03/03 2010
Konfusion über die neue Fehlstartregel
Ensingen/Karlsruhe (nac). Im 60-Meter-Sprint der Leichtathletik entscheiden Bruchteile einer Sekunde über Sieg oder Niederlage. Das hat auch John-Henry Tate bei den deutschen Meisterschaften erfahren müssen. Eine Hundertstel Sekunde hat ihm zum Einzug in die Zwischenrunde gefehlt. Im Finale wurden drei Athleten bei der Jagd nach Bestzeiten wegen Fehlstarts disqualifiziert.
Seit diesem Jahr gilt eine modifizierte Regel 162 – Der Start. Demnach wird jeder Läufer, der einen Fehlstart macht sofort disqualifiziert. Bei den deutschen Meisterschaften in Karlsruhe hat diese neue Regel allerdings für einigen Diskussionsstoff gesorgt. Zunächst hatten Julian Reus (Erfurter LAC) und beim zweiten Startversuch auch Martin Keller (LAC Erdgas Chemnitz) zu schnell reagiert. Der Starter schoss sie zurück, die beiden Sprinter wurden disqualifiziert. Was für Gesprächsbedarf gesorgt hatte, ereignete sich beim dritten Startversuch. Alexander Kosenkow (TV Wattenscheid) zuckte, ließ sich aber wieder zurückfallen. Allerdings reagierte der neben ihm startende Alex Schaf (LG Sigmaringen) und schnellte los. Wieder gab es einen Neustart. Kosenkow durfte wieder in den Block.
„Anfang des Jahres hat mir mein Trainer Micky Corucle erklärt, dass egal ob nur Zucken oder Loslaufen – beides ist ein Fehlstart“, erklärt John-Henry Tate (LAZ Salamander Kornwestheim). „Doch Kosenkow durfte wieder starten, wurde erst nachträglich disqualifiziert. Das mit der neuen Regel muss sich wohl erst noch einspielen.“ Für den Ensinger ist die Regeländerung dennoch ein Schritt in die richtige Richtung. „Man ist zwar nervöser am Start. Aber es ist positiv, da die Läufer, die früher oft gezockt haben mit der Gefahr, einen Fehlstart zu produzieren, nun auch saubere Starts machen müssen. Man bekommt keine zweite Chance mehr“, berichtet Tate.
Auch ohne Zocken (Tate: „Ich habe noch nie einen Fehlstart gemacht.“) hat sich der Ensinger nach vier Jahren Martyrium wieder in die nationale Spitze zurückgekämpft – auch wenn es für den ganz großen Wurf bei der DM in Karlsruhe noch nicht gereicht hat. „Vier Jahre Verletzungspause kann man nicht in nur sechs Monaten aufholen. Mehr war nicht drin“, sagt Tate. „Ich bin aber einfach froh, dass ich eine ganze Saison wieder mitlaufen konnte. Das war vor einem Jahr noch nicht abzusehen.“
Eine Verletzung am Großzehgrundgelenk hatte sich zu einer wahren psychischen Belastungsprobe entwickelt. Tate: „Kein Arzt wusste, was ich hatte. Wahrscheinlich war es eine simple Kapselverletzung. Doch durch eine Entzündung und die Flüssigkeit im Gelenk habe ich vier Jahre keinen Sport machen können.“ Doch der Sprinter hat sich durchgebissen und ist wieder zu alter Stärke zurückgekehrt. Doch mit 6,89 Sekunden im Vorlauf der deutschen Meisterschaft über 60 Meter hat dem Ensinger eine Hundertstel Sekunde zur Qualifikation für die Zwischenrunde gefehlt. „Das hat mich ziemlich belastet. Ich war nachmittags richtig deprimiert“, berichtet Tate. Doch die direkte Aufarbeitung mit seiner Trainingsgruppe mit Tobias Unger und Marius Broening (beide LG Stadtwerke München) sowie der Zuspruch seiner Familie haben ihn wieder aufgebaut.
Die Sprint-Kurzstrecke hat Unger für sich entschieden. In 6,66 Sekunden hatte der Kornwestheimer im Ziel fünf Hundertstel Vorsprung auf Stefan Schwab (TSV Schwarzenbek). Dritter wurde Broening in 6,73 Sekunden.
