Freitag, 25. Mai 2012

Jagdtrieb spornt Windhunde an




Angelegte Ohren und davon spritzender Sand – die Windhunde jagen auf dem Sachsenheimring dem Ziel entgegen. Foto: Küppers
Angelegte Ohren und davon spritzender Sand – die Windhunde jagen auf dem Sachsenheimring dem Ziel entgegen. Foto: Küppers

Großsachsenheim (rkü). Sie sind elegant und äußerst windschnittig gebaut, jagen auf Sicht und erreichen Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 70 Kilometer in der Stunde – das Rennen der Windhunde auf dem Sachsenheimring ist auch für Zuschauer ohne Hund ein Erlebnis. Am Wochenende waren 175 vierbeinige Sandbahnspezialisten am Start.

In der Pause zwischen den Vor- und Finalläufen werden die vierbeinigen Teilnehmer am Windhunderennen auf dem Sachsenheimring übers Gelände und die nächste Umgebung geführt. Manche treten ganz vorsichtig auf, als ob sie ihre Pfoten auf dem steinigen Boden schonen wollten. Derweil wird die Rennbahn noch einmal abgezogen und für die kommenden Läufe hergerichtet.

„Es gibt acht Sandbahnen in Deutschland, eine davon hier bei uns in Sachsenheim“, erläutert Helmut Rischer. Der Rennleiter und Vorsitzende des Windhund-Rennsportvereins Solitude freut sich über die optimalen Bedingungen für das Hunderennen. 175 Windhunde sind am Start, als es beim Dukatenrennen um das Silberne Halsband der Stadt Stuttgart geht. Außerdem zählt das Rennen in Sachsenheim zur Windhund-Champion-League, deren Sieger der klangvolle Titel „Internationaler Sandbahn-Champion“ winkt.

Schon das Prozedere vor dem Start eines jeden Laufs ist für die Zuschauer eindrucksvoll. Die Hunde werden von hinten her in die Startbox gebracht, deren Vorderseite sich zur Rennbahn hin öffnet. Die automatische Hasenzuganlage setzt sich in Bewegung, die Türen der Box gehen schlagartig auf und die Hunde stürmen mit angelegten Ohren ins Freie. Die wilde Hatz nach der Hasenattrappe dauert etwa eine halbe Minute. Unter den Pfoten spritzt der Sand nach hinten, die Windhunde sind offenbar ganz in ihrem Element. Ihre Motivation als Rennteilnehmer?

„Windhunde rennen auf Sicht“, sagt Rischer. „Im Gegensatz zu Gebrauchshunden, die zum Beispiel bei der Jagd eine Fährte mit ihrem feinen Geruchssinn aufspüren, sind bei den Windhunden die Augen besser entwickelt als die Nase.“ Ob es tatsächlich, wie in Sachsenheim, ein Hasenfell ist, das am Seil der Hasenzuganlage hängt, sei von untergeordneter Bedeutung. „Die Hunde würden auch rennen, wenn nur flatternde Plastikbänder vor ihnen hergezogen würden.“ Lediglich am Ziel kommt es kurzzeitig zu einem Gerangel, wenn mehrere Windhunde trotz angelegter Maulkörbe nicht von der Hasenattrappe ablassen wollen.

Die Rote Karte habe er bei der Veranstaltung am Wochenende nicht ziehen müssen, sagt Rennleiter Rischer in der Nachbetrachtung. „Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn ein Hund nicht den Hasen jagt, sondern Jagd auf andere Hunde machen würde.“ Disqualifiziert werden aber auch Hunde, die mitten auf der Rennbahn die Lust am Rennen verlieren. „Das kommt schon mal vor, am ehesten bei Rassen, die eher Einzelgänger sind, wie zum Beispiel Barsoi.“ Der schnellste Vierbeiner über die Distanz von 480 Metern war eine Hündin. Greyhound-Dame Penelope vom Monarchenhügel legte die Strecke in der Spitzenzeit von 29,01 Sekunden zurück und sicherte damit sich und ihren zweibeinigen Begleitern Sylke und Stephan Arnold aus Leipzig das Silberne Halsband der Stadt Stuttgart.




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