27/03 2010
Empfehlung: 10.000 Schritte pro Tag
Vaihingen (nac). Dass Sport in Maßen für den Körper nicht gerade das Schlechteste ist, ist weithin bekannt. Wie gut Bewegung wirklich ist, wissen aber meist nur ausgewiesene Experten. Doch am Donnerstagabend vermittelten drei Referenten, wie wichtig Sport bei der Stressbewältgung oder beim Überstehen der Wechseljahre sein kann.
Übergewicht, Bluthochdruck, Rückenbeschwerden, Diabetes Typ 2 – die sogenannten Zivilisationskrankheiten befallen fast jeden Menschen. Die beste Behandlung ist, sich regelmäßig zu bewegen. „Und wenn man nur abends einmal um den Block geht“, sagt Wellnessberaterin Heike Tapken-Brust. „Als Richtwert gelten 10000 Schritte. Den ganzen Tag durch die Wohnung zu wuseln und den Haushalt zu machen, gilt dabei aber nicht.“
Doch Sport kann weit mehr. Das erfuhren rund 60 Personen bei der Auftaktveranstaltung der Aktion „Aktiv & fit in der Region“ am Donnerstagabend im Löwensaal der Vaihinger Stadthalle. Bewegung hilft, einen Ausgleich für den täglichen Stress im Alltag, im Beruf oder in der Familie zu finden, referiert der studierte Sportwissenschaftler und Psychologe Wolfgang Scheiber vom gleichnamigen Sportzentrum in Sersheim. Ist der Mensch gestresst, schüttet der Körper Stresshormone aus, die bewirken, dass die Person psychisch und körperlich angespannt ist. In der Steinzeit war dies noch positiv. Der Neandertaler reagierte gestresst, wenn er zum Beispiel einen Säbelzahntiger sah. Nun musste er sich entscheiden: die Flucht ergreifen oder kämpfen. In beiden Fällen war es gut, dass er körperlich angespannt war. Außerdem wurde der Stress je nach Reaktion gleichermaßen abgebaut.
Heute kann der Mensch nicht ohne Weiteres Stress abbauen. Regt er sich über seinen Chef an der Arbeitsstelle auf, kann er nicht mal kurz um den Block joggen. Obwohl das genau der richtige Ausgleich wäre, berichtet Scheiber. In der heutigen Welt spielen eher Strategien wie beispielsweise ein Zeitplanungssystem, Nein-Sagen, Chi-Atmung oder Lachen eine Rolle. Kann man sich solche Ressourcen nicht in einem ausreichenden Maß aufbauen, wird der Mensch unweigerlich in eine Stressspirale gezogen. Die körperliche und geistige Anspannung steigen kontinuierlich an. Es kommt zu Schlafstörungen, Gereiztheit und depressiver Stimmung sowie eventuell zum Burn-out-Syndrom.
Neben dem Sport als Stressbewältigung gilt es aber auch, Gelassenheit zu erlernen. Dafür gibt es drei Strategien. Statt allen Frust und Ärger in sich hineinzufressen, sollte man alles, was einem nach einer Stresssituation einfällt, aufschreiben. Außerdem sollte man an seiner inneren Einstellung arbeiten. Scheiber: „Das Glas ist halb voll und nicht halb leer.“ Ist der Mensch positiv eingestellt, ist er stressresistenter. Und last but not least spielt die Körpersprache eine große Rolle. Sagt man sich selbst, mir geht es super gut, und zeigt dies durch seine Körperhaltung mit zurückgezogenen Schultern, geht man gelassener über Stresssituationen hinweg.
Im Anschluss daran sprach Heike Tapken-Brust, Tierärztin und Wellnessberaterin für Mensch und Tier, über Methoden, wie Frauen fit und natürlich durch die Wechseljahre kommen. Die Menopause haben die meisten Frauen zwischen 45 und 55 Jahren, sie kann aber auch schon mit Mitte 30 einsetzen. Symptome sind beispielsweie Hitzewallungen, Schlaflosigkeit, Gereiztheit und Vergesslichkeit. Die Wechseljahre sind in verschiedenen Generationen und Kulturen unterschiedlich ausgeprägt. Dies liegt vor allem an der Ernährung. „In Japan gibt es zum Beispiel kein Wort für Hitzewallung. Japanerinnen, die in Japan leben, kennen keine oder kaum Symptome der Wechseljahre. Das liegt vor allem daran, dass sie von frühster Jugend an viel Soja zu sich nehmen“, erklärt Tapken-Brust. „Soja enthält viele Phytoöstrogene, die die Symptome unterdrücken.“ Deshalb sei eine gesunde Ernährung mit vielen Vitalstoffen so wichtig. Ebenso wichtig sei es aber auch, ausreichend zu trinken – und zwar nur Quellwasser. Tapken-Brust: „In jeder Stunde sollte jeder 0,1 Liter, besser sogar 0,2 Liter trinken.“
Auch viel Bewegung lindert die Symptome der altersbedingten Hormonumstellung. Sport fördert die Ausschüttung von Endorphinen, den Glückshormonen. „Jeder sollte sich täglich mindestens 30 Minuten bewegen, zum Beispiel stramm spazieren gehen“, sagt die Wellnessberaterin.
Ein weiterer Baustein, damit ein Mensch gesund bleibt, ist die Ernährung mit Biolebensmitteln, berichtet im letzten Vortrag die Ernährungswissenschaftlerin Ursula Winzig. Biologisch erwirtschaftete Nahrungsmittel enthielten in der Regel mehr Inhaltsstoffe, weil sie reif geerntet würden. Außerdem sei die Gefahr geringer, dass sich Giftstoffe in den Lebensmitteln ansammelten, weil kaum bis gar keine Pestizide oder Kunstdünger verwendet sowie keine bedenklichen Futtermittel an die Tiere verfüttert würden. Und in der Regel könne man darauf gehen, dass dort, wo „Bio“ drauf stehe, auch „Bio“ drin sei. Winzig: „Es gibt bereits verschiedene Gütesiegel der verschiedenen Verbände. Zur Vereinfachung soll noch ein EU-weites Gütesiegel kommen.“
Der Einwand, dass Biolebensmittel teurer sind, ist zwar richtig, aber nur einseitig gedacht, sagt Winzig weiter. Der Anbau oder die Mast seien zwar teurer, da zeit- und kostenintensiver. „Aber Biolebensmittel kommen nicht nur Ihnen, sondern auch Ihrer Umwelt zu gute“, erklärt Winzig.


