistung abrufen kann.“ Meist sei dafür ein DM-Turnier vonnöten. „Wenn es gut läuft, gibt es vielleicht vier gute Partien in der Saison. Diese müssen wir nutzen, um unser Spiel zu entwickeln“, forderte Blechschmidt von seinen Spielern.
Blechschmidt freut sich auf den Auftakt der Hallenrunde
Gleich am ersten Spieltag in der Halle gibt es übrigens ein Wiedersehen mit Rosenheim, Vaihingens Endspielgegner bei der DM. Blechschmidt freut sich schon auf dieses Spiel. Beim Turnier in Zittau war es nämlich das beste Spiel des ganzen Wochenendes. Gezeigt hat sich im Finale, wie wichtig eine stabile Abwehr ist, gerade bei solch schwierigen äußeren Bedingungen, wie es sie in Zittau gab. „Den Übermensch als Schlagmann gibt es nicht mehr. Deshalb wird die Defensive immer wichtiger“, erklärt Blechschmidt. Insgesamt war der TVV-Trainer vom Niveau der DM enttäuscht, gerade von der Leistung der etablierten Teams. „Da gab es viel zu viele unsaubere Abwehraktionen“, erklärte er.
Der deutsche Faustball sei in den vergangenen Jahren etwas schlechter geworden, nicht aber der TVV. „Wir haben uns auf der einen Seite verstärkt und auf der anderen Seite weiterentwickelt“, so der Übungsleiter. Durch Michael Krauß zum Beispiel. „Er hat eine sehr gute Spielübersicht und eine tolle Ballbehandlung“, lobt Blechschmidt. Andere aus der Mannschaft hätten viel von ihm gelernt. Zudem hat der Trainer es geschafft, die Vaihinger auch auf dem Feld zu Höchstleistungen zu animieren. Früher hätten sich die Spieler immer gefreut, wenn es wieder in die Halle ging. Bestleistungen seien aber nur dann möglich, wenn es in der Halle und auf dem Feld läuft. „Für mich ist Feldfaustball sowieso der richtige Faustball“, gibt Blechschmidt zu. Das Beste bei der DM sei aber gewesen, dass seine Mannschaft einen super Zusammenhalt demonstriert und sehr gut gearbeitet hätte.
So müsste es doch eigentlich auch möglich sein, eine Meisterfeier zu organisieren. Dann geht es in einer Gemeinschaftsaktion vielleicht auch wieder Blechschmidts Bart an den Kragen. Nach dem Titelgewinn in der Halle musste er sich den nämlich abrasieren lassen. Jetzt ist er noch dran. Die Frage ist: Wie lange noch?
