Freitag, 25. Mai 2012

Schaulaufen für den Bundestrainer




09/03 2010

Schaulaufen für den Bundestrainer

Faust
Vaihingens Mannschaftskapitän Marco Lochmahr Foto: Küppers/Archiv

Bad Staffelstein/Vaihingen (sv). Primär ging es bei den deutschen Hallenmeisterschaften am Wochenende in Bad Staffelstein natürlich um den Titel, den nun der TV Stammheim trägt. Im EM-Jahr galt es für die Faustballer aber auch, vor Bundestrainer Olaf Neuenfeld zu glänzen.

Hätte Bernd Donath, Chef des Organisationskomitees der deutschen Meisterschaft in Bad Staffelstein, ihn zu Beginn der Titelkämpfe nicht begrüßt, man hätte ihn fast übersehen können. Auf den obersten Tribünenrang, hat sich Olaf Neuenfeld, 39 Jahre alt und derzeit Trainer der deutschen Faustball-Nationalmannschaft, verkrochen – dorthin, wo man die vermeintlich beste Aussicht auf das Fels und die Spiele hat. Und von dem, was er von dort oben sieht, ist Neuenfeld begeistert: „Ich bin wirklich positiv überrascht. Was das Niveau angeht, ist das sicherlich die beste deutsche Meisterschaft seit langem.“ Sogar vom TV Öschelbronn und vom VfK Berlin, die bereits nach der Gruppenphase ihre Koffer packen mussten, zeigte sich der Bundestrainer angetan.

Eine nette Urlaubsreise war die Fahrt in den fränkischen Kurort für Neuenfeld aber nicht. Im Gegenteil: Derzeit steht der Bundestrainer vor einer folgenschweren Entscheidung. Die Faustball-Europameisterschaft steht im August auf dem Programm und die Einladungen für die ersten Kaderlehrgänge sollen diese Woche versendet werden. Die DM ist also Neuenfelds letzte Gelegenheit, sich die besten Spieler der Republik herauszupicken.

Welcher Akteur am Ende den begehrten Brief im Postkasten finden wird, verrät der Bundestrainer natürlich nicht. Ein paar seiner Einschätzungen gibt er dennoch preis. „Die große Überraschung, dass Spieler dabei sein werden, die keiner auf dem Zettel hatte, wird ausbleiben. Auch in Bad Staffelstein gab es keinen Kandidaten, der sich als Shooting-Star empfohlen hat“, verrät Neuenfeld. Anstatt positiver Überraschungen, so klingt seine zweite Aussage, sollten sich einige Spieler lieber auf negative Überraschungen beim Blick in den Briefkasten vorbereiten: „Es läuft wohl eher darauf hinaus, dass Leute nicht dabei sein werden, die vielleicht damit gerechnet haben“, erklärt der Bundestrainer

Neuenfeld ist also ein Mann der klaren Worte und das beweist er auch, als die Leistung des TV Vaihingen bei der 1:3-Semifinalpleite zur Sprache kommt. „Für mich war das Halbfinale des TVV enttäuschend“, gibt sich der Nationalcoach sehr deutlich und ergänzt: „In den drei letzten Sätzen haben sowohl die Einzelspieler, als auch das Kollektiv nicht gehalten, was sie versprochen haben.“

Details zur Nominierung einzelner TVV-Akteure verrät der 39-Jährige aber nicht. Dafür äußert er sich zu einem Spieler, der zumindest in der Enzstadt wohnt. Der Stammheimer Schlagmann Marc Krüger, so Neuenfeld, habe ihm im Turnier am besten gefallen. Neuenfeld: „Es ist mir ein Rätsel, warum die Vaihinger gegen Stammheim nichts ausrichten konnten, obwohl sie Krüger als Ex-Mannschaftskameraden ja in- und auswendig kennen sollten.“ Bislang waren Kolja Meyer, Andreas Rothmaier, Michael Marx, Marco Lochmahr und der scheidende Christian Erlenmayer die aktiven Nationalspieler im Vaihinger Team. Alle fünf gehörten auch bei den World Games im vergangenen Jahr zum Kader der Bundesauswahl.

Mit Einsätzen im Nationaldress kann sich auch TVV-Schlagmann Michael Krauß
rühmen, der sich nach Schulter-OP im vergangenen Jahr in der Hallenrunde wieder in Topform zeigte und seine Pläne, gesundheitsbedingt mit dem Faustball aufzuhören, erst einmal auf Eis gelegt hat. Krauß war fürs Nationalteam beispielsweise bei den World Games 2005 in Duisburg im Einsatz – das war allerdings vor der Ära Neuenfeld.

Wer sich Chancen auf die Teilnahme an der Europameisterschaft, die Ende August in der Schweiz stattfindet, ausrechnen darf, wissen die Spieler erst, wenn der Briefträger die ersehnte Post einwirft. Bis dahin ist Hoffen und Bangen angesagt. Doch wer bei der deutschen Meisterschaft am Wochenende nicht geglänzt hat, wartet nicht notwendigerweise vergebens. „Überbewerten darf man die Hallen-DM auch nicht. Immerhin spielen wir bei der Nationalmannschaft Feldfaustball und da muss man doch differenzieren“, sagt Neuenfeld.




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