Vaihingen – Hans-Ulrich Rähmer ist seit wenigen Tagen Trainer des Fußball-C-Ligisten TSV Aurich. Wie Rähmer beim Absteiger das Ruder noch herumreißen will, hat er dem VKZ-Redaktionsmitglied Eva Wirth verraten.
Wenn Ihnen vor drei Jahren jemand gesagt hätte, dass Sie heute einen C-Ligisten trainieren, hätten Sie es ihm geglaubt?
Ja, denn unter Umständen hätte ich das schon vor drei Jahren gemacht. Es stand damals nur nie zur Diskussion.
Haben Sie nicht Angst, als Trainer mit einem A-Schein Ihren Ruf in der C-Klasse zu ruinieren?
Den Schein habe ich für mich gemacht, weil ich an die Arbeit mit einer gewissen Grundlage rangehen wollte. Das rate ich übriges jedem Trainer. Es rennen noch viel zu viele rum, die keine Ausbildung haben. Was dabei rauskommt, hat man ja beim VfB Vaihingen gesehen, die ihren Trainer nach ein paar Wochen wieder entlassen haben. Die Klasse, in der ich jetzt trainiere, hat mit meinem Trainerschein auf jeden Fall nichts zu tun.
Aus welchen Gründen haben Sie sich denn für den TSV Aurich entschieden?
Ich habe ein Jahr pausiert. Es war Zeit, wieder etwas zu machen und ich Aurich kenne ich bereits einige Leute. Wichtig ist mir aber auch, dass es Spaß macht.
Aber ob es Spaß macht, wussten Sie doch vorher noch gar nicht...
Nein, aber bisher hat es mir gefallen. Außerdem ist der TSV Aurich ein Verein mit vielen jungen Spielern. Das ist positiv, weil man die noch formen kann. Außerdem muss ich nicht weit fahren, da ich Enzweihingen wohne. Das ist ein weiterer Pluspunkt.
Sie sind wohl ein sehr heimatverbundener Mensch!
Das kann man wohl sagen. Ich bin vermutlich auch der Trainer, der die meisten Vereine im Vaihinger Stadtgebiet trainiert hat. Das waren: Enzweihingen, Roßwag, Ensingen, Vaihingen und jetzt Aurich.
Zum Sportlichen: Nach dem schlechten Saisonstart sind die Auricher Aufstiegschancen nicht mehr sehr hoch. Was ist denn noch machbar?
Das hängt von den nächsten Spielen ab. Am Sonntag kam es mir erst mal recht, dass Riet II abgesagt hat. Wir sind dann mit den Leuten aus der ersten Mannschaft beim Spiel unserer zweiten Mannschaft gegen Häfnerhaslach II angetreten und dieses Team ist nicht zu unterschätzen. Nach dem Pokalspiel am Donnerstag geht es dann gleich gegen Tabellenführer Iptingen II. Da müssen wir die Karten auf den Tisch legen und das Spiel gewinnen. Unser momentanes Ziel ist, dass wir bis zur Rückrunde den Anschluss nicht verlieren. Sollten wir gegen Iptingen II gewinnen, gibt das den Jungs sicherlich Auftrieb.
Was muss sich denn beim TSV Aurich nun ändern?
Am Sonntag hat die Mannschaft schon fast alles von dem umgesetzt, was ich ihr gesagt habe. Ich bin sehr zufrieden, denn alle Spieler sind sehr engagiert zu Werke gegangen. Außerdem hat man gesehen, dass das Team das Niveau hat, um oben mitzuspielen. Viele könnten wahrscheinlich auch B-Liga oder höher spielen. Wir werden nun an den Grundlagen arbeiten und das Training etwas forcieren. Kondition ist das A und O, denn so kann man ein Spiel in dieser Klasse auch noch am Schluss drehen.
War das Training von Walter Schlupp falsch?
Das kann ich nicht beurteilen, aber jeder Trainer ist anders. Als erstes haben wir das System umgestellt und spielen ab sofort nur noch mit zwei anstatt drei Stümern. Wir müssen nämlich zunächst einmal gucken, dass wir nicht mehr so viele Gegentore bekommen.
Wie schätzen Sie sich denn selbst als Trainer ein?
Ich bin ein Trainer, der jeden Spaß mitmacht. Außerdem rede ich sehr viel. Mir ist es wichtig, dass die Spieler, wenn sie den ganzen Tag gearbeitet haben, abends nicht noch mehr Druck bekommen, sondern mit Freude dabei sind. Manchmal tut das Training zwar auch weh, Spaß sollte es trotzdem machen. Ich bin manchmal auch etwas laut, aber ich kann einfach nicht ruhig daneben stehen.
Im Pokal treffen Sie am Donnerstag auf Enzweihingen, den Verein, bei dem Sie zuletzt als Spieler waren. Ist das ein Problem für Sie?
Nein, das ist doch gerade gut. Man kennt sich ja. In Enzweihingen habe ich ja praktisch nicht gespielt, weil ich verletzt war. Ich weiß aber, dass viele glaubten, ich wollte den Club trainieren, aber daran habe ich nie gedacht. Heute ist Denis Klaric Trainer. Der macht das super. Das Spiel kommt mir gerade recht. Das ist noch einmal ein richtiger Leistungstest. Schade ist nur, dass ich meine B-Jugendmannschaft in Enzweihingen nun nicht mehr weitertrainieren kann. Das tut mir vor allem für die Jungs leid.
Und wie geht es jetzt weiter?
Die Mannschaft muss an die nächsten beiden Spielen mit Mut rangehen. Wir müssen schauen, dass wir durch positive Ergebnisse Selbstvertrauen bekommen und dann können wir auch wieder zuversichtlich in die Zuklunft schauen. Ich kann versuchen, den Spielen zu erklären, wie das gehen könnte, aber umsetzten müssen sie es selbst.
