Eberdingen (rkü). „Ich will meinen Namen nicht mehr für etwas geben, bei dem ich nicht dahinter stehen kann“, sagt Mutlu Acar, ehemaliger Fußballtrainer von Eberdingen Vatan. Am Sonntag hat er sein Amt niedergelegt. Acar vermisst gewachsene Strukturen im Verein – und die notwendige Unterstützung.
„Im Kopf habe ich mich schon vor fünf Wochen von Eberdingen Vatan getrennt“, gibt Mutlu Acar zu. Doch erst am Sonntag hat der bisherige Trainer Fakten geschaffen. Er brachte pünktlich vor dem Spiel die Spielerpässe und als klar war, dass die Mannschaft nicht nur vollzählig, sondern sogar mit Ersatzspielern antreten würde, verabschiedete er sich wieder.
„Solange ich noch da bin, sehen sie mich immer noch als Trainer“, begründet er die Tatsache, dass er sich das Spiel nicht angeschaut hat. Seit Beginn der vorigen Fußballsaison war er als Trainer der Mannschaft tätig, die in der Kreisliga B3 spielt. Aber nicht nur als Trainer, sondern auch als Funktionär, Spieler, kurz: Als „Mädchen für alles“ sei er als universeller Ansprechpartner gefragt gewesen. Die Folge zeigte sich jetzt: „Ich bin ausgelaugt.“ Zu gering sei die Unterstützung gewesen, die er erfahren habe. Überhaupt seien die Strukturen bei Vatan Eberdingen völlig unzureichend. Ansprechpartner auf Vereinsseite, die ihm organisatorische Arbeit abnahmen, seien praktisch nicht vorhanden. Auch Helfer, die sich um den Rasenplatz, das Vereinsheim, die Bälle oder um das Waschen der Trikots kümmern, ließen sich offenbar an einer Hand abzählen. „Da fallen mir nur ganz wenige Namen ein, wenn ich überlege, wer regelmäßig mitgeholfen hat“, sagt Mutlu Acar. „In letzter Zeit haben fast alles die zwei Mutlus gemacht“, meint er mit Hinweis auf Mutlu Sezginer, der sich ebenfalls sehr stark engagiert habe. An den Spieltagen seien sie auch von Menderes Demirci unterstützt worden, der aber unter der Woche geschäftlich unterwegs sei.
Über Monate hinweg habe Acar versucht, durch großen persönlichen Einsatz die Defizite im Verein aufzufangen. „Das Schlimmste ist für mich: Ich selbst habe darüber den Spaß am Fußballspielen verloren.“ Seine Posten habe er vor fünf Wochen aufgegeben. „Das Problem ist nur: Meine Posten haben mich nicht aufgegeben, sondern jeden Sonntag wieder eingeholt.“ Höchste Zeit für ihn, die Reißleine zu ziehen. Wie soll es jetzt bei Vatan Eberdingen weitergehen? „Einen neuen Trainer haben sie noch nicht. Das wird mitten in der Saison auch schwierig“, unterstreicht Acar. Zumal er möglichst engagiert und obendrein ehrenamtlich zu Werke gehen sollte. Da komme eigentlich nur ein Mann aus den eigenen Reihen in Frage, überlegt der bisherige Trainer. „Aber ich kann mir’s nicht vorstellen. Und wenn: Dann Hut ab!“
Das Tischtuch zum Verein will Acar nicht zerschneiden. Die verloren gegangene Freude am Fußballsport will der 31-Jährige wiedergewinnen. Ob in Eberdingen oder bei einem anderen Verein, lässt er offen. „Mein Pass ist bis zum Winter sowieso bei Vatan“, meint er. Als elfter Mann auszuhelfen, könnte er sich durchaus vorstellen. „Aber wenn es Auswechselspieler gibt und die Mannschaft auch ohne mich zurechtkäme, werde ich nicht spielen.“ Erst einmal will er Abstand gewinnen.
Als Trainer sei er in Eberdingen stets mit einer mangelhaften Trainingsbeteiligung konfrontiert gewesen. „Am Anfang waren es nur drei, später sieben oder acht Spieler, die ins Training gekommen sind.“ Wen will der Trainer in solch einer Situation durch die Berücksichtigung bei der Mannschaftsaufstellung belohnen, wen will er auf die Ersatzbank verbannen? Acar konnte froh sein, wenn am Sonntag überhaupt Auswechselspieler auf dem Platz waren – denen allerdings jegliche Trainingseinheiten fehlten. Da waren Meinungsverschiedenheiten mit Spielern vorprogrammiert, die nicht eingesetzt wurden. Acar stellt klar: „Ich will keine Freundschaften aufs Spiel setzen, das ist es nicht wert.“
