Aurich (ev) – Ein echter Weltmeister war am Wochenende in Aurich zu Gast beim Familienabend der Schützen und hat dabei sein Können beim IPSC-Schießen demonstriert. Wenn es nach den Verantwortlichen geht, wird es bald etwas Ähnliches in Aurich geben.
Eine Gruppe Jugendlicher hat sich um Oliver Winkler geschart. Alle wollen sie einen Blick auf seine grau-silberne Waffe werfen. Winkler ziert sich nicht lange, nimmt die Munition aus seiner Pistole und gibt sie den Auricher Schützen, damit diese spüren, um was es beim IPSC-Schießen geht.
Nur wenige Minuten vorher hat Winkler sein Können demonstriert. Auf den ersten Blick wirkte das ein wenig chaotisch. Verschiedene Ziele sind im Schießstand aufgebaut, teilweise bewegen sich die Scheiben. Winkler steht breitbeinig da, seine Hand am Gürtel, wo die Waffe im Halfter steckt. Dann kommt das Kommando. Es geht los. In Sekundenschnelle zieht Winkler die Pistole, feuert. Dann pirscht er in schnellem Tempo nach links – der Oberkörper bewegt sich kaum – Winklers Augen visieren das nächste Ziel an, er schießt und trifft – nach kurzer Zeit ist die Vorführung beendet.
Wenn Oliver Winkler von links nach rechts pirscht, den rechten Fuß links neben das linke Bein stellt und dieses nachzieht, die Waffe gezückt hat und die Ziele hochkonzentriert beobachtet, ist das eine Szene wie aus einem Sonntagabendkrimi oder Computerspiel. Wer allerdings genauer hinschaut, sieht, dass das IPSC-Schießen (International Practical Shooting Confederation) mit Polizei- und Militärübungen nicht viel gemeinsam hat. Beim IPSC-Schießen kennt der Schütze alle Ziele, es ist auch nicht nötig, in Deckung zu gehen, es werden keine menschliche Silhouetten oder Abbilder als Ziele verwendet und es geht nicht um instinktives Schießen, sondern um Präzision, um am Ende eine hohe Punktzahl zu erreichen. Bei einem Wettkampf wird am Ende die Anzahl der Treffer durch die Zeit geteilt. Beide Faktoren sind also immens wichtig.
Die Zuschauer, die sich im Schießstand eingefunden haben, sind begeistert und wollen noch mehr sehen. Wie lange braucht Oliver Winkler eigentlich, um seine Waffe zu ziehen? Ganz exakt lässt sich das nicht mehr ermitteln, weil die Batterien des Zeitmessgerätes leer sind. Eins ist aber in jedem Fall sicher: Winklers Zeit war unter einer Sekunde.
Der IPSC-Schütze war im Rahmen des jährlich stattfindenen Familienabends des SV Aurich im Vaihinger Teilort zu Gast. Bei dieser Veranstaltung wird den Gästen – dieses Mal waren es knapp 100 – neben der Ehrung erfolgreicher Schützen immer ein Highlight geboten. Durch die Beziehungen des Auricher Bernd Silberhorn haben die Schützen vom SV Winkler für eine Demonstration gewinnen können. Der Diefenbacher ist erst vor einer Woche in Bali Mannschaftsweltmeister in der Klasse Open Senior geworden. „Diese Art des Schießens stellt eine besondere Herausforderung dar, da man sich bewegen muss“, erklärt der 51-Jährige die Faszination seines Sports.
So ähnlich sehen es auch die Auricher Jugendlichen. Die sind begeistert von dieser Art zu schießen und deshalb will Silberhorn, der die jungen Schützen betreut, etwas Ähnliches in Aurich etablieren. Geschossen werden soll dann aber mit Druckluftwaffen, was nicht so munitionsintensiv ist und daher auch kostengünstiger. „Die Jugendlichen schießen aber mit der gleichen Waffe und haben die gleiche Action. Die brennen schon richtig drauf“, sagt Silberhorn. Ein geeignetes Gelände hat er bereits in Aussicht. Jetzt gilt es, noch einige Formalitäten zu klären. Wenn alles reibungslos verläuft, dann können die Schützen des SV Aurich schon im nächsten Jahr die neue Disziplin schießen.
