Freitag, 25. Mai 2012

Ohne Hase läuft nichts




15/05 2010

Ohne Hase läuft nichts

Hunde
Mit der Fernbedienung ist bei Klaus Uetz Fingerspitzengefühl gefragt. Foto: Bürkle

Großsachsenheim (hd). Ohne Klaus Uetz sprintet keiner der Windhunde in Sachsenheim los. Der 51 Jahre alte Automechaniker aus Stuttgart-Möhringen ist der Hasenzieher des Sachsenheimrings. Er ist für das Objekt zuständig, hinter dem die Hunde herhetzen.

Klaus Uetz macht das schon 25 Jahre lang und sagt selbstbewusst: „Der Hasenzieher ist der wichtigste Mann auf der Windhundrennbahn. Ohne Hase läuft nichts.“ Um einen Windhund zum Laufen zu bringen, braucht es ein Hetzobjekt, einen sogenannten Hasen. In Sachsenheim besteht dieser Hase nicht nur aus bunten Flatterbändern, sondern auch aus einem halben Hasenfell. Der Hasenzieher des Sachsenheimrings ist besonders stolz darauf, dass es zu jedem Rennen ein frisches Fell gibt. Und das habe auch einen einfachen Grund, erklärt der Möhringer: „Die Hunde laufen beim Rennen einem echten Hasengeruch hinterher und sind zufrieden, wenn sie am Ende ihre Nasen ins Fell drücken können. So verhindert man Hundefrust.“

Die Technik, erzählt der Windhund-Fachmann, ist eigentlich ganz einfach. Ein Endlosstahlseil wird über Rollen, die an Galgen über der Rennbahn befestigt sind, mit einem Elektromotor angetrieben. Am Seil hängt der Hase auf die Rennbahn herab. Und der Hasenzieher bedient die Fernbedienung – wie bei einer elektrischen Eisenbahn – und reguliert damit die Geschwindigkeit.

So einfach, wie es klingt, ist es aber nicht. Mit einmal die Fernbedienung aufdrehen, ist es bei weitem nicht getan. Vielmehr muss der Hasenzieher mit dem Starter am Startkasten harmonieren. Und vor allem umgekehrt. Denn der Starter darf den Kasten keinesfalls zu früh oder zu spät öffnen. Außerdem gibt es einen Unterschied, ob die schnellen Greyhounds oder eine der vielen langsameren Windhundrassen hinter dem Fell herjagen.

„Wenn der Hase zu kurz oder zu weit vor den Hunden gezogen wird, dann kann es passieren, dass die Hunde den Hasen erwischen oder stehen bleiben oder sogar umkehren“, erklärt Uetz. Die Folge ist dann ein Rennabbruch.

Richtig in Stress kommt Klaus Uetz ganz selten. „Und wenn, dann merken das die Leute gar nicht“, sagt der 51-Jährige mit einem Augenzwinkern. Das kann zum Beispiel sein, wenn der Starter den Kasten bei den Greyhounds zu früh öffnet und er nicht mehr als Vollgas geben kann. Oder wenn die Technik einmal etwas schwächelt. Aber normalerweise funktioniert das in Sachsenheim. Und, so sagt der Hasenzieher: „Es gibt nichts Schöneres als Hunde, die Spaß haben und gesund am Ziel ankommen.“

Dass das so ist, liege auch an dem Gefühl, das er im Laufe der Zeit für verschiedene Rassen entwickelt habe. Denn jede Rasse laufe anders.
Von seinem Hasenzieher-Turm habe er die Bahn, die Hunde und den Hasen voll im Blick. Ideal ist es, wenn er den Hasen im Abstand von zehn bis 30 Metern vor den Hunden herzieht. Bei so mancher Rasse kann das auch weniger sein, um sie bei Laune zu halten. Das können auch einmal drei bis vier Meter oder bei der Rasse Barsois sieben bis acht Meter sein. Aber bei den Greyhounds gibt es nur eins: Vollgas. „Bei den Greys kann der Hase nicht weit genug weg sein. Die fliegen regelrecht über die Rennbahn. Aber mehr als Vollgas geht eben nicht“, sagt Uetz.

Von Ende März bis Anfang November steht der Hasenzieher Uetz auf der Rennbahn – jeden Sonntag. Trainingsbetrieb. Die Highlights sind die zwei oder drei Rennen in der Saison. Nicht nur für den Verein, sondern auch für den „wichtigsten Mann“ (Uetz) am Platz. Nach so einem langen Renntag ist der Hasenzieher zufrieden, wenn er die Rennen gleichmäßig gezogen hat, wenn die Hunde durchgelaufen sind und sich im Ziel freuen, wenn es auch nach den letzten Finalläufen keine Verletzungen gab. „Wenn mir das keinen Spaß machen würde, wäre ich nicht so lange dabei“, berichtet der Automechaniker aus Möhringen. „Auch wenn man sich mal von einem Hundebesitzer anhören muss, dass man der schlechteste Hasenzieher sei, weil der eigene Hund nicht gewonnen hat. In solchen Situationen darf man sich nicht nervös machen lassen. Das muss da rein und da raus. Sonst wird es nichts mit dem gleichmäßigen Hasenziehen.“

Angefangen hat alles bei Uetz mit dem eigenen Windhund. Die Lieblingsrasse des 51-Jährigen sind die Barsois, die großen russischen Windhunde. Dieser Rasse ist er jetzt seit zweieinhalb Jahrzehnten treu.




Seitenanfang