Sersheim (sv). Bitteres Schicksal für die Spieler des VfR Sersheim: Über 90 Minuten waren die unterklassigen Hausherren dem Bezirksligisten TKSZ Ludwigsburg ebenbürtig. In der zweiten Hälfte dominierte Sersheim das Spiel sogar. Am Ende sorgten flatternde Nerven für das Pokalaus im Elfmeterschießen.
Den Temperaturen und dem mit nur 50 Besuchern schmalen Zuschauerinteresse nach zu urteilen, hätte man auch meinen können, am Mittwochabend in Sersheim einem Eisstockschießen beizuwohnen. Dabei forderte der heimische VfR (Kreisliga A3) die klassenhöheren Kicker des Türkischen Kultur- und Sportzentrums (TKSZ) Ludwigsburg heraus. Nur fünf Grad Celsius Außentemperatur ließen die Besucherzahl trotz interessanter Ansetzung in den Keller rutschen und auch VfR-Spielertrainer Björn Hammel wollte sein Fazit nach 90 Minuten nicht direkt auf dem Sportplatz, sondern lieber in der beheizten Sporthalle abgeben.
In einem guten Spiel der Gastgeber, so waren sich die Sersheimer einig, war es letzten Endes das Glück, das dem A-Ligisten zur kleinen Pokalsensation fehlte. Trainer Hammel musste die Pechsträhne seiner Elf am eigenen Leib erfahren.
Den letzten Strafstoß im Elfmeterschießen hätte er beim Stande von 4:3 für Ludwigsburg in die Maschen dreschen müssen. Stattdessen scheiterte der Coach am TKSZ-Torhüter. Seine Mitspieler Stefan Schmid, der den Pfosten traf, und Ismet Pak hatten schon die ersten beiden Strafstöße vergeben, anstatt bei eiskalter Witterung ebenso eiskalt zu vollstrecken.
Die Gäste hatten sich bei ihren ersten beiden Elfmetern treffsicher gezeigt. Özcan Koc und Derinhan Kantaru hatten auf 3:1 erhöht. Doch dann hielt Björn Burkhardt bei Aziz Erbas. David Bienias traf im Anschluss für den VfR, Durdu Öcan machte das 4:2, Dominik Brandschert unter Druck das 3:4. Raffaele Cervone hätte das Spiel schon entscheiden können, doch Burkhardt parierte zum zweiten Mal und musste doch zusehen, wie sein Trainer den Ball am gegnerischen Gehäuse vorbeijagte.
Den Sersheimern muss die Begegnung zeitweise wie eine Achterbahnfahrt mit ungewissem Ende vorgekommen sein. Paradebeispiel hierfür ist das Duo Björn Hammel und David Bienias.
Elfmeterpechvogel Hammel traf nach einem Freistoß von Stefan Schmid in Minute 42 zum umjubelten 1:0. Auch Bienias dürfte vom gestrigen Match ein Elfmetertrauma davon getragen haben. Mit einem Foul an Alparsan hatte er den Foulelfmeter ausgelöst, der zum 1:1-Ausgleich der Gäste durch Öcan kurz vor Schluss führte. Bienias übernahm im folgenden Strafstoßschießen die Verantwortung und markierte den ersten verwandelten Sersheimer Penalty.
Der Rest des Spiels war nicht besonders ansehnlich, vor allem die erste Hälfte plätscherte geradezu vor sich hin. Eine TKSZ-Chance hier, eine VfR-Gelegenheit dort – die Aha-Momente hatten Seltenheitswert. Der einzige Aufreger ereignete sich nach 30 Zeigerumdrehungen, als Nuh Dogan den Ball in Burkhardts Gehäuse versenkte, Schiedsrichter Sebastian Hummel allerdings eine umstrittene Abseitsentscheidung gegen die Gäste fällte.
In der zweiten Hälfte schlich sich dann mehr und mehr der Schlendrian bei den Hausherren ein. So hätte der VfR in der 62. Spielminute auf 2:0 davonziehen können. Eine mustergültige Vorlage vom starken Hakan Atalay nutzte Michael Schmid aber nicht. Anstatt den Ball ins Tor zu hämmern, nahm er ihn an und verlor das Spielgerät im Duell mit der herbeieilenden TKSZ-Abwehr. „Ein zweites Tor von uns hätte das Spiel wohl entschieden“, mutmaßte Hammel später. Sechs Minuten später wurden die Sersheimer einer weiteren Chance auf den zweiten Treffer beraubt.
Nach einem Pass von Michael Schmid wurde der startende Atalay regelwidrig zu Fall gebracht. Für Referee Hummel war’s aber kein Strafstoß – er deutete sofort auf den Ball und forderte beide Teams zum Weiterspielen auf. Schon wieder Pech für den VfR.
Doch weil seine Elf für das Pech nichts konnte, gab es fast nur Lob von Trainer Hammel: „Obwohl wir nach den Ausfällen von Serdar Caliskan und Daniel Marbach das zentrale Mittelfeld komplett umbesetzen mussten, haben wir taktisch gut gespielt.“ Das Spiel gegen einen laut Hammel „enttäuschenden Bezirksligisten“ war für die Mettertäler trotzdem keine Zeitverschwendung. Einen klassenhöheren Gegner zu dominieren ist trotz Pokalaus mehr Erfolgserlebnis als Beinbruch.
Tore: 1:0 Björn Hammel (42.), 1:1 Durdu Öcan (90., Foulelfmeter).
Schiedsrichter: Sebastian Hummel (Ditzingen).
Zuschauer: 50.
Spieler des Tages: Björn Burkhardt (VfR Sersheim).
VfR Sersheim: Burkhardt – Follrich (49. Pak), Bienias, Hammel, Schaaf, Stefan Schmid, Staudenmaier (85. Haydl), Marco Aprigliano, Atalay, Brandschert, Michael Schmid (80. Glaser).
TKSZ Ludwigsburg: Ümit Durmus – De Luca, Koc, Kilic, Hägele, Cervone, Erbas, Öcan, Seyhan (74.Kantaru), Ali Durmus, Dogan (57. Alparslan).
