30/03 2010
Auf der Zielgeraden abgefangen
Vaihingen (nac). Auf der Zielgeraden ist Herbert Oechsle noch abgefangen worden. Dennoch freute sich der Illinger vom Skatclub Vaihingen über seinen zweiten Platz bei der baden-württembergischen Meisterschaft. Oechsle: „Zuerst ist man traurig. Aber dann erkennt man, dass es ein Erfolg war.“
Es war sein Tag. Bei der baden-württembergischen Meisterschaft hat Herbert Oechsle ein fast perfektes Turnier gespielt. Mit Serien um die 1300 Punkte im Schnitt war der 59-Jährige der konstanteste Spieler im 220 Teilnehmer großen Feld. In seiner vierten Serie gab es sogar einen Ausreißer nach oben auf 1553 Punkte. In dieser Serie hat Oechsle 18 Spiele gemacht. Normal sind im Schnitt zwölf oder 13. Dennoch reichte es nicht ganz zum Sieg. Denn in der fünften und letzten Serie fing Peter Merklein (1. DSSV Rottweil) den Illinger noch ab. Er setzte sich mit 6565 Punkten vor Oechsle (6435 Punkte). „Merklein kam mit Traumserien aus den hinteren Reihen“, erklärt der Illinger. „Das konnte ich nicht kommen sehen.“
Gespielt wird beim Skat mit vier Mann an einem Tisch. Diese duellieren sich in vier Serien à 48 Spielen. Oechsle: „Am Tisch muss man so viel punkten wie möglich. Das ist mindestens zehn Stunden reine Spielzeit, in der man konzentriert bleiben muss.“ Nach den ersten vier Serien werden die Akteure entsprechend ihren jeweiligen Punkteständen in neue Gruppen eingeteilt. Vor dieser entscheidenden Serie lag Oechsle noch auf Goldkurs. „Ich hatte 300 Punkte Vorsprung auf Ulli Durst aus Esslingen. Er hat angegriffen wie verrückt. Aber am Tisch konnte ich alles abwehren“, berichtet der Diplomingenieur. „Ich habe so viele Spiele wie möglich gespielt. Hätte ich mehr gespielt, hätte ich sie verloren.“ Dadurch erreichte er aber nur einen mittelmäßigen Schnitt von 884 Punkten.
Und genau der brach ihm letztlich das Genick. Die Verfolger am Nebentisch hatte der Illinger auch noch unter Kontrolle (Oechsle: „Ich habe immer wieder auf die Liste des Spielstands am Nachbartisch geschielt.“) Doch nicht die direkte Konkurrenz schickte sich an, ihm gefährlich zu werden, sondern jemand, der bis dahin noch nicht groß in Erscheinung getreten war. Merklein rollte in der letzten Serie das Feld von hinten auf. Mit 1670 Punkten schob er sich noch bis auf Platz eins. Für die deutsche Meisterschaft in der Nähe von Offenburg ist aber auch Oechsle qualifiziert. Insgesamt haben das die ersten 24 der Landestitelkämpfe geschafft.
Bei der deutschen Meisterschaft geht es für den 59-Jährigen darum, sein bisheriges Ergebnis, Platz 13, zu toppen. „Ich will Meister werden. Aber ich bin Realist. Unter die ersten 20 wäre super. Aber da muss schon alles zusammenkommen“, erklärt Oechsle. „Die Konzentration muss stimmen, man muss gute Karten bekommen und macht braucht etwas Losglück für die ersten Serien.“ Ihm ist es am liebsten, wenn er gegen gute Spieler, aber keine zu starken Gegner antreten kann. Oechsle: „Ich spiele ungern gegen schwache Gegner. Wenn man noch einen starken Spieler am Tisch hat, kann er den schwachen gegen mich steuern.“ Meist kam der Deutsche Meister bisher aus dem Norden der Republik. Vor allem in Bremen und Westfalen ist Skat ein Volkssport. „Allein in Bremen gibt es 53 eingetragene Skatclubs“, berichtet Oechsle. „Die haben schon viel mehr Manpower.“
Mit dem Virus Skat wurde der Illinger in seiner Jugend infiziert. „Mit neun oder zehn Jahren habe ich immer meinem Vater zugeschaut“, erinnert sich der 59-Jährige. Später griff er selbst zu den Karten und als er während des Studiums ein Lehrsemester hatte, klopfte er jeden Tag einen Skat. Was macht aber die Faszination des Spiels aus? „Jedes Spiel ist anders.“ Oechsles Augen leuchten. „Es ist so variantenreich. Es gibt 32 Karten, die auf drei Spieler verteilt werden mit zwei Karten im Skat. Da gibt es Millionen von Kombinationsmöglichkeiten. Außerdem ist es ein Kampf Mann gegen Mann.“
