Freitag, 25. Mai 2012

„Der Match-Tie-Break ist Kinderfasching“


31/05 2008

„Der Match-Tie-Break ist Kinderfasching“

Die Tennis-Saison beginnt – aber es bleibt nicht alles beim Alten. Foto: VKZ-Archiv
Die Tennis-Saison beginnt – aber es bleibt nicht alles beim Alten. Foto: VKZ-Archiv

Vaihingen – Ab diesem Wochenende heißt es wieder Spiel, Satz und Sieg. Und die Lust am Tennis scheint ungebrochen. So nehmen über 8500 Mannschaften in Württemberg am den verschiedenen Wettbewerben teil. Doch die Tennisfreunde müssen sich darauf einstellen, dass sie in diesem Jahr weniger von ihrer Lieblingssportart haben werden.

Manchmal ist ein Tennisspiel schon nach zwei Stunden vorbei, in extremen Fällen kann es auch vier Stunden dauern, bis der Sieger feststeht. Planbar ist dabei nichts und oft opfern die Tennisspieler einen ganzen Tag für einen Verbandsspieltag. Doch damit soll jetzt Schluss sein, zumindest hat der Württembergische Tennisbund (WTB) beschlossen, die Regeln so zu ändern, dass die Spiele früher beendet sind.

Im Klartext heißt dies, dass der dritte Satz in Zukunft als Match-Tie-Break ausgeführt werden soll – in ganz Württemberg, in allen Altersklassen.

Maute: „Ein Match-Tie-Break ist ein reines Glücksspiel“

Armin Maute, Tennistrainer beim TV Vaihingen, ist über diese Regeländerung nicht sehr erfreut. „Ein Match-Tie-Break ist ein reines Glücksspiel“, meint er. Das die Spiele dadurch aber kürzer werden, meint auch er.

Ein dritter Satz ist immer dann notwendig, wenn es im Doppel oder Einzel nach zwei Sätzen 1:1 steht. Bisher wurde dieser normal ausgeführt, dass heißt, dass ein Spieler sechs, beziehungsweise sieben Spiele gewonnen haben musste. Die Zählweise innerhalb eines Spiels ist 0, 15, 30, 40. Diese ganze Prozedur fällt nun im Match-Tie-Break weg. Hier werden nur noch zehn Punkte ausgespielt. Dann ist die Partie beendet. Ähnlich wie ein normaler Tie-Break, der zur Anwendung kommt, wenn es in einem Satz 6:6 steht. Ein normaler Tie-Break wird bis sieben Punkte gespielt.

„Ein Satz dauert zwischen 20 Minuten und einer Stunde. Für einen Match-Tie-Break braucht man vielleicht fünf Minuten, höchstens eine Viertelstunde“, erklärt Markus Magenheim, Trainer beim TSV Enzweihingen. Auch er ist nicht von der Regelung überzeugt, genauso wenig wie Guido Zinsler, 1. Vorsitzender der Tennisfreunde Nussdorf. Der Grund ist bei allen gleich. Zinsler: „Ein Match-Tie-Break ist nicht immer gerecht. Wenn ein Spieler schlecht beginnt, hat er fast keine Chance mehr, das Spiel zu drehen. Da gehört einfach zu viel Glück dazu.“

Tatsache ist aber, dass es durch die Regelung eine Zeitersparnis gibt. „Für den Verband ist es gut, da es durch die verkürzte Spielzeit nicht mehr zu so vielen Engpässen kommt“, meint Magenheim und Zinsler ergänzt: „Für ältere Spieler mag das ja in Ordnung sein, dass sie im Sommer nicht mehr so lange auf dem Feld sind, aber selbst von denen habe ich noch nichts Positives gehört“, so Zinsler.

Gut werden es künftig Spieler haben, die konditionell nicht so stark sind. „Meine Spieler wollten schon gar keine Kondition mehr trainieren“, schmunzelt Trainer Maute. Ausdauereinheiten gab’s trotzdem. Außerdem legte der Vaihinger Coach Wert darauf, den Match-Tie-Break schon einmal im Training auszuprobieren, damit sich die Spieler mental darauf einstellen können.

Verändertes Freizeitverhalten ist ein Grund für die Änderung

Befürworter der Regel stellen vor allem das veränderte Freitzeitverhalten, das mehr zeitlicher Flexibilität bedarf, in den Vordergrund. Einen ganzen Tag auf dem Tennisplatz zu verbringen, dazu sind Tennisspieler nicht mehr bereit.

Maute geht es aber wie vielen Tennisfreunden: „Jetzt gibt es noch weniger Tennis“, murrt er. Nur sechs Verbandsspiele und die sind nun auch kürzer. „Es bleibt die Hoffnung, dass in den nächsten Jahren der Spielplan durch die Einführung eines Rückspiels in die Länge gezogen wird.“

Magenheim drückt es sogar noch drastischer aus. „Wir haben Tennis angefangen, als es noch ein ganz anderes Spiel war, aber das war gut. Der Match-Tie-Break ist doch Kinderfasching.“

Weder Zinsler, noch Magenheim oder Maute, die exemplarisch befragt wurden, können dem neuen Spielsystem viel Positives abgewinnen. Trotzdem stimmten 72 von 113 Vereinsvertretern bei der WTB-Mitgliederversammlung dafür. Wegen eines Eilantrags gilt die Änderung nun schon in dieser Saison. Was die drei Tennisfreunde mit der Zeit anfangen, die sie nun mehr zur Verfügung haben, können sie übrigens noch nicht sagen.

Eva Wirth


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