Eberdingen (ev). Kein Derby zwischen Eberdingen und Hochdorf in der Fußball-Kreisliga B3. Zumindest gestern nicht. Der VfB Eberdingen Vatan hat Schulden. Deshalb hat der Verband den Verein disqualifiziert, vorübergehend zumindest.
Mutlu Acar, Trainer des VfB Vatan Eberdingen, hat sich auf das Spiel gegen den TSV Hochdorf gefreut wie auf kaum ein anderes. Dass es ausfällt, weil seine Mannschaft vorübergehend disqualifiziert ist, erfuhr er am Freitagabend von der Vaihinger Kreiszeitung. „Schockierend“, sagte er und meinte damit nicht nur den Spielausfall, sondern auch die Informationspolitik innerhalb des Vereins.
Der Grund für die Mannschaftssperre sind Schulden des VfB. Vor zwei Wochen ging eine letzte Mahnung vom Verband raus, mit der Androhung, die Mannschaft zu disqualifizieren, wenn das Geld bis zum 2. Oktober nicht eingegangen sein sollte. Da am Freitag aber noch kein Cent in Sichtweite war, schritt Staffelleiter Hans Siegl zur Tat und setzte das Spiel, das nun für den TSV Hochdorf als 3:0 gewonnen gewertet wird, ab. Dieses Verfahren wird nun so lange weitergehen, bis Vatan seine Schulden beglichen hat oder die Saison zu Ende ist.
Siegl hat die Botschaft Mehmet Celik mitgeteilt. Er war bis vor Kurzem noch Abteilungsleiter. Dass aber jetzt Muharrem Davaz für die Geschicke des VfB verantwortlich ist, ist noch nicht durchgedrungen. „Der Wechsel war vor ungefähr einem halben Jahr“, berichtet Acar. Wahrscheinlich sei die Übergabe nicht völlig problemlos über den Tisch gegangen. „Bei uns ist es manchmal chaotisch und wir wissen selbst nicht, wer für was zuständig ist“, so der Eberdinger Trainer. „Generell ist es so, dass ich in Eberdingen niemand erreiche und dass niemand zuständig ist. Beim Staffeltag war auch kein Vertreter anwesend“, murrt Staffelleiter Siegl.
Acar widerspricht nicht, ist jedoch enttäuscht, dass er und seine Mannschaft nun das Versäumnis der Vereinsspitze ausbaden müsse. „Das ist ein Rückschlag“, sagt er. Denn gerade lief es wieder besser, nachdem praktisch keine Vorbereitung stattgefunden hat, die Mannschaft nun aber den Eindruck machte, den Anschluss wieder gefunden zu haben.
Woher die Schulden kommen kann er nicht sicher sagen, glaubt allerdings, dass sie von einer Roten Karte aus der vergangenen Saison stammen. „Der Schiedsrichter hat erst nach dem Spiel Rot gegeben. Das haben wir nicht mitbekommen und den Spieler weiterhin eingesetzt. Davon könnten die offenen Rechnungen kommen“, sagt Acar. Er will jetzt klären, was schief gelaufen ist und dafür sorgen, dass die Schulden beglichen werden. „Wir werden das Geld durch interne Spenden schon zusammen bekommen“, versichert er. Staffelleiter Siegl spricht von einer dreistelligen Summe unter 500 Euro. Zwei Wochen bleiben Vatan vor dem nächsten Spiel. Am kommenden Sonntag hat die Mannschaft spielfrei.
Hochdorfs Trainer Jürgen Heidt war von dem spielfreien Sonntag nicht sonderlich angetan, vor allem aber macht er sich Gedanken, ob es jetzt nur noch um die goldene Ananas geht. Der Grund: Die TSF Ditzingen hat ihre zweite Mannschaft bereits vom Spielbetrieb zurückgezogen. Der erste Absteiger steht damit fest. Sollte Vatan Eberdingen die Schulden gar nicht bezahlen, ist der VfB Absteiger Nummer zwei. Es bleibt zwar noch abzuwarten, wer aus den oberen Ligen absteigt, doch voraussichtlich wird es in dieser Saison nur zwei Absteiger geben. „So weit wollen wir aber noch gar nicht denken“, sagt der Staffelleiter. Es könne sich noch so viel ändern. Heidt hofft darauf, denn da seine Mannschaft keine Ambitionen hat, oben mitzuspielen, wäre der Klassenerhalt bereits jetzt in trockenen Tüchern. Nicht gerade ein Motivationsanreiz.
Den will Mutlu Acar ebenfalls wieder haben. Deshalb denkt er offen darüber nach, dass junge Spieler die Aufgaben der bisherigen Funktionäre übernehmen. „Wir Spieler sind mit der Situation überhaupt nicht zufrieden“, betont er noch einmal. Besonders er nicht, denn für ihn war das gemeindeinterne Derby das Spiel der Saison.
