Spielertrainer – Patent- oder Notlösung?
Vaihingen (ev) – Ein Trainer ist am Erfolg seiner Mannschaft maßgeblich beteiligt. Immer mehr Fußballteams im Raum Vaihingen haben mittlerweile einen Spielertrainer in ihren Reihen. Aber woran liegt’s? Ist die Idee aus der Not heraus geboren oder verspricht sie Erfolg? Die VKZ hat bei den Übungsleitern nachgefragt.
Gerd Hausmann, Trainer des TSV Nussdorf, steht nur noch an der Außenlinie. Doch er fiebert mit, wenn seine Spieler über den Platz sausen. Am liebsten wäre es ihm, wenn er mitstürmen könnte. „Allerdings bin ich mit meinen 44 Jahren mittlerweile zu alt und zu langsam dafür“, sagt Hausmann.
Als er noch ein paar Jährchen jünger war, war er Spielertrainer. „Mir hat das sehr viel Spaß gemacht“, erzählt Hausmann. Er hat auch ein Rezept parat, damit es klappt: „Ein Übungsleiter, der selbst kickt, muss sehr gut Fußballspielen können.“ Als Faustregel, die man aber nicht global anwenden könne, gelte, dass ein Spielertrainer in seiner Laufbahn selbst mindestens eine Liga höher gespielt haben sollte als die betreute Elf. Hausmann zum Beispiel hat schon mit dem VfB Vaihingen in der Landesliga gekickt, bevor er beim TSV Enzweihingen (damals Kreisliga A) und beim TSV Kleinglattbach (damals Kreisliga A und Bezirksliga) als Spielertrainer angeheuert hat. Wichtig sei auch, dass Spielertrainer körperlich in einer Topverfassung seien und dass es einen kompetenten Co-Trainer oder Betreuer gibt, der an der Seitenlinie steht. „Auf dem Feld sieht man ja doch nicht alles, denn man muss sich als Spieler auch auf sich selbst konzentrieren“, sagt der Nussdorfer Coach.
Ähnlich wie Hausmann geht es auch Ferdinand Haupt vom SV Illingen. Wenn er noch spielen könnte, würde er es auch tun. „Ich glaube, Spielertrainer ist eine Art Übergang für all die, die noch nicht genug vom Fußball haben. So wächst man langsam in das Traineramt rein“, erklärt Haupt. Meist entscheide sowieso der Verein. Ein Spielertrainer sei dann sinnvoll, wenn gleichzeitig ein Führungsspieler gesucht werden würde. „Wenn allerdings das Spielermaterial da ist, wird oft ein normaler Trainer geholt.“
Ob Trainer oder Spielertrainer – wenn es schief laufe, könne keiner das Ruder rumreißen. „Auf dem Feld ist man selbst nur Spieler und von außen erreicht man nicht alle“, sagt er.
Wie Hausmann und Haupt macht es auch Rafael Krupop vom SC Hohenhaslach sehr viel Spaß, neben den normalen Trainertätigkeiten als Spieler aufzulaufen. „Ich werde das noch machen, so lange ich körperlich fit bin“, so Krupop. Die Zeit, in der er wegen eines Bandscheibenvorfalls nicht einsatzfähig war, hat ihm nicht sonderlich gefallen.
Zwar macht es ihm Spaß, aber auch beim SCH weiß man, dass man bei diesem Konstrukt auf einige Dinge achten muss. Zum Beispiel muss sich ein Trainer selbst kritisieren. „Bei der Spielanalyse muss ich auch meine Fehler nennen“, sagt Krupop. Sonst verliere man seine Glaubwürdigkeit.
Ein Spielertrainer ist auch Martin Stotz vom SV Riet. Ihm wäre es allerdings lieber, wenn er nur noch an der Außenlinie stehen könnte. „Da hat man einfach einen besseren Überblick“, so Stotz. Momentan ist er allerdings noch nicht zu ersetzen „und solange das noch so ist, werde ich weiterspielen“.
Ein weiteres Manko, das ein Spielertrainer zu bewältigen hat, ist, dass er das Training leiten muss, schauen sollte, dass die Übungen richtig gemacht werden, notfalls Hilfestellung geben muss, aber gleichzeitig sollte ein Spielertrainer die Übungen ja auch noch selbst absolvieren.
Einen positiven Aspekt findet aber auch Stotz. „Seit ich Spielertrainer bin, werde ich seltener vom Platz verwiesen“, sagt er. Warum das? „Man ist Vorbild für Spieler und es bringt mehr, wenn man auf dem Platz ist.“
Gleich zwei Spielertrainer gibt es beim FC Gündelbach. Harmoniert das? „Sehr gut“, sagt Markus Posch, einer der beiden. Meistens zumindest. Am Sonntag verlor der FCG das erste Saisonspiel. „Ich habe im Spiel nicht das vorgelebt, was alle bringen müssen und das ist als Spielertrainer eigentlich Pflicht“, sagt Posch. Am Sonntag hat es seiner Meinung nach zwar nicht geklappt, generell findet Posch die Tatsache, dass er selbst auf den Platz zeigen kann, was Sache ist, gut.
Auch die Aufgabenteilung sei bisher gut verlaufen. „Wir reden sehr viel miteinander. Das ist das A und O bei dieser Sache“, erklärt Posch. „Allerdings weiß ich nicht, wie es funktionieren würde, wenn es nicht mehr laufen würde“, sagt Posch. Am nächsten Sonntag gegen Enzweihingen, können Posch und seine Mannschaft ja dagegen steuern, damit er nicht erfahren muss, wie es wäre, wenn es schlecht liefe.
