Freitag, 25. Mai 2012

„Wir sind wieder daheim“


Der VfB Vaihingen ist Meister.
Zum Umfallen: Nach zehn Jahren kehrt der VfB Vaihingen in die Bezirksliga zurück. Foto: Simecek

Vaihingen (ev) – Nach zehn Jahren ist der VfB Vaihingen wieder zurück in der Bezirksliga. In der Saison 1997/1998 stiegen die Fußballer einst ab. Durch einen 7:0-Kantersieg gegen Wiernsheim sicherten sie sich am Sonntag endgültig den Meistertitel und dürfen nächste Runde wieder in der höchsten Liga des Bezirks antreten.
Welcher Aufstieg war nun besser? Der in die Kreisliga A3 oder der in die Bezirksliga? Nur ein Jahr liegt zwischen den beiden Erfolgen des VfB Vaihingen, sodass die Erinnerungen noch nicht verstaubt sein dürften. Von den Feierlichkeiten, da sind sich Trainer Goran Musura und Spielleiter Alexander König einig, war es der Aufstieg in die A-Klasse, was wohl daran gelegen habe, dass es damals bis zum letzten Spieltag äußerst spannend gewesen sei und viel mehr Druck auf der Mannschaft gelegen habe, weil der Verein unbedingt Erster werden wollte. Doch emotionaler sei, zumindest für König, der Erfolg am Wochenende gewesen. „Ich habe mich im Stillen wesentlich mehr gefreut, weil der Aufstieg in die Bezirksliga etwas ganz Besonderes ist“, erklärt der Spielleiter.
Stimmt – zumindest wenn man die Bilanz der Vaihinger Mannschaften betrachtet. Seit der Saison 2001/2002, in der der TSV Kleinglattbach aus der Bezirksliga abstieg, schaffte es kein Verein der Stadt mehr in diese Klasse.
Die Freude war bei manchem Vaihinger deshalb am Sonntag riesig. Einige der Spieler feierten mit dem Stadtpokal, andere machten Turnübungen am Torgehäuse und Thorsten Walz, der beim VfB Vaihingen immer als Linienrichter im Einsatz ist, ließ sich nach dem 7:0 gegen Wiernsheim eine Glatze rasieren.
Auch Goran Musura war es ganz anders zumute. „Ich wusste, dass wir als Aufsteiger mit diesem Kader nicht gegen den Abstieg spielen, aber das wir so souverän Meister werden, hätte ich nie gedacht“, frohlockt er. Zwei Spieltage vor dem Saisonende ist der VfB nun nicht mehr einzuholen. Nur einmal hat der VfB Vaihingen verloren. Die Überlegenheit kommt laut König daher, dass Vaihingen einen sehr breiten Kader habe. „Bei uns hört es nicht nach der Nummer 14 auf.“ Das habe man vor allem da gemerkt, als reihenweise die Spieler mit Verletzungen ausgefallen sind.
„Aber die Bezirksliga ist eine andere Welt“, warnt König. Der Sprung in diese Liga sei einer der größten im Fußball, ist er sich sicher. Fast alle Mannschaften, die in den letzten Jahren aufgestiegen sind, hätten schnell Probleme bekommen.
Das soll dem VfB nicht passieren. „Wir wollen uns langfristig in dieser Liga etablieren“, sagt Musura, denn die Bezirksliga sei die Staffel, in die ein Verein wie der VfB gehöre. „Diese Klasse entspricht unserem Umfeld, der Stadt, dem Gelände und den finanziellen Möglichkeiten des Vereins“, so König. Deshalb auch der Aufdruck auf den weißen Meisterschafts-Shirts, die sich die Spieler am Sonntag überstreiften. Neben dem obligatorischen Bezirksliga-Aufsteiger 2007/2008 ist auf denen zu lesen: ...wir sind wieder daheim.
Trotz der ganzen Freude finden die Vaihinger ein kleines Haar in der Suppe. „In der Bezirksliga gibt es für uns keine Derbys mehr. Das ist der einzige Wermutstropfen“, sind sich Musura und König einig.
Der Aufstieg kam nicht überraschend, schon vor einer Woche hätte Vaihingen alles klar machen können, wenn es am vergangenen Sonntag nicht geklappt hätte, dann, so waren sich die meisten Fans sicher, holt der VfB halt nächste Woche den noch fehlenden Punkt. Kein Wunder, dass also auch schon hinter den Kulissen für die neue Spielzeit geplant wird.
So haben die VfB-Verantwortlichen schon Kontakt zu Spielern aufgenommen. „Aber alles in Maßen“, betont König. Einkäufe würde es definitiv keine geben. „Wir wollen Spieler, die möglichst hier aus der Region kommen und die möglichst jung sind“, so der Spielleiter weiter. Dass aber auch ein erfahrener Akteur zur Mannschaft stößt, schließt er nicht aus. Er könnte das Loch schließen, dass Robert Stanic hinterlassen wird. Den 32-Jährigen zieht es samt Familie aus beruflichen Gründen nach Kroatien. Wann, das ist noch offen. Vielleicht ist Stanic schon immer Sommer weg, spätestens allerdings in der Winterpause. Und die Erfahrung des einstigen Oberligaspielers wird dem VfB fehlen. Ivica Coric ist ein Kandidat für Stanic’ Position im Mittelfeld. „Wir müssen versuchen, diesen Verlust aus dem Kollektiv heraus zu schließen“, meint König, ist sich aber sicher, dass die Mannschaft dies meistert: „Wir haben ohne Robert gegen Bönnigheim mit 4:0 und gegen Wiernsheim mit 7:0 gewonnen.“ „Und gegen Löchgau II haben wir ohne ihn eines unseren besten Spiele gemacht“, ergänzt Musura.
Und die Zielsetzung für die kommende Saison? Der VfB strebt schon wieder einen Aufstieg an. Nicht in die Landesliga, sondern mit der zweiten Mannschaft in die B-Klasse, denn der Sprung von der Bezirksliga zur C-Klasse sei zu groß. Aber wer weiß, vielleicht klappt es mit dem Aufstieg auch noch dieses Jahr übers Hintertürchen. Vaihingen ist in der C6 Vierter. „Laut Staffelleiter verzichtet allerdings Hohenhaslach II auf jeden Fall auf den Aufstieg und auch bei Roßwag II sei nicht sicher, ob sie hoch wollen“, berichtet König.
Sicher ist auf jeden Fall, dass nächsten Sonntag vor dem Spiel gegen Roßwag, das um 16 Uhr beginnt, der Staffelleiter den Wimpel an den VfB übergibt. Den zweiten in zwei Jahren. „Und dann werden wir testen, wo unsere Grenzen sind. In den letzten beiden Jahren haben wir sie nicht erreicht“, sagt Musura.


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