Freitag, 25. Mai 2012

Emotionen ja – aber nicht ausrasten




In der Partie Iptingen (in Grün) gegen Sersheim kam es zu einem Spielabbruch. Foto: Wirth
In der Partie Iptingen (in Grün) gegen Sersheim kam es zu einem Spielabbruch. Foto: Wirth

Iptingen/Sersheim (rkü). „Es hat nichts mit dem zu tun, was ich unter Fairplay beim Fußball verstehe – und es wird nicht toleriert“, sagte Sersheims Fußballtrainer Björn Hammel gestern. Einen Tag zuvor waren zwei Akteure des VfR Sersheim beim Gastspiel in Iptingen ausgerastet und hatten mehrere Iptinger Spieler verletzt.

Die Begegnung zwischen dem SV Iptingen und dem VfR Sersheim in der Fußball-Kreisliga A3 war schon in der Nachspielzeit, als bei zwei Spielern der Gästemannschaft offenbar die Sicherungen durchbrannten (VKZ hat berichtet). Sersheim führte zu diesem Zeitpunkt mit 2:1. Nachdem Sersheims Hakan Atalay gefoult worden war, beließ er es nicht bei einem Revanchefoul, sondern schlug auf den am Boden liegenden Iptinger Matthias Gille mit den Fäusten ein – auch auf den Kopf. Mitspieler des Iptingers wollten Gille helfen und wurden ebenfalls geschlagen, teils von dem Sersheimer Spieler, aber auch von einem mitgereisten Fan. Als sich die Situation zu entspannen schien, kam VfR-Spieler Serdar Caliskan angerannt und sprang mit Anlauf in die Menge. Dabei traf er den Iptinger Christoph Glashauser mit den Stollen an der Brust und verfehlte mehrere Köpfe nur knapp – unter anderem den des Schiedsrichters.

Dass beim Fußballsport die Emotionen hoch kochen, ist nicht ungewöhnlich. Doch für das, was sich am Sonntag in Iptingen abspielte, gibt es in der lokalen Fußballszene kein Verständnis. Björn Hammel, Spielertrainer des VfR Sersheim, rang nach den Ereignissen um Fassung. „An sich sind es zwei sehr ruhige Zeitgenossen“, erklärte er. „Aber das ist eine Untat. Es gibt Sachen, die gehören sich beim Fußball nicht und werfen ein ganz schlechtes Bild auf Mitspieler, Trainer und Verein. Das lässt der Verein nicht auf sich sitzen.“ Der VfR Sersheim distanziere sich von dem Verhalten der betroffenen Spieler. Das weitere Vorgehen sei bereits besprochen, solle jedoch zuerst den Beteiligten mitgeteilt werden, ließ Hammel wissen.

Beim SV Iptingen herrschte nach dem jähen Ende des Fußballspiels Entsetzen. Nicht nur, dass insgesamt vier Spieler bei den Angriffen Blessuren abbekommen hatten. Markus Mayer, Pressewart des Vereins, sagte: „Wenn es nach einem härteren Foul oder einer Roten Karte zum Nachtreten kommt, ist das nicht okay. Genauso wenig, wenn einer seinen Gegner dann einfach umschubst oder ihm einen Kinnhaken gibt. Aber so etwas wie am Sonntag, das kann einfach nicht sein.“ Abgezeichnet habe sich die Eskalation nicht, meinte Mayer. „Es gab schon wesentlich hitzigere Spiele bei uns, aber so etwas habe ich noch nie erlebt.“ Dass man nach dem Spielabbruch die Polizei geholt habe, sei rein vorsorglich geschehen. Der offene Schlagabtausch sei zu diesem Zeitpunkt bereits beendet gewesen. Aber weil es Verletzte gab, habe man die Ordnungshüter gebraucht, um Strafanzeige stellen zu können. Außerdem könnten die Personalien noch wichtig werden, wenn es um die Übernahme von Behandlungskosten und dergleichen geht. Gravierende Verletzungen habe nach den ersten Erkenntnissen glücklicherweise keiner der Getroffenen abbekommen, sagte Mayer.

Staffelleiter Fritz Siegle wartete gestern noch auf den Bericht des Schiedsrichters aus Stuttgart, der das Spiel geleitet hatte. „Wie die Begegnung nach dem Abbruch gewertet wird und welche Sperren auf die Spieler zukommen, darüber entscheidet das Sportgericht“, erläuterte Siegle. Dabei würden Vertreter der beteiligten Vereine gehört.
Auf den VfR Sersheim, den für den Abbruch verantwortlichen Verein, komme eine „saftige Geldstrafe“ in voraussichtlich dreistelliger Höhe zu, schätzt Siegle. Was die persönliche Bestrafung der Spieler angeht, komme der Aussage des Schiedsrichters eine große Bedeutung zu. Die Spieler müssten unter Umständen mit mehrmonatigen Sperren rechnen.

Unsportliche Aktionen, wenn auch mit weniger dramatischen Folgen als am Sonntag, kommen immer wieder vor. Meistens gelingt es dann aber Mitspielern, die Hitzköpfe im letzten Moment zurückzuhalten, bevor sie mit ihren Kontrahenten direkt aneinander geraten.

Reiner Schneider, Spielleiter beim TSV Häfnerhaslach, erinnert sich an einen Vorfall vor etwa drei Jahren. Damals hatte sich ein „hervorragender Spieler“ im Trikot des TSV Häfnerhaslach bereits mehrere Rote Karten eingehandelt. Eine Tätlichkeit, die er hinter dem Rücken des Schiedsrichters beging, die aber von Zuschauern beider Seiten beobachtet wurde, habe damals den Ausschlag gegeben. „So sehr es uns sportlich weh getan hat, haben wir uns damals von dem Spieler getrennt.“ Dass es vor einigen Monaten bei einem Gastspiel des TSV Häfnerhaslach in Nussdorf zu einer Rangelei gekommen sei, will Schneider nicht mit der Situation in Iptingen vergleichen. Damals seien die Aggressionen vom Publikum ausgegangen und der Ausgang sei weit glimpflicher gewesen.

Auch Thomas Fritsch, der den SV Illingen trainiert, kann sich an vergleichbare Ereignisse nicht erinnern. „Verbale Auseinandersetzungen – ja. Auch dass man sich voreinander hinstellt. Aber Handgreiflichkeiten in dieser Art habe ich noch nicht erlebt.“ Fritsch geht davon aus, dass die Beteiligten erst einmal vom Verband gesperrt werden. „Sicher wird man auch von Vereinsseite überlegen, ob man solche Spieler weiterhin einsetzen will.“




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