Mit qualmenden Motoren über den Stoppelacker
Sersheim (ev) – Röhrende Motoren, waghalsige Sprünge und packende Überholmanöver – das war das 7. Sersheimer Stoppelacker-Motocross-Rennen. Mehr als 1000 Zuschauer verfolgten das Renn-Spektakel am Sonntag.
„It’s time for racing“, brüllt Ralf Röse ins Mikrofon. Er ist beim 7. Sersheimer Stoppelacker Motocross nicht nur Rennleiter, sondern auch Streckensprecher. „Sitzen die Helme? Sind die Maschinen bereit?“, fragt er die Fahrer, die nur darauf warten, ihre Startposition einzunehmen. Als Antwort lassen alle ihre Motoren aufheulen. Ein blau-grauer Dunst steigt auf, wenige Sekunden später umhüllt eine Duftwolke aus Benzin das Motocross-Gelände in Sersheim.
Mehr als 80 Fahrer sind in der offenen Klasse der Erwachsenen am Start. Des Weiteren kämpfen 20 Fahrer in der Klasse bis 50 Kubikzentimeter (ccm). In den Wettbewerben 65 ccm und 85 ccm sind 20 beziehungsweise acht Nachwuchsakteure dabei. Ein paar Fahrer sind auch von der IGS (Interessengemeinschaft Geländesport Sersheim), vor allem Nachwuchsleute, denn die Erwachsenen müssen helfen, damit bei der Veranstaltung mit mehr als 1000 Zuschauern alles reibungslos über die Bühne geht.
Auch der achtjährige Max Machleb hat seine Maschine bereitgestellt. Die ist zwar kaum größer als ein ausgewachsener Schäferhund, doch Max ist nervös wie ein großer. Vater Andreas bestätigt das: „Seit einer Woche kennt er kein anders Thema mehr als das Rennen.“
Bereits seit er vier Jahre alt ist, ist Max dem Motocross verfallen. Trotzdem ist er nervös. „Allzu oft gibt es schließlich gar nicht die Möglichkeit, zu fahren“, erklärt Andreas Machleb. Er ist bei der IGS für die Pressearbeit zuständig und berichtet, dass sich die Interessengemeinschaft nichts sehnlicher wünscht, als eine eigene, permanente Übungsstrecke. Die gibt es bisher nämlich nicht. Nur einmal im Jahr verwandelt sich der Acker neben dem Fußballplatz in eine Rennstrecke, ein Wochenende lang. Da können die Lokalmatadoren dann trainier und Rennen fahren. In der übrigen Zeit, haben sie nur dann die Möglichkeit zu fahren, wenn sie weite Strecken in Kauf nehmen.
Die nächste Strecke ist zum Beispiel in Waldorf/Wiesloch. „Das ist traurig, denn so ist eine gute Jugendarbeit kaum möglich. Dabei ist das Interesse groß“, erklärt Machleb. Doch ein geeignetes Grundstück zu finden und alle Bedingungen der Behörden zu erfüllen, sei gar nicht so leicht.
Umso mehr freuen sich die Motocross-Fahrer, wenn es jedes Jahr wieder heißt: „It’s time for racing.“ Das gilt auch für Max. „Ist das richtig so“, fragt er seinen Papa. Nackenstütze und Nierenschutz müssen richtig sitzen. „Es ist gar nicht so einfach, die Strecke fehlerfrei zu fahren“, erklärt Max. Es sei doch ein wenig matschig und in den Kurven kann man leicht wegrutschen. Nun ist es für Max und seinen Kumpel Andrea Caparelli Zeit, sich an den Start zu begeben. Dort rasen gerade die Fahrer der 85ccm-Klasse durch den Parcours. Spektakuläre Sprünge und waghalsige Überholmanöver begeistern die Zuschauer, auch wenn teilweise nicht ganz ersichtlich ist, wer gerade führt. Beim Motocross kommt es nämlich nicht auf die Zeit an, sondern darauf, wie viel Runden ein Fahrer gedreht hat.
Nach den Hoffnungsläufen sind die Jugendlichen am Start. Die Hindernisse sind aus dem Weg geräumt. Die Nachwuchsleute haben freie Fahrt. Gleich in der ersten Runde kommt Max Machleb in ein Gedränge und stürzt. Kein Problem. Der Achtjährige besteigt schnell wieder sein Motorrad, das auf einer gerade Asphaltstrecke rund 50 Stundenkilometer schafft, und fährt dem Feld mit ein bisschen Abstand hinterher. Zehn Minuten bleiben ihm, ein paar seiner Konkurrenten kann Max überholen. Damit und mit dem 13. Platz von 25 Startern ist er zufrieden. Immerhin gibt es einen Pokal – für jeden Nachwuchsstarter. Das weiß der Auricher aus dem Vorjahr.
Doch bei der Siegerehrung gibt’s ein Problem: es sind nicht genügend Pokale da. Doch auch dieses Hindernis überwinden die Motocross-Fahrer. Kurzerhand erklären sich die drittplatzierten Erwachsenen bereit, ihre Trophäen den Jugendlichen zu überlassen. Und die sind glücklich. „Der vom letzten Jahr steht daheim in einer Vitrine“, sagt Max. „Und die, die es dieses Mal gegeben hat, nimmt er bestimmt mit ins Bett und in die Schule“, ergänzt Vater Andreas schmunzelnd.

