Vaihingen (rkü). Die Faustballer des TV Vaihingen sind eine feste Größe in der 1. Bundesliga. Die Hallensaison 2009/2010 war nicht ganz so erfolgreich wie die vorangegangene, in der sich der TVV mit dem Titel des Europapokalsiegers schmückte. Kolja Meyer und Marco Lochmahr, die beide seit Jahren in der Mannschaft spielen und ihre Erfahrungen auch als Jugendtrainer weitergeben, sprechen im VKZ-Interview über die Hintergründe.
Karl Katz hat sein Engagement als Trainer des TV Vaihingen beendet. Wie wichtig ist es, in der Faustball-Bundesliga einen festen Trainer zu haben?
Lochmahr: Meiner Meinung nach ist das sehr wichtig, denn bei einem Spielertrainer ginge ein Teil der Konzentration verloren, wenn er sich während des Spiels auch noch Gedanken über Taktik, Auswechslungen und so weiter machen müsste.
Meyer: Ein guter Trainer ist fast noch wichtiger als entsprechende Spieler. Er kann aus talentierten Spielern eine gute Mannschaft formen. Ein Spielertrainer hätte nicht nur Probleme, sich zu konzentrieren, sondern er könnte gegen seine Mitspieler auch kaum durchgreifen, wenn es aus irgendwelchen Gründen nötig ist.
Aufgrund seiner Doppelbelastung als Trainer des TVV und seines Heimatvereins TSV Grafenau hatte Karl Katz nicht immer Zeit, die Vaihinger Mannschaft bei den Spielen zu begleiten. Wie wichtig ist es aus Ihrer Sicht ein Trainer an der Seitenlinie?
Lochmahr: Er ist sehr wichtig, denn das Spiel sieht von außen immer etwas anders aus als von innen. Außerdem: Wenn von den Spielern jeder etwas zu sagen hätte, würde das Chaos ausbrechen.
Wann stellen Sie uns also einen neuen Trainer vor?
Meyer: Wir sind gerade auf der Suche. Dass wir als Mannschaft uns selbst um einen Trainer kümmern, ist sicher eine Besonderheit, die man aus anderen Sportarten und Vereinen vermutlich anders kennt.
Lochmahr: Momentan gibt es unterschiedliche Kandidaten. Zu diesem Thema wird es am Dienstag eine Sitzung mit allen Mannschaftsmitgliedern geben.
Die erfolgsverwöhnte Mannschaft konnte sportlich nicht ganz an die super Leistung des Vorjahres anknüpfen. Wie ist denn die Motivation im Training?
Meyer: Es ist ganz klar, dass ohne eine entsprechende Trainingsbeteiligung auch die Leistung nach unten geht. Das betrifft dann die gesamte Mannschaft – die Spieler, die nicht trainieren und die Spieler, die ins Training kommen. Denn wenn die erste Mannschaft nicht komplett anwesend ist, sind die Leistungsdifferenzen für ein effektives Training einfach zu groß. Das war auch das Problem der vergangenen Saison. Ich hoffe, dass der sportliche Rückschlag bei der DM bei manchen zu einem Umdenken führt.
Lochmahr: Die Motivation genügt meiner Meinung nach nicht den Ansprüchen, die wir uns vor der Saison zusammen gestellt haben. Es fehlte aber auch ein Trainer, der jedes Training und jeden Spieltag anwesend ist, der die Entwicklung aller Spieler in der Mannschaft verfolgt und auch mal ein Machtwort spricht.
Trotzdem hat es zur Meisterschaft in der 1.Bundesliga Süd gereicht.
Lochmahr: Die Süd-Bundesliga war dieses Jahr eher schwach besetzt. Da mussten wir außer gegen den späteren Deutschen Meister Stammheim nie an unsere Leistungsgrenze gehen. Das wird in der Feldsaison sicher anders und dann sind wir auch wieder mehr gefordert.
Meyer: Ehrgeiz und Trainingsbeteiligung waren immer dann besonders hoch, wenn es um etwas ging. Das war vor dem Europapokal so und vor dem Rückspiel gegen Stammheim, nachdem wir das Hinspiel verloren hatten. Bei diesen Höhepunkten haben wir dann auch tatsächlich Höchstleistung gebracht.
War denn die bevorstehende deutsche Meisterschaft kein Anlass für besonderen Trainingseifer?
Meyer: Im Gegensatz zu beispielsweise der Mannschaft aus Stammheim hat bei uns der Weitblick gefehlt. Stammheim hat sich kontinuierlich auf die DM vorbereitet und bei uns war es eben nicht damit getan, kurz vor dem Turnier ein bisschen Sondertraining zu machen und ein Spiel gegen Pfungstadt anzusetzen.
Welche Veränderungen stehen für die Feldrunde an, die am 8. Mai beginnt?
Lochmahr: Wir brauchen wieder einen Trainer, der immer dabei ist. Außerdem wird unser Kader verkleinert.
Meyer: Künftig spielen Marco Lochmahr, Michael Krauß, Michael Marx, Daniel Wörsinger und ich. Als sechster Mann ist Björn Rink in der Mannschaft. Bei Bedarf könnten auch Daniel Rothmaier und Tobias Rommel aus der dritten Mannschaft bei uns mitspielen. Andreas Rothmaier ist ein halbes Jahr in England und steht in der Feldrunde nicht zur Verfügung.
Gehen Sie auch bei anderen Vereinen in der Region auf Talentsuche?
Lochmahr: Wir setzen lieber auf eigene Jugendspieler.
Meyer: Natürlich haben wir uns umgeschaut, aber junge, aufstrebende Spieler sollen lieber ihren Heimatverein voran bringen. Das tut dem Faustball in der Region gut und damit auch uns.
Was sind die sportlichen Ziele?
Lochmahr: Momentan sind wir leider auf dem absteigenden Ast und leben noch von dem, was wir vor zwei Jahren im Training gemacht haben. Wir müssen zur alten Motivation zurückfinden und uns für die nächsten deutschen Meisterschaften qualifizieren.
Meyer: Dieses Jahr ist der Klassenerhalt absolut wichtig, sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen. Denn im Jahr 2011 haben wir die deutschen Meisterschaften im Feld hier in Vaihingen. Da wollen wir auf jeden Fall mitspielen.
Wird die Mannschaft bis dahin ihr Gesicht grundlegend verändern?
Lochmahr: Das haben wir in nächster Zeit nicht vor.
Meyer: Wir haben sehr gute Jugendspieler, aber wenn wir die jetzt schon in die Bundesligamannschaft einbauen würden, käme das Ziel in Gefahr, bei den deutschen Meisterschaften in Vaihingen am Start zu sein. Außerdem wollen wir selbst ja auch noch ein bisschen spielen.
Wie sinnvoll ist es, dass Bundesligaspieler neben ihrem eigenen Spielbetrieb auch als Trainer von Jugendteams aktiv sind? Wie gut lässt sich das erfahrungsgemäß miteinander vereinbaren?
Lochmahr: Es ist in meinen Augen sehr wichtig, dass Bundesligaspieler Jugendarbeit machen. Die Kinder orientieren sich an uns und wollen selbst erreichen, was wir erreicht haben. Das fördert unter anderem den Trainingsehrgeiz. Außerdem wissen wir, worauf es ankommt und was für uns als Jugendliche wichtig war, damit wir jetzt erfolgreich in der Bundesliga spielen.
Meyer: Bei der C-Jugend gab es manchmal Überschneidungen der Spieltermine, dann ist wenn möglich mein Vater mit der C-Jugend gefahren und sonst habe ich auch schon mal auf ein Bundesligaspiel verzichtet. Die Anzahl an geeigneten Jugendtrainern im Verein ist begrenzt und diese sind an den Wochenenden durch unsere vielen Nachwuchsteams alle stark ausgelastet. Andere Bundesligavereine, die in solchen Situationen die Jugend hinten anstellen, merken inzwischen zum Teil auch, dass sie mehr in die Nachwuchsarbeit investieren müssen.
Sie fahren mit Ihren Jugendmannschaften ja auch immer wieder zu überregionalen Meisterschaften und bringen Erfolge mit.
Meyer: Ja, und ich bin mir hundertprozentig sicher, dass aus unserer Jugend auch wieder Bundesligaspieler hervorgehen.
Lochmahr: Der Aufwand für uns ist sehr hoch. Von sieben Wochentagen verbringen wir sechs mit Faustball. Ob das vernünftig ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich kann nur soviel sagen: Es lohnt sich auf jeden Fall.
