Freitag, 25. Mai 2012

Der Kampf um die Spielgemeinschaft




Der Kampf um die Spielgemeinschaft

Hochdorf (ev). Die Platten sind verstaut, Bälle und Schläger weggepackt. Die Tischtennissaison ist zu Ende. Die Vereine planen für die nächste Saison. Auch der TSV Hochdorf. Dort ist die Zukunft allerdings ungewiss. Da der Verband keine Spielgemeinschaften zulässt, steht der Verein vor dem Aus.

Seit 2007 gibt es die inoffizielle Spielgemeinschaft des TSV Nussdorf mit dem TSV Hochdorf. Die Nussdorfer hatten zu wenig Personal, Ortsnachbar Hochdorf nahm zwar mit gleich drei Mannschaften am Spielbetrieb teil, hatte allerdings kein einziges Jugendteam gemeldet. Ein gemeinsames Training in der neuen Eberdinger Sporthalle schien ideal. Alle Beteiligten waren sich darüber einig, dass es für eine mittel- und langfristige Sicherung des Tischtennissports innerhalb der Gemeinde Eberdingen sinnvoll wäre, die Kräfte zu bündeln. Die ganze Sache hatte nur einen Haken: der Tischtennisverband Württemberg-Hohenzollern (TTVWH) erlaubt keine Spielgemeinschaften.

Deshalb gab es bisher nur eine inoffizielle Spielgemeinschaft. Soll heißen, dass die Nussdorfer Spieler als Gastspieler für den TSV Hochdorf an den Start gehen. Der Tischtennis-Nachwuchs blieb beim TSV Nussdorf.
Seit zwei Jahren kämpfen Hochdorfer und Nussdorfer für eine Spielgemeinschaft. Mittlerweile geht es nicht mehr nur um ihr Anliegen, sondern darum, dass kleine Vereine ohne Spielgemeinschaften bald gar nicht mehr überlebensfähig wären und Tischtennis nur noch in Hochburgen angeboten werden würde. „Im Sinne des Breitensports ist das nicht“, sagt Achim Gerken, der für die inoffizielle Spielgemeinschaft an der Platte steht.

Die Eberdinger reagieren mit Unverständnis, denn in vielen anderen Tischtennis-Landesverbänden gibt es Spielgemeinschaften. Ebenso in anderen Sportarten. Handball, Basketball, in der Leichtathletik – selbst im Fußball können Vereine und Mannschaften kooperieren. In der Wettspielordnung des DTTB (Deutscher Tischtennisbund) heißt es, dass die Mitgliedsverbände die Bildung von Spielgemeinschaften unterhalb der sechsthöchsten Spielklasse (Verbandsklasse) zulassen können. Der TVWH hat allerdings keine gesonderte Regelung zur Bildung von Spielgemeinschaften getroffen.

Mehre Verbandssitzungen sind verstrichen, zahlreiche Briefe und E-Mails sind zwischen Verbandsbossen und Tischtennisspielern hin und her gegangen, ein Arbeitskreis wurde gebildet, Anträge wurden eingereicht – getan hat sich nichts. Und es wird sich so schnell auch nichts tun.
Denn der Verbandsausschuss des TTVWH, der sich zweimal im Jahr trifft, hat in seiner letzten Sitzung den Antrag abgelehnt, berichtet Marco Barth, der beim TTVWH unter anderem für die Beratung in Fragen rund um die Wettspielordnung zuständig ist. „Uns wurde gesagt, der Antrag wurde nicht eingereicht“, empört sich Gerken. Fakt ist auf jeden Fall, dass die Hochdorfer und Nussdorfer bis heute keine offizielle Stellungnahme zu ihrem Antrag bekommen haben. Die Sitzung war im Januar. „Der Verband hält uns hin und hofft, dass sich die Spieler anderen Vereinen anschließen“, klagen die Eberdinger.

Über die Gründe, weshalb der Antrag abgelehnt wurde, ist Marco Barth nichts bekannt. Gegenüber der Vaihinger Kreiszeitung sagte er: „Bezirksvertreter und Vorstand des TTVWH, die den Ausschuss bilden, haben so entschieden. Warum – das ist ist mir nicht bekannt.“ Genauso wenig wie den Eberdingern.
Nicht viele Möglichkeiten haben sie nun. Sie könnten ihren Antrag erneut einreichen oder die beiden Abteilungen könnten fusionieren und einen eigenen Verein gründen – das rät Barth.

Die dritte Variante – die Tischtennisspieler beenden ihren Kampf, wodurch einige Spieler sich wohl einen neuen Verein suchen würden.
 Die Nussdorfer Spieler, die nach Hochdorf gewechselt sind, beziehungsweise momentan eine Gastspielerlaubnis haben, hätten dies für ihren Verein getan, um zum Beispiel der Jugend eine Perspektive zu bieten. Gibt es nicht bald eine richtige Spielgemeinschaft, würden sich die Spieler, die einen weiten Anfahrtweg haben, eher einen Verein in ihrem Wohnort suchen als zum TSV Hochdorf zu wechseln. „Die Hochdorfer hätten dann ein Spielerproblem, die Nussdorfer Jugend keine Perspektive“, erklärt Gerken. Bereits nächste Saison könnten die Nachwuchsspieler in die Welt der Aktiven schnuppern. Das geht jedoch nicht, weil es keine Spielgemeinschaft gibt.

„Mittlerweile fehlt uns die Motivation, weiterzukämpfen und immer wieder bei Null anzufangen und gegen Wände zu laufen“, sagt Gerken. Ein Jahr besteht die inoffizielle Spielgemeinschaft aber noch – so lange gilt die Gastspielerlaubnis. Länger nicht. In dieser Zeit wollen die Eberdinger eine Begründung für das ablehnende Verhalten des Verbands. Und wenn es keine Spielgemeinschaft gibt, dann steht der Tischtennissport in der Dreiergemeinde tatsächlich vor dem Aus.




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