Vaihingen (sv). Hauptsache, der Ball ist im Spiel: Dieses Motto greift bei Familie Wennagel aus Vaihingen. Allerdings bevorzugen nicht alle die gleiche Sportart. Fußball oder Tennis – die vierköpfige Familie gliedert sich in zwei Fraktionen.
Sport steht bei der Familie Wennagel hoch im Kurs: Die Eltern haben sich sogar beim Sport kennen gelernt „Ich habe mit meiner Tante einen Tenniskurs in Wiernsheim besucht“, erzählt Elke Wennagel (49). Michael Wennagel, 46 Jahre alt, trainierte auf dem Nebenplatz. Es muss ein bisschen wie Liebe auf den ersten Blick gewesen sein, immerhin sagt Michael: „Ich habe dann schon dafür gesorgt, dass ich ihren Kurs einmal trainieren darf.“
Zwar betont Tennis-Coach Michael Wennagel noch im selben Atemzug, dass er seine spätere Ehefrau erst zum Essen eingeladen hat, nachdem der Kurs zu Ende war – Berufliches und Privates solle man doch trennen. Eins ist jedoch offensichtlich: Der Sport stand von der ersten Sekunde an im Mittelpunkt. „Für mich war von Anfang an wichtig, dass ich mit einer Frau liiert bin, die Verständnis dafür hat, dass ich für den Sport viel Zeit aufbringe“, sagt Vater Wennagel.
Dieses Verständnis ist bei seinem Terminkalender auch dringend notwendig. Immerhin ist der Vaihinger Trainer beim Württembergischen Tennisbund (WTB) und dort vor allem für die Altersklasse U14 zuständig. Spiele, Trainingseinheiten und Turniere sind zeitraubend – vor Kurzem erst verschlug es ihn nach Davos, wo das Tennis Europe Turnier stattfand.
In die Fußstapfen seines Vaters treten könnte Sascha Wennagel, einer der beiden Söhne des Paares und 23 Jahre alt. Er spielt derzeit für den TV Vaihingen in der Oberliga, sagt aber von sich selbst: „Derzeit gebe ich mehr Training, als ich selbst Tennis spiele.“ Mit der C-Lizenz in der Tasche und der B-Lizenz im Visier arbeitet auch Sascha mittlerweile hauptberuflich als Tennistrainer – Mutter Elke witzelt: „Hasch au’ nix rechts g’lernt“.
Sein Vater sieht bei Sascha jedenfalls Potenzial für eine erfolgreiche Trainerkarriere: „Wir haben ab und zu schon mal zusammen ein Training gemacht und ich muss sagen, dass er das schon gut macht und auch Geschick im Umgang mit Jugendlichen hat.“
Die Wennagels – eine durch und durch tennisverrückte Familie? Einer tanzt ganz bewusst aus der Reihe: Jan, mit 21 Jahren der jüngste im Quartett. Er redet nicht lange um den heißen Brei herum: „Tennis gefällt mir nicht, auch im Fernsehen schaue ich mir nie Tennisspiele an.“ Fußball findet er da schon viel interessanter – kein Wunder also, dass er beim TSV Kleinglattbach zwischen den Pfosten steht.
„Wir sind da tolerant“, scherzt Michael Wennagel, der – wenn es die Zeit zulässt – auch dem jüngsten Filius beim Fußball über die Schulter schaut. Bei beiden Sprösslingen habe sich, so Michael weiter, schon früh abgezeichnet, in welche sportliche Richtung es einmal gehen würde. Beispiel Jan: „Wenn ich zu ihm früher gesagt habe: ,Komm, wir spielen draußen ein bisschen Tennis‘ hat er gleich erwidert: ,Schieß doch lieber aufs Tor‘. Im Kindergarten hat Jan dann seine ersten Torwarthandschuhe geschenkt bekommen.“
Auch Saschas Leidenschaft zum Tennis hat sich bereits in der Jugend abgezeichnet: „Er war relativ früh dabei und hat dann schon mit vier oder fünf Jahren begonnen, die Spiele zu analysieren“, erinnert sich Michael Wennagel schmunzelnd. Und beide Söhne waren durchaus erfolgreich in ihrem Sport. Jan hat bei der SpVgg Zaisersweiher in der Jugend-Verbandsliga gespielt, Sascha darf sich unter anderem mit dem Bezirksmeistertitel der Aktiven schmücken, den er im Jahr 2005 gewonnen hat.
Neben Jan hat in der Vergangenheit auch seine Mutter Elke die Fahne der Fußball-Fraktion aufrecht gehalten. Immerhin hat sie beim VfB Vaihingen in der Frauenmannschaft mitgekickt – und gleich Parallelen zu ihrem Sohn entdeckt. „Die fußballerische Härte hat Jan von seiner Mutter geerbt“, analysiert Michael von der Tennis-Fraktion. Elke Wennagel ist sofort in ihrem Element und lobt: „Wir spielen ja schließlich auch Fußball und nicht Hallen-Halma!“ Karlheinz Boch wird’s freuen. Er ist Jans Torwarttrainer und wird von seinem Schützling besonders gelobt.
Verhärtet sind die Fronten zwischen Fußballern und Tennisspielern im Hause Wennagel aber nicht. Im Gegenteil: Die Familie schaut sich auch gerne ein Bundesligaspiel im Fußball-Stadion an. Da sieht die Aufteilung in den Reihen der Familie schon wieder ganz anders aus. Während Mutter Elke dann dem FC Bayern München die Daumen drückt, kann sich Vater Michael nicht so richtig für einen der beiden Vereine entscheiden, die seine Söhne gut finden. Da hat’s Jan nämlich mit dem 1.FC Kaiserslautern, während Sascha dem VfB Stuttgart verbunden ist.
Da bieten sich bei Sascha und Jan Vergleiche zwischen der eigenen sportlichen Karriere und dem favorisierten Fußballclub an. Immerhin hat der Kleinglattbacher Torwart in dieser Saison – ähnlich wie sein FCK – den Aufstieg fest im Blick. Bei Sascha und dem TVV läuft es – wie unter Umständen auch beim VfB Stuttgart – wohl auf den Kampf um den Klassenerhalt hinaus.
