Freitag, 25. Mai 2012

Von der Grob- zur Feinform finden




Sven Leitmann (links vom Startblock) und Mona Haug (rechts hinten) bieten für eine Leistungsgruppe intensives Training an. Foto: Küppers
Sven Leitmann (links vom Startblock) und Mona Haug (rechts hinten) bieten für eine Leistungsgruppe intensives Training an. Foto: Küppers

Vaihingen (rkü). Die Schwimmtalente beim TV Vaihingen haben große Ziele: Im Sommer 2011 wollen sie bei den württembergischen Meisterschaften an den Start gehen. Um die Qualifikation zu erreichen, wird ab sofort in einer neunköpfigen Leistungsgruppe trainiert.

„Spätestens in der E-Jugend sollte man die Ausbildung intensivieren“, unterstreicht Sven Leitmann, der beim TVV als Trainer engagiert wurde. Die neue Leistungsgruppe richtet sich demnach an Kinder im Alter zwischen acht und zehn Jahren. Wie gut sie bislang schwimmen können, sei zweitrangig, sagt Leitmann. Viel wichtiger sei fortan das regelmäßige Training unter fachkundiger Anleitung. „Jetzt gilt es, die Schwimmer von der Grob- zur Feinform auszubilden.“ Die Aufnahmekriterien für die neue Gruppe, die teils aus TVV-Schwimmern und teils aus Neumitgliedern gebildet wurde, lesen sich entsprechend harmlos: „sicheres Bewegen im Wasser in Bauch- und Rückenlage, Ausatmen ins Wasser, Sprung vom Startblock, Tauchen, Bereitschaft zur Wettkampfteilnahme“.

Die Leistungsgruppe richtet sich nicht an Leistungssportler, sondern an Kinder, die an das wettkampfmäßige Schwimmen herangeführt werden wollen. „Am Anfang sind die Streckenlängen nebensächlich“, sagt Leitmann. „Unser Schwerpunkt liegt darauf, die Technik zu verfeinern.“ Mona Haug, die selbst ein Jahr lang von Leitmann gelernt hat und sich jetzt auch um die Nachwuchsschwimmer kümmert, ist von dem Konzept begeistert. „Ich bin seit einem Jahr täglich im Wasser und ich weiß, was die Kinder lernen werden.“ Schwimmen lernt man aber doch eigentlich in der Schule? Haug lacht: „Ja, man schwimmt halt, wie man es in der Schule gelernt hat. Aber dann, wenn man sich monatelang auf die richtige Technik konzentriert, kommt ziemlich schnell was bei raus.“ Die Leistungssprünge sind enorm, erklären Haug und Leitmann unisono. Zumindest in der ersten Zeit. „Später ist eine Verbesserung um wenige Zehntelsekunden ein großer Erfolg“, erläutert Leitmann. „Am Anfang sind die Sprünge aber viel größer.“

Leitmann ist im Alter von sechs bis 16 Jahren selbst als Schwimmer beim TV Vaihingen aktiv gewesen. Dann wechselte er aus dem Becken an den Beckenrand und gab sein Wissen an andere Schwimmer weiter. Mittlerweile ist er B-Trainer und damit für die Arbeit im Schwimmverein hoch qualifiziert. Das Training in der Leistungsgruppe ist auf drei Jahre angelegt, erklärt Leitmann. Jeweils nach den Sommerferien soll eine neue Gruppe gegründet werden. Damit wollen die Verantwortlichen vermeiden, dass in der vorhandenen Gruppe ein zu großes Leistungsgefälle auftritt, wenn einmal jährlich Anfänger hinzukommen. Denn auch wenn sie vorher schon Erfahrungen sammeln konnten, müssen sie sich an das neue Training erst einmal gewöhnen. Jeweils sonntags trainiert die Leistungsgruppe im Vaihinger Schwimmbad. Montags ist gleich noch einmal Training angesagt. Leitmann: „Eine Pause zwischen diesen zwei Terminen wäre sinnvoller.“ Aber die Schwimmer sind auf die Zeiten angewiesen, in denen sie Bahnen im Vaihinger Schwimmbad nutzen dürfen. Das könnte ohnehin zu einem Problem werden, falls sich durch die neue Gruppe (und alljährlich geplante Nachfolgegruppen) die Zahl der Wettkampfsportler im TV Vaihingen deutlich erhöht. Denn im ersten Jahr Leistungsgruppe stehen rund 80 Kilometer Gesamtschwimmleistung auf dem Trainingsplan. Für das zweite Jahr rechnet Leitmann mit einer Verdoppelung auf 160 bis 200 Kilometer, und im dritten Jahr sollen etwa 400 Kilometer pro Kopf erreicht werden. „Spitzensportler wie Britta Steffen und Paul Biedermann schwimmen ungefähr 20 Kilometer am Tag“, verdeutlicht der Trainer, dass es bei den Profis um ganz andere Dimensionen geht.

Herwin Grauel, beim TVV als Abteilungsleiter Schwimmen tätig, betont, dass es sich beim Schwimmen grundsätzlich um eine Ausdauersportart handelt, selbst wenn kurze Strecken geschwommen werden. Sein Argument: „Von der Zeit her braucht man für einen 200-Meter-Lauf ungefähr so lang wie für 50 Meter schwimmen.“ Nach dieser Rechnung sei die klassische 100-Meter-Distanz beim Schwimmen mit dem 400-Meter-Lauf vergleichbar – das zieht sich schon ganz schön. „Also müssen wir auf Ausdauer trainieren.“ Das sieht Trainer Leitmann genauso, auch wenn er jetzt nach Gründung der Leistungsgruppe erst einmal an der Technik feilen will. Bloß keine falschen Bewegungsabläufe beim Ausdauertraining verinnerlichen, das wäre fatal. Wenn all dies berücksichtigt wird, sehen Leitmann, Grauel und Haug gute Chancen, in etwas mehr als einem Jahr mit mehreren Teilnehmern bei den württembergischen Meisterschaften vertreten zu sein.




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