Freitag, 25. Mai 2012

Hohenhaslach ist Meister, aber niemand jubelt




Nicht meisterlich gespielt, aber 5:1 gewonnen: Der SC Hohenhaslach (links) holte sich gegen Enzweihingen II die Krone in der Kreisliga C5 und steigt auf. Foto: Küppers
Nicht meisterlich gespielt, aber 5:1 gewonnen: Der SC Hohenhaslach (links) holte sich gegen Enzweihingen II die Krone in der Kreisliga C5 und steigt auf. Foto: Küppers

Hohenhaslach (rkü). Der SC Hohenhaslach hat gegen den TSV Enzweihingen II mit 5:1 gewonnen und ist Meister der Fußball-Kreisliga C5. Doch die Spieler schleichen vom Feld, als hätten sie gerade ein x-beliebiges Unentschieden geholt. Von Jubel über den Wiederaufstieg keine Spur – der stand in den Köpfen der Spieler schon zu lange fest.

Die Fußballer des SC Hohenhaslach haben in den vergangenen Jahren viel durchmachen müssen. Im Sommer 2008 nach erfolgloser Relegation aus der A-Klasse abgestiegen, wurde die Mannschaft ein Jahr später gleich in die C-Klasse durchgereicht. Eine dramatische Aufholjagd in der Rückrunde blieb ohne Erfolg. Seit Sonntag steht der Wiederaufstieg in die Kreisliga B5 fest – vier Spieltage vor Saisonende.

Die Freude auf dem Platz fiel aber verhalten aus. Als einer der Spieler einen Karton mit Meister-T-Shirts auspackte, tauschten zwar manche Akteure das Trikot gegen das T-Shirt, zogen dann aber schnell die Trainingsjacke drüber, als ob sie etwas zu verstecken hätten. Überschäumender Jubel sieht anders aus. Auch die Leistungsbereitschaft des designierten Meisterteams hatte sich in den vergangenen Wochen in Grenzen gehalten. Der Vorsprung war einfach zu groß gewesen – 15 Punkte Abstand zum Verfolger lähmten offenbar den Willen, auch in den letzten Spielen der Saison noch einmal an die Grenzen zu gehen. Spielertrainer Stefan Hellwig, der in Enzweihingen wegen einer Knieverletzung an der Linie stand, ist sich dennoch sicher: „Wenn wir nächste Saison wieder in der B-Klasse spielen, wird das anders. In der Vorbereitungszeit werden wir das regeln, dass die Leute wieder umschalten und volle Leistung bringen.“

In Enzweihingen dominierte der SCH auch mit angezogener Handbremse das Geschehen. Drei Treffer von Sadek Malik, einer von Benjamin Hellwig und einer von Philipp Gögel ließen den fest eingeplanten Sieg nie in Gefahr kommen. Dazu kamen zahlreiche vergebene Torchancen in den letzten Minuten der Partie. Auf Seiten der Gastgeber gab es lediglich zehn Minuten vor der Halbzeitpause einen Treffer zu bejubeln, als Francesco Schirosi traf. Costantinos Effrosinidis und Ilce Boskov hatten im Mittelfeld schön zusammengespielt, Schirosi vollendete mit seinem Torschuss. „Ansonsten waren wir gegen den Meister völlig chancenlos, vor allem in der zweiten Halbzeit“, sagte Enzweihingens Begleiter Michael Schöck. Obwohl die Hohenhaslacher gar nicht meisterlich auftraten. „Für uns hat es trotzdem gereicht, läuferisch und kämpferisch waren die einfach besser“, gab Schöck zu.

So war es im Verlauf der Saison allzu oft. Schon die ersten Spiele nach dem Abstieg gingen deutlich an Hohenhaslach. Die Ergebnisse von 8:2 gegen Horrheim II, 4:0 gegen Großglattbach II und 4:0 gegen Germania Bietigheim II sagten viel aus. Spätestens nach dem 8:0-Sieg gegen Mitabsteiger SV Riet war klar: Hohenhaslach wird – im Gegensatz zu Riet – nicht lange in der C-Klasse verweilen. Die Serie der Kantersiege setzte sich fort. Gegen Oberriexingen II gewann der SCH mit 14:0, gegen Ensingen II sogar mit 16:0. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis das erfolgsverwöhnte Team nachlässig wurde. Die bislang einzige Niederlage dieser Saison setzte es im Rückspiel gegen Germania Bietigheim II. Stefan Hellwig kommentiert das 2:4 so: „Mich selber hat’s gewurmt. Wir hätten die Saison ungeschlagen beenden können. Aber für manche Köpfe war es vielleicht nicht schlecht.“ Mit anderen Worten: Seine Mannschaftskameraden sollten durch die Niederlage aufgerüttelt werden und die Saison konzentriert zu Ende spielen.

Stefan Hellwig und Ralph Schindler sind gemeinsam für die Geschicke des SCH-Teams verantwortlich. Dabei soll es auch nach dem Aufstieg in die Kreisliga B5 bleiben. „Einer unserer Vorsitzenden, Manfred Wirth oder Uwe Kummer, steht sowieso immer an der Auslinie, das passt ganz gut“, erzählt Stefan Hellwig (25), der gemeinsam mit seinen beiden Brüdern Tobias (24) und Benjamin (19) in der Mannschaft spielt. Autoritätsprobleme innerhalb der Familie sieht er keine: „Wenn die sehen, dass es richtig ist, was ich vorgebe, dann machen sie es auch.“ Brüderpaare gibt es beim SCH mehrere: Neben den Hellwigs spielen auch Philipp und Julian Kummer sowie Philipp und Steffen Gögel in der Mannschaft.

Das Team ist am Sonntagabend, mit ein bisschen Abstand zum Enzweihinger Spiel, dann doch noch in Feierlaune gekommen. Im Hohenhaslacher Vereinsheim saßen die Spieler bis gegen Mitternacht zusammen und begossen den Aufstieg. „Das war schon ganz ordentlich“, urteilt Stefan Hellwig. „Und eines ist sicher: Wir freuen uns auf die B-Klasse – nächstes Jahr zählt’s.“




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