Vaihingen (ev). Laut Jugend-Bundestrainerin Ute Lemmel sind die Französinnen besser ausgebildet als der deutsche Nachwuchs. Ihre Mannschaft will beweisen, dass sie gleichwertig ist. Heute Abend treffen die beiden Teams in Vaihingen aufeinander. Im Interview verrät Lemmel, was sie vom Spiel erwartet.
Wie wichtig ist Ihnen Routine, Frau Lemmel?
Die gibt es in unserem Bereich nicht. Jedes Spiel ist eine neue Herausforderung, egal mit welchem Kader. Warum fragen Sie?
Die Nationalmannschaft der weiblichen Jugend 1992/1993 spielt innerhalb einer halben Woche dreimal gegen Frankreich. Da kommt doch zwangsläufig Routine auf.
Überhaupt nicht. Beide Mannschaften haben 16 Spielerinnen in ihrem Kader. Ich stelle meine Mannschaft immer anders ein. Es gibt ja verschiedene Deckungs- und Angriffssysteme, die wir ausprobieren können.
Was wollen Sie von Ihren Spielerinnen in den drei Partien sehen?
Ich will, dass die Mannschaft aus einer offensiven und aggressiven Abwehr heraus spielt. Die Spielerinnen sollen im Angriff die Deckungswechsel der Franzosen nutzen und in diese Nahtstelle stoßen, so dass sich deren Abwehr gar nicht erst formieren kann.
Wollen Sie auch sehen, dass es besser geht als bei der U17-Europameisterschaft im Juni? Nach dem Vorrunden-Aus belegte die Mannschaft am Ende nur Platz neun.
Ja, wir wollen zeigen, dass wir zu den besten fünf Teams in Europa gehören und mit Frankreich auf Augenhöhe sind. Bei unserem ersten Spiel gegen Frankreich ist uns das vor allem in der ersten Halbzeit nicht gelungen. Wir lagen zur Pause mit sechs Toren hinten, konnten uns dann aber etwas steigern. Frankreich war bei der EM Vierter.
Sie haben nach der EM gesagt, dass international mehr verlangt wird als in Deutschland. Wie meinten Sie das genau?
International geht es viel härter zur Sache als bei uns. Deshalb ist es für uns Trainer und Betreuer wichtig, dass unsere Mädels frühzeitig zu Vereinen wechseln, die in der ersten oder zweiten Bundesliga spielen. Allerdings müssen sie dort auch Einsatzzeiten bekommen. Sie müssen auch Fehler machen dürfen und nicht gleich ausgewechselt werden, wenn sie mal das Tor nicht treffen. Andere Länder sind uns da voraus. Wir haben einen Nachholbedarf.
Wird das auch in den Spielen gegen Frankreich zum Tragen kommen?
Die Französinnen sind individuell besser ausgebildet und athletischer. Das wird man in den Spielen auf jeden Fall merken. Wir werden versuchen, mit Kampfgeist und Aggressivität, aber auch mit Spielwitz dagegen zu halten. Uns fehlen noch die Individualisten, die in den entscheidenden Phasen ein Spiel entscheiden. Daran arbeiten wird noch.
Christin Herrmann war bei der EM nicht dabei. Nach ihrem Kreuzbandriss ist sie wieder ins Team zurückgekehrt. Wie wichtig ist sie für die Mannschaft?
Von ihrer Ausstrahlung und Stellung im Team ist sie sehr wichtig. Außerdem hat sie eine unheimlich professionelle Einstellung. Sie ist trotz ihres Kreuzbandrisses eine der fittesten in der Mannschaft und das nach einer Zeit, in der sie sich eigentlich alleine wieder aufrappeln musste. Nur die Spielpraxis fehlt ihr gerade noch ein bisschen.
Werden sie die Zuschauer in Vaihingen zu sehen bekommen?
Auf jeden Fall. Wir haben auch nur noch zwölf Feldspielerinnen im Kader, nachdem sich Helena Hertlein am Mittwoch an der Augenbraue verletzt hat und in der Länderspielserie nicht mehr zum Einsatz kommen wird.
Welche Perspektive haben Ihre Mädels? Sind das die Nationalspielerinnen von morgen?
Die eine oder andere kann es schaffen. Wir haben große und wurfgewaltige Spielerinnen in unseren Reihen. Nur sind sich noch nicht alle ihrer Fähigkeiten bewusst.
Keine der Spielerinnen in Ihrem aktuellen Kader kommt aus der Region...
Ja, aber eine Spielerin kommt aus Sindelfingen, eine aus Metzingen und eine aus Schorndorf. Württemberg ist für seine gute Nachwuchsarbeit bekannt. Es ist beispielhaft, wie hier gearbeitet wird.
Und welchen Tipp haben Sie für die hiesigen Nachwuchshandballerinnen, die ebenfalls ganz nach oben wollen?
Sie müssen regelmäßig trainieren, an ihrer Koordination arbeiten und sie dürfen nicht den Spaß am Sport verlieren. Sie müssen sich einfach ausprobieren, warum nicht auch im Turnen oder in der Leichtathletik?
