Vor Ort beim Breitensport – Heute: Die Skigymnastikgruppe des Ski- und Snowboardclubs Illingen
Dirk Chechovsky geht in die Abfahrtshocke. Seine Arme streckt er nach vorne, seine Hände berühren sich fast. Seine Knie sind gebeugt, die Füße zeigen nach vorne, sein Gesäß Richtung Decke und sein Blick hat fest das Ende der Skipiste im Visier. Könnte man zumindest meinen. Doch statt Schnee und Skier hat Chechovsky eine blaue Turnmatte unter seinen Füßen, statt einen Abfahrtssprint wie Felix Neureuther oder Maria Riesch hinzulegen, steckt er mitten in einem Ausdauerzirkel und statt in den Alpen befindet er sich in der Stromberghalle in Illingen.
Seit Oktober gibt es beim dortigen Ski- und Snowboardclub (SSC) wieder Skigymnastik, denn bereits am 29. November startet die Wintersportsaison mit der ersten Ausfahrt.
Eine Minute ist rum. Die Frauen und Männer, die meisten davon zwischen 30 und 55 Jahre alt – aber auch eine 15-Jährige ist dabei – gehen an die nächste Station. Nach 30 Sekunden geht es weiter. Dirk Chechovsky und Eberhard Rapp sind nun an der Station mit den blauen Reifen, die in zwei Reihen, leicht versetzt, nebeneinander liegen. Gesprungen wird von rechts nach links und von links nach rechts – mit Hüftschwung, so wie beim Slalom auf der Skipiste.
Fast alle Übungen, die im Zirkel vorkommen, haben etwas mit ski- oder snowboardspezifischen Bewegungen zu tun. Angelika Portius leitet die Gruppe und stellt jede Woche das Programm für die Stunde zusammen. Das folgt immer dem gleichen Schema. „Zuerst gibt es Aerobic“, erklärt Portius. „Zum Warmwerden.“ Hinterher kommt es zur Hauptübung – dieses Mal der Zirkel – und zum Abschluss folgt noch eine Entspannungseinheit. Obwohl es jedes Mal der gleiche Ablauf ist, gibt’s von den Teilnehmern ein großes Lob für Angelika Portius. „Sie lässt sich jedes Mal wieder andere Übungen einfallen. Wir wissen nie, was dieses Mal dran kommt“, schwärmt Ingrid Nied. Portius ist schon seit elf Jahren die Leiterin der Skigymnastik, seit es die Gruppe gibt. Angefangen hat alles im Vereinsheim des SV Illingen, „wo es viel zu klein und eng war“, erinnert sich die 51-Jährige schmunzelnd.
Beim Zirkeltraining kommen die ersten mittlerweile ins Schwitzen. Vor allem die, die auf der Weichbodenturnmatte eine Minute lang joggen müssen oder die, die um den gelben Hütchenparcours sprinten und immer wieder in die Hocke müssen.
Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, dannist es Zeit, sich auf die Skisaison vorzubereiten, aber nicht nur das Material muss in Form gebracht werden, auch der Körper. Dies empfehlen zumindest Sportmediziner. Ausdauer, Kraft und Gleichgewicht – Skilaufen erfordert einiges vom Körper. „Früher war es so, dass ich immer nur drei oder vier Tage durchgehalten habe. Durch die Skigymnastik fahre ich mittlerweile eine ganze Woche“, erzählt Ingrid Nied. Rita Jesse, Kassiererin beim SSC, pflichtet ihr bei und ergänzt: „Muskelkater hatte ich beim Skifahren schon lange nicht mehr.“
Das Zirkeltraining ist fast vorüber. Noch zwei Stationen für jede Gruppe. Dirk Chechovsky und Eberhard Rapp trainieren gerade ihre Bauchmuskeln. Sit-Ups – eine Minute lang, so lange wie der CD-Player Musik ausspuckt. „Mit Musik im Hintergrund geht es viel leichter“, erklärt die Übungsleiterin. Und mit einem Pläuschchen zwischendurch auch. Während drei Frauen auf einer blauen Turnmatte, gleichzeitig rechten Arm und linken Fuß ausstrecken und dann mit dem linken Arm und rechten Fuß tauschen, drehen sich ihre Gespräche um den Job, die Kinder, die Schule und auch um den nächsten Winterurlaub. Wer beim SSC Illingen Skigymnastik betreibt, muss allerdings nicht auch gleichzeitig mit auf die Ausfahrten. Die Teilnehmer müssen noch nicht einmal Skifahren können. „Einige kommen auch nur, um sich über die Wintermonate fit zu halten“, erklärt die Übungsleiterin.
Jetzt ist der Parcours auch schon fast geschafft. Ganz hinten in der Ecke gibt es noch einmal eine Übung zur Abfahrtshocke. So wie Chechovsky zu Beginn der Übung geht auch Portius, die selbst immer mitmacht, in die Hocke, nimmt die Arme nach vorne und richtet ihren Blick nach vorne. Nur noch wenige Wochen, dann macht sie diese Übung nicht mehr auf der blauen Turnmatte, sondern mit Skiern an den Füßen im Schnee. Dann hat sie auch nicht mehr die Hallenwände im Blick, sondern das Ende der Piste. Eva Wirth
Training: Zwischen Oktober und März immer Mittwochs 20.30 bis 21.30 Uhr in der Stromberghalle in Illingen.
Kontakt: Angelika Portius (Telefon 07042- 25340).
