Freitag, 25. Mai 2012

Matt-Niederlage – Wer gibt sie zu?




29/03 2010

Matt-Niederlage – Wer gibt sie zu?

Schach
Der 18-jährige Jens Hirneise von der SpVgg Rommelshausen wurde als Fünfter bester Jugendspieler bei den Kaltenstein Open. Foto: Simecek

Vaihingen (dha). Bereits zum 15. Mal fand das Vaihinger Schnellschachturnier Kaltenstein Open statt. Am Samstag gingen 37 Teilnehmer an die Bretter. Vom Zweitligaspieler bis zum vereinslosen Hobbyspieler war alles vertreten. Am Ende gewann der Internationale Meister Leonid Milov vom SC Nürnberg.

Es ist still in der Aula des Vaihinger Jugenddorfs Schloss Kaltenstein. Die Teilnehmer des Vaihinger Schnellschachturnier Kaltenstein Open sitzen an den Spielbrettern und tragen ihre Partien aus. An Brett eins ist es besonders spannend: In der vierten Runde treten die beiden Topfavoriten Leonid Milov und Ulrich Schulze gegeneinander an. Die beiden sind kein unbeschriebenes Blatt in der Schachszene. Milov ist Spitzenspieler beim Zweitligisten SC NT Nürnberg und wurde bei den deutschen Einzelmeisterschaften Fünfter. Schulze ist bei der DM auf Platz 20 gelandet und spielt ebenfalls in Liga zwei beim SK Neuhausen. Als nur noch wenige Figuren auf dem Brett sind fragt der Knittlinger Schulze: „Remis?“ Milov willigt ein.

Es ist nur eines von vielen Duellen zwischen zwei Meisterspielern. Durch den Turniermodus, das sogenannte Schweizer System, kommt es eher zu Duellen zwischen gleich guten Spielern. Man spielt immer gegen jemanden, der im bisherigen Turnierverlauf genauso viele Punkte gesammelt hat wie man selbst.

Seit 1993 wird der Wettbewerb von der Schachvereinigung (SVG) Vaihingen veranstaltet und hat bisher 15-mal stattgefunden. Die Teilnehmerzahl ist konstant hoch. „Wir haben immer zwischen 35 und 50 Anmeldungen“, berichtet SVG-Pressewart Reinhard Bolter. Dieses Jahr sind 37 Spieler dabei. „Das sind ungefähr so viele wie im Vorjahr. Damit können wir zufrieden sein“, sagt Turnierleiter Egbert Fuchs. Unter den Teilnehmern befinden sich fünf Jugendliche, darunter Jens Hirneise, der beim Oberligisten Rommelshausen spielt und mit erst 18 Jahren bereits Fide-Meister ist. Fide (Fédération Internationale des Échecs) ist die Internationale Schachföderation. Mit Josef Gheng (SC Erdmannhausen) ist ein weiterer Fide-Meister dabei. Und mit Milov, Schulze sowie Srdjan Panzalovic und Karsten Volke geben sich vier Internationale Meister die Ehre. Durch das Preisgeld – der Sieger bekommt 400 Euro – werden immer wieder die Topspieler angezogen. Ein Großmeister ist dieses Jahr aber nicht vertreten.

Mit den Meister-Bezeichnungen kann ein Schach-Laie nichts anfangen. Herbert Quirin, Ehrenvorsitzender der Schachvereinigung erklärt: „Es gibt Nationale und Internationale Meister. Durch Siege gegen höher eingestufte Gegner bei offiziellen Turnieren wird seine Wertungszahl, die jeder Vereinsspieler hat, aufgewertet. Je nach Wertungszahl wird er dann zu dem jeweiligen Meister erklärt.“ Auf nationaler Ebene heißt die Wertungszahl GWZ und auf internationaler Elo. Mit entsprechender Elo-Zahl wird man zum Fide-Meister (FM), zum Internationalen Meister (IM) oder zum Großmeister (GM) ernannt.

Da das Kaltenstein Open als Schnellschachturnier, bei dem jeder Spieler eine Bedenkzeit von insgesamt maximal 30 Minuten pro Spiel hat, kein offizieller Wettkampf ist, kann man hier seine Wertungszahl nicht verbessern. Viel mehr sehen die guten Spieler das Turnier als eine Art Training und bei entsprechender Platzierung als Nebenverdienst. Für die meisten Vereins- und Hobbyspieler steht aber der Spaß an erster Stelle. Außerdem haben sie eventuell die Chance, einmal gegen einen Internationalen Meister anzutreten.

Am Ende gewann Milov mit 6,0 Punkten (5 Siege und 2 Unentschieden) vor Volke (5,5 Punkte) und Thilo Kabisch (5,5 Punkte). Der Nürnberger machte seinen Sieg aber erst in der letzten, aggressiv geführten Partie zehn Sekunden vor Ende seiner Bedenkzeit klar. Der beste von sieben Vaihinger Vereinsspielern ist Herbert Quirin (4 Punkte) auf Platz 18.

Bolter zieht ein positives Fazit: „Einen richtig großen Wettbewerb können wir leider nicht stemmen. Und auch hier kommen wir eins zu eins raus. Aber es ist ein schönes Turnier mit guten Bedingungen und einer guten Zusammenarbeit mit dem Jugenddorf.“ Und bei solch einem Turnier darf auch der Spaß nicht zu kurz kommen. Der für die Bewirtung zuständige Walter Pungartnik versucht vor der vierten Runde, das Geschehen etwas aufzulockern. Er gibt eine Flasche Wein aus, für den der laut und deutlich zugibt, dass er mit einem Matt verloren hat. Erst rund 30 Minuten später meldet sich der Erste.

Mit solchen Späßen und einem eventuellen Duell gegen einen Großmeister wird sich bestimmt auch eine Teilnahme in 2011 lohnen.




Seitenanfang