Freitag, 25. Mai 2012

Amateurfußball im Visier der Hobbyfilmer


Amateurfußball im Visier der Hobbyfilmer
Markus Kleber (Kleinglattbach) ist einer von drei Geschäftsführern des Videoportals „Die Ligen“

Kleinglattbach/Stuttgart (ev) – Amateurfußball als Video im Internet – nicht nur Hobbyfilmer und Fußballfans haben den Reiz des Visuellen erkannt, auch die Verbände sind mittlerweile auf den Geschmack gekommen. Mitten drin im Geschäft der bewegten Bilder steckt Markus Kleber. Er ist einer der drei Geschäftsführer des Videoportals „Die Ligen“ und nicht selten in Kleinglattbach unterwegs.

Markus Kleber sitzt an einem Computer in seinem Büro im Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt. Auf dem Bildschirm rennen ein paar Fußballer einem Ball hinterher. Nur wenige hundert Meter entfernt ragt die Mercedes-Benz-Arena in den Himmel. „Ein schöner Ausblick, nicht?“, fragt Kleber. Für ihn ist Fußball mittlerweile nicht mehr nur Hobby, sondern die tägliche Arbeit. Mit den Bundesliga-Profis des VfB Stuttgart hat er allerdings nichts zu tun. Im Gegenteil. Kleber hat den Amateurfußball von der Kreis- bis zur Oberliga im Visier.

Kleber ist einer von drei Geschäftsführern von „Die Ligen“. Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen. Angefangen hat alles 2005. Schnelle Internet-Verbindungen veränderten das World Wide Web. Seiten wie das Videoportal youtube schossen aus dem Boden. Zudem war es plötzlich möglich, günstig Filme zu drehen, zu bearbeiten und zu veröffentlichen.
Chris Czeyka hatte mit Videos und Internetplattformen bereits Erfahrung, Markus Kleber und Matthias Spanic verfügten durch ihr Studium des Wirtschaftsingenieurwesens beziehungsweise der Wirtschaftstechnik über den kaufmännischen Hintergrund.

Die drei begannen damit, lokale Fußballspiele aufzuzeichnen und die Filme ins Internet zu stellen, überwiegend im Raum Pforzheim. „Viele fanden toll, was wir machten. Richtig dankbar war der FC Pforzheim. Der damalige Trainer nutzte unsere Aufnahmen zur Analyse“, erinnert sich Kleber. Schnell war für das Trio klar. Hier ist Interesse vorhanden, hier wollen wir einsteigen. „Und zwar 100 Prozent“, sagt Kleber. Das ging aber zunächst nicht. Erst 2007 nahmen sie dann ihren ganzen Mut zusammen: die Firma „Die Ligen“ war gegründet.

Damals zog Markus Kleber zu seiner Mutter nach Kleinglattbach. „Das war die günstigste Variante“, erklärt er und schmunzelt. Der Hauptsitz von „Die Ligen“ ist in Berlin, wo Matthias Spanic, arbeitet. Chris Czeyka sitzt in München, Kleber in Stuttgart.

Mittlerweile hat sich einiges verändert. 30 Filmer sind regelmäßig für „Die Ligen“ unterwegs und nicht mehr nur auf Fußballplätzen, auch Handball, Basketball und Turnen gehören inzwischen zum Angebot. Die Videos werden verkauft, an Firmen, Vereine, Zeitungen und so weiter. Drei Tage nach dem Spiel werden sie dann auf www.die-ligen.de veröffentlicht. „Auf unserer eigenen Seite wollen wir zeigen, was möglich ist“, erklärt Kleber. Auf Dauer soll die Internetplattform aber ein Marktplatz werden, auf dem Angebot und Nachfrage zueinanderfinden, sprich: Amateurfilmer ihre Filme anbieten und Interessenten sie dort unmittelbar kaufen oder downloaden können.

Das ist allerdings noch Zukunftsmusik. Momentan kämpfen Kleber, Czeyka und Spanic mit anderen Problemen – mit der Refinanzierung zum Beispiel. Mittlerweile können sich die drei Geschäftsführer zwar ein kleines Gehalt bezahlen, viel mehr ist aber nicht drin. Ein größeres Büro, ein weiterer Computer für einen Praktikanten – das sind momentan noch Wünsche, die warten müssen.

Angst, dass der Traum vom erfolgreichen Geschäft mit bewegten Bildern im Internet platzt wie eine Seifenblase hat Kleber nicht. Er hofft auf den Jamba-Effekt. Soll heißen, dass es noch attraktiver wird, Videos übers Handy anzuschauen. „Das wird langsam interessant, weil die Voraussetzungen immer besser werden“, erklärt Kleber.

Eine andere Klippe hat das Portal „Die Ligen“ umschifft, im Gegensatz zu einer anderen Internetplattform. Der Württembergische Fußballverband (WFV) hat bei Gericht bewirkt, dass auf www.hartplatzhelden.de vorerst keine Fußball-Videos aus Württemberg mehr gezeigt werden dürfen. Der WFV beklagt vor allem den kommerziellen Hintergrund der Seite. „Die Ligen“ ist zwar grundsätzlich ähnlich aufgebaut, hat aber von Anfang an Kontakt zum Verband hergestellt und ist eine Kooperation mit ihm eingegangen.

Rund 20 Fußballspiele pro Woche zeichnen die Filmer von „Die Ligen“ auf. Ungefähr 300 sollen es pro Saison sein. Im Visier der Kameraleute sind vor allem die Bezirks- und Oberligen. Im hiesigen Gebiet sind erst wenige Filme entstanden. Vom Aufeinandertreffen des VfB Vaihingen und des VfR Sersheim in der vergangenen Saison gibt es allerdings Aufnahmen.

„Ich bin stolz, dass wir so weit gekommen sind“, sagt Kleber zum Abschluss. Die Firma aufzubauen sei wie eine Entdeckungsreise in einem Markt im embryonalen Zustand. Doch genug geredet. Kleber muss wieder an die Arbeit und das Fußballspiel zusammenschneiden. Ein letzter Blick auf die Stadionkulisse. Jetzt widmet der 30-Jährige seine ganze Aufmerksamkeit dem Amateurfußball.


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