Kugelstoßerin Christina Schwanitz im Interview
Sersheim – Die Kugelstoßerin Christina Schwanitz hat am vergangenen Wochenende zum ersten Mal die Norm für die Olympischen Spiele in Peking erfüllt. Was ihre 19,23 Meter wirklich bedeuten und ob die in Sersheim wohnhafte Auszubildende schon ihr Ticket für China gebucht hat, hat sie im Interview mit der Vaihinger Kreiszeitung verraten.
Darf man Ihnen denn schon zur Olympia-Teilnahme gratulieren?
Nein, dazu ist es noch zu früh. Ich muss ja noch einmal beweisen, dass ich die Olympianorm von 18,35 Metern stoßen kann.
Schaffen Sie das?
Ich bin mir sicher, dass so eine Weite wie meine 19,23 Meter, die ich bei den Werfertagen in Halle gestoßen habe, wieder kommen wird.
Wann dürfen Ihre Fans damit rechnen?
Hoffentlich schon nächsten Freitag in Kassel beim German Meeting. Zwei Tage später bin ich beim Schönebecker Sole Cup und am 20. Juni steht das Internationale Lausitz-Meeting in Cottbus auf dem Programm. Bei diesen Wettkämpfen kann ich die Peking-Norm erneut bestätigen.
Mit Ihnen konkurrieren Denise Hinrichs, Nadine Kleinert und Petra Lammert um die drei Tickets für Peking? Wer hat die besten Chancen?
Ich denke, dass Nadine Kleinert aus Magdeburg auf jeden Fall zu den Olympischen Spielen nach Peking fährt. Sie hat die Weite von 18,35 Metern schon zweimal geknackt. Außerdem war sie schon einmal bei Spielen dabei und wurde da Zweite.
Wie schätzen Sie Ihre eigenen Chancen ein?
Mit meiner Weite bin ich Zweite. Wenn ich mir aber keine Chancen ausrechnen würde, würde ich ja auch nicht antreten. Ich habe den Willen, nach Peking zu fahren und meine Chancen stehen 1:4. Das ist doch nicht schlecht.
Angenommen alle vier Kugelstoßerinnen schaffen zweimal die Norm, wer nimmt dann an den Spielen teil?
Die drei, die am konstantesten sind. Entscheidend werden auch die deutschen Meisterschaften am 5. und 6. Juli in Nürnberg sein. Das ist der Abschlusswettkampf und sozusagen die letzte Chance. Meist sind die Platzierungen bei den Deutschen ausschlaggebend. Wer dort gut ist, wird nominiert.
Wie bereiten Sie sich auf die entscheidenden Wettkämpfe vor?
Seit drei Wochen bin ich im Trainingslager und trainiere jeden Tage zwischen drei und fünf Stunden. Das mache ich auch noch vier Wochen lang. Solange bin ich von der Schule und dem Rathausbetrieb in Sersheim freigestellt. Das ist sehr gut, denn so habe ich den Kopf für den Sport frei.
Was würde die Teilnahme an den Olympischen Spielen für Sie bedeuten?
Damit würde ein großer Wunsch für mich in Erfüllung gehen. Es wäre das erste Mal, dass ich an solch einem Wettbewerb teilnehmen könnte. Das allein ist schon etwas Besonderes. Außerdem bin ich erst 22 Jahre alt und habe solche eine Chance... Es wäre einfach gigantisch.
Obwohl die Spiele in China umstritten sind?
Ja, trotzdem. Ich finde, dass Politik nichts mit Sport zu tun hat. Politiker sollten sich nicht in den Sport einmischen und Sportler sich nicht in die Politik. Das sind zwei Paar Schuhe.
Die Fragen stellte Eva Wirth
