Freitag, 25. Mai 2012

Wird aus elf bald sieben?


07/11 2007

Werden aus elf bald sieben?

Bild mit elf und sieben Spielern.
Noch besteht ein Fußballteam aus elf Spielern. In der Zukunft sind auch Siebenermannschaften denkbar.

Im Protokoll des DFB-Bundestages ist das Folgende zu lesen: „Die einzelnen Landesverbände entscheiden, ob in den Kreisligen mit unterschiedlicher Mannschaftsstärke (mindestens sieben, maximal elf Spieler) gespielt werden kann.“ Die Begründung von DFB-Boss Theo Zwanziger: „Die gesellschaftliche und demografische Wandlung wird auch am Fußball nicht spurlos vorübergehen. Eine veränderte Schul- und Arbeitswelt, eine Vielzahl von konkurrierenden Freizeitmöglichkeiten, weniger Menschen im typischen Fußballalter sind einige Gegebenheiten, die sich auf die Vereinsstrukturen und den Spielbetrieb auswirken werden.“

Das ist alles unumstritten, doch wird es in Württemberg wirklich Siebenermannschaften im Aktivenbereich geben? Laut Heiner Baumeister, beim Württembergischen Fußballverband (WFV) für Öffentlichkeitsarbeit zuständig, wird es dazu in naher Zukunft nicht kommen: „Im Gegenteil: Momentan haben wir einen neuen Mitgliederrekord.“ In zehn Jahren jedoch, wenn sich die geburtenschwachen Jahrgänge bemerkbar machen, würde man in einigen Gegenden, zum Beispiel auf der Schwäbischen Alb, über die Reduzierung der Mannschaftsstärke nachdenken müssen.

Mit dem Beschluss des DFB-Bundestages seien nun erst einmal die Weichen gestellt worden. Und bevor die Mannschaften kleiner werden können, müssen sich die Vereine erst mit dem Staffelleiter kurzschließen, der muss sich mit dem Bezirksvorstand auseinander setzen und dieser muss dann noch beim WFV einen Antrag stellen.

Ein langer Weg also, auf dem die Verantwortlichen noch einiges bedenken müssen, denn die Reduzierung der Mannschaften würde große Konsequenzen haben: „Man kann nicht einfach von Elf-gegen-elf auf Sieben-gegen-sieben umstellen“, sagt Baumeister. Die Spielfelder wären für so etwas viel zu groß. „Und dann beginnt die Diskussion mit den Toren“, so der WFV-Pressereferent weiter.

Fürsprecher lassen sich für die Änderungen eher wenige finden. Auch Bernd Stäcker, Staffelleiter der Kreisligen B5 und C5, kann sich mit dezimierten Mannschaften nicht anfreunden: „Das kann man doch nur bei der Jugend machen, wenn überhaupt.“ Und wie könnte man den Auswirkungen der demografischen Entwicklungen sonst noch begegnen? „Man könnte die zweiten Mannschaften wieder in einer Reserveliga spielen lassen“, so Stäckers Vorschlag. „Oder die Mannschaften ziehen die Möglichkeit in Erwägung, eine Spielgemeinschaft zu gründen, wie das heute schon bei vielen Jugendmannschaften der Fall ist“, schlägt Stäcker vor, denn Sieben-gegen-sieben wäre doch für die Zuschauer nicht sehr attraktiv.

Und wie sieht es mit der Aufstiegsregelung aus. Für Stäcker würde es da zu Problemen kommen: „Was ist denn, wenn solch eine Mannschaft in eine Elfer-Liga aufsteigt? Die haben doch nicht automatisch mehr Spieler, nur weil sie Meister geworden sind.“

Der Staffelleiter sieht das Problem der schwindenden Spieler vor allem darin, dass den Kindern und Jugendlichen ein immer größer werdendes Freizeitangebot zur Verfügung steht. „Selbst der Gesangverein oder die Schützengruppe haben mittlerweile einen Jugendgruppe.“ Stäcker ist jedoch der Meinung, dass die Verantwortlichen eher eine Spielgemeinschaft eingehen sollten, als die Mannschaften abzumelden: „Man hat doch beim VfB Vaihingen gesehen, was passiert, wenn der Unterbau fehlt. Es ist nicht gut, wenn die Reservespieler keine Spielpraxis bekommen“, erklärt Stäcker.

Und falls es doch Spielklassen mit weniger Akteuren geben sollte? „Dann müssen sich die Vereine darauf einstellen, dass sie weitere Strecken auf sich nehmen müssen, weil es dann ja weiterhin auch noch die Elfer-Staffeln geben würde.“

Aber was sagen eigentlich die direkt Betroffenen dazu? Volker Walz, Spielleiter des FC Gündelbach, hält nicht viel von dem Vorschlag von DFB-Präsident Zwanziger und das, obwohl sein Verein Spieler nicht gerade im Überfluss hat. „Zum Fußball gehören elf Spieler. Es heißt doch nicht umsonst ‚Elf Freunde müsst ihr sein‘“, sagt Walz. Er persönlich könnte es sich eher vorstellen, einen Spielgemeinschaft einzugehen. „Vielleicht nicht mit jedem Verein, aber warum nicht?“ Walz kann viele der in den letzten Monaten und Jahren getroffen Entscheidungen nicht nachvollziehen. „Zum Beispiel finde ich es nicht gut, dass die Mannschaften nach drei Spielabsagen aus dem Wettbewerb ausgeschlossen werden.“

Auch beim VfB Vaihingen hält sich die Zustimmung für kleinere Teams in Grenzen. Spielleiter Alexander König: „Das wäre doch eine ganz andere Art des Fußballs. Mit den heutigen Systemen hätte das nichts zu tun.“ Angst vor der Zukunft hat der VfB allerdings nicht. „Eine gute Jugendarbeit ist das A und O. Der FV Löchgau hat es doch vorgemacht“, so König. Man müsse den Jugendlichen ein qualifiziertes Training und noch etwas darüber hinaus bieten. Dann würde der Nachwuchs freiwillig kommen. „Es gibt nichts Schlimmeres als Väter, die Fußball nur vom Fernseher kennen und trainieren wollen“, so König. Auch wenn der VfB große Ziele vor Augen hat: „So weit sind wir noch nicht. Der Weg bis zu einer richtig guten Jugendarbeit ist weit, aber wir arbeiten daran.“


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