Vaihingen (sv). Im Keller von Bruno und Margit Kachur stehen die Pokale, die die Familienmitglieder bereits erfechtet haben. Wenige sind es garantiert nicht: Denn nicht nur das Ehepaar Kachur greift zum Degen. Auch die Söhne Alexander und Matthias sind in der Fechtszene keine Unbekannten.
Wenn, wie bei den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr, die deutsche Mannschaft gleich zwei Goldmedaillen im Fechten für sich verbucht, finden sich Säbel, Degen und Florett kurzzeitig auf den Titelseiten der Gazetten wieder. Doch sobald Fußball oder Leichtathletik die Schlagzeilen des Sportteils liefern, wird der Fechtsport für viele Menschen wieder zur großen Unbekannten.
Nicht anders erging es Margit Kachur, als sie Bruno Kachur, Fechter und ihr späterer Ehemann, kennen lernte. „Ich konnte mir überhaupt nichts darunter vorstellen“, beschreibt Margit Kachur ihre erste Begegnung mit dem nicht ganz alltäglichen Sport von Bruno. „Dann ist sie auf Turniere mitgegangen, hat es einmal selbst probiert und der Appetit kam dann mit dem Essen“, ergänzt ihr Ehegatte schmunzelnd.
Mittlerweile ist Margit genauso oft wie Bruno, der 1964 in Stuttgart mit dem Fechtsport angefangen hat, im Training der Ditzinger Fechter anzutreffen – zwei Mal pro Woche.
Klar, dass da auch die Söhne des Ehepaars Kachur sich der Fechtleidenschaft der Eltern nicht entziehen konnten. Sohn Matthias, Jahrgang 1979, lacht: „Uns ist nichts anderes übrig geblieben“. Sein zwei Jahre älterer Bruder Alexander fügt hinzu: „Wir waren ja schon im Kinderwagen in der Fechthalle.“ Zwar haben beide Sprösslinge mehrjährige Fechtpausen eingelegt, sind mittlerweile aber wieder zurück an der Waffe, auch wenn es für die Brüder mittlerweile eher ein Freizeitsport ist als ein Leistungssport.
Das war nicht immer so: Im Juniorenbereich war Alexander nach dem Gewinn der Württembergischen Meisterschaft eine Einladung des Bonner Sportinternats ins Haus geflattert. Das Angebot, das Fechten als Leistungssport neben dem Abitur auszuüben, schlug der ältere Kachur-Sohn aber aus. Im Nachhinein, so die Familie einstimmig, sei es wohl die richtige Entscheidung gewesen.
Derzeit darf sich Familienoberhaupt Bruno mit Fechterfolgen rühmen. So wurde er 2001 Senioren-Vizeweltmeister im Einzel. 2006 gab es darüber hinaus den Titel als Senioreneuropameister in der Mannschaft. Mit im Fechtteam damals: Igor Bormann aus Nussdorf, der nicht nur Alexanders Nachbar, sondern auch einer der Großen im internationalen Fechtsport ist. „Man könnte fast sagen, dass die Dreiergemeinde das Zentrum des Senioren-Fechtens ist“, stellt Bruno Kachur fest, der seit 31 Jahren im Eberdinger Stadtteil Hochdorf wohnt.
Doch nicht nur im Männersport kommt Eberdingen zu dieser Ehre, auch Margit Kachur hat schon Pokale nach Hochdorf geholt. Sie ist schon lange kein Fecht-Laie mehr und hat dank zweier Deutscher Meistertitel in der Seniorenmannschaft ordentlich Blut geleckt.
Wer denn nun der beste Fechter im Hause Kachur sei, daran scheiden sich die Geister. Eines ist für Matthias aber klar: „Ich gehe mit ganz anderem Ehrgeiz an die Sache ran, wenn es gegen meinen Bruder geht.“ Alexander kontert: „Aber nur, solange du gewinnst.“ Gelegenheit zum Brüderduell bietet sich einmal pro Woche im Training der TSF Ditzingen. Dafür kommt Matthias, der in Frankfurt wohnt und seine Kanzlei in Karlsruhe hat, extra in den Landkreis Ludwigsburg.
Für den Rechtsanwalt ist der Sport eine willkommene Abwechslung. Vater Bruno, selbstständig, pflichtet seinem Sohn bei: „Man kann beim Fechten abschalten und gut relaxen. Andere gehen halt Holz hacken.“ Darüber hinaus belaste der Sport den ganzen Körper und weise dank Schutzkleidung ein geringes Verletzungsrisiko auf. Auch wenn blaue Flecken natürlich „mal passieren“ könnten.
„Ich gehe vor allem hin, weil es einfach Spaß macht“, bekennt sich Bruno Kachur zum Fechtsport. Natürlich, so der Selbstständige weiter, sei es ein großer Augenblick, bei einem internationalen Wettkampf auf dem Treppchen zu stehen. Vielleicht ist ihm solch ein Erlebnis schon bald wieder vergönnt. Auf die Weltmeisterschaft in Moskau im September arbeitet er jedenfalls schon hin.
Dort darf Bruno Kachur, der am 19. Juni 60 Jahre alt wird, zum ersten Mal in der Altersklasse Ü60 antreten. „Dort ist er dann ja wieder ein junger Hüpfer“, neckt sein Sohn Alexander. Die sechs Jahrzehnte sieht man dem Familienoberhaupt nicht an. Bruno Kachur wiederholt die Worte eines Ditzinger Vereinskameraden: „Fechten ist die Möglichkeit, einen jünger erscheinen zu lassen als man ist.“
