02/03 2010
Engagement für Individuen im Team
Vaihingen (nac). Wenn Bärbel Fischer über ihren Sport Kanufahren spricht, leuchten ihre Augen. „Man ist draußen in der Natur und kommt an Stellen, an die man sonst nicht hinkommt. Wenn man hartes Wildwasser fährt, gibt es nur einen selbst und den Fluss.“ Und diese Begeisterung gibt sie Nachwuchskanuten weiter. Von der Württembergischen Sportjugend (WSJ) wurde die 26-Jährige gestern Abend als Vorbild 2009 ausgezeichnet.
Zurzeit ist eigentlich nicht gerade die Saison für das Paddeln. Doch langweilig wird es Bärbel Fischer, der Jugendleiterin des Kanuclubs CJD Kaltenstein Vaihingen, nicht. Die Kinder und Jugendliche müssen bei der Stange gehalten werden. „Wenn wir im Winter ein halbes Jahr Pause machen würden, wäre das nicht gut“, sagt die Vaihingerin. Also geht es auch in der kalten Jahreszeit auf das Wasser – allerdings auf das überdachte Wasser des Hallenbads. Große Strecken werden dabei nicht gefahren – das lassen die Platzverhältnisse nicht zu. Stattdessen legt man den Fokus auf Kleinigkeiten. „Vieles findet im Nichtschwimmerbereich statt, da wir Trainer daneben stehen können. Die Anfänger gewöhnen wir an das Boot, Fortgeschrittene arbeiten an ihrer Technik wie zum Beispiel an der Eskimorolle“, berichtet die studierte Apothekerin. Immer wieder geht es mit den Nachwuchskanuten auch auf große Fahrt. Im Winter lässt man aber die Boote im Schuppen im Vaihinger Schloss. Stattdessen vergnügt man sich beispielsweise in der Heilbronner Kletterarena oder im Neckarsulmer Aquatoll.
Im Sommer steht das wöchentliche Training auf der Enz an sowie Ausfahrten an die Iller ins Allgäu oder in die Schweiz, um unter harten Wildwasserbedingungen den Sport auszuüben. „Die Enz ist für Wildwasserfahrten einfach nicht geeignet“, sagt Fischer. Allerdings könne man nicht von Vaihingen nach Roßwag paddeln. Dazu sei die Strömung zu stark.
Ihre Arbeit mit den Jugendlichen hat die Jury, in der unter anderem Volleyball-Rekordnationalspielerin Renate Riek-Bauer, der WSJ-Vorsitzende Uwe Gerstenmaier, Kultusstaatssekretär Georg Wacker, der Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg Peter Schneider, SWR-Hörfunk-Sportchef Andreas Wagner und der Sportjournalist Klaus Schlütter sitzen, überzeugt. In einer Pressemitteilung heißt es: „Bärbel Fischer zählt nach Ansicht der Jury in der Kategorie Jugendleiter unter anderem deshalb zu den drei Gewinnern, weil sie im Umgang mit den Kindern und Jugendlichen geduldig und motivierend ist. Sie achtet das Individuum, dennoch verliert sie nie aus dem Blick, dass sich die Sportart Kanu in der Gruppe abspielt.“
Fischer weiß aber, wem sie die Auszeichnung zu verdanken hat: „Wäre Wolfgang Nagel nicht gewesen, wäre es nichts mit dem Preis gewesen.“ Der Übungsleiter des Kanuclubs Vaihingen und seine Lebensgefährtin Sabine Weihrich haben Fischer nicht nur beim WSJ vorgeschlagen, Nagel „gibt uns immer wieder Ideen und hat alle bisherigen Aktivitäten initiiert“ (Fischer). Insgesamt ist die Vaihingerin eine von neun Personen in den Kategorien Übungsleiter, Jugendleiter sowie Betreuer, Helfer und Mitarbeiter geehrt wurde.
Gestern Abend erhielt sie die Trophäe Victory und einen Warengutschein in Höhe von 1000 Euro für ein bekanntes Sporthaus in Stuttgart aus den Händen des Torwarts von Fußball-Bundesligist 1899 Hoffenheim, Timo Hildebrand. Irgendwie wäre Bärbel Fischer die beste Kanutin Deutschlands, Birgit Fischer, wohl lieber gewesen. Aber die Vaihingerin schränkt gleich ein: „Wenn ich ihr gegenüberstehen würde, wüsste ich auch nicht, was ich sie fragen sollte. Solche Situationen wirken immer so gekünstelt.“
Dafür hat sie schon einige Vorstellungen, was sie sich von dem Warengutschein gönnen möchte. „Ich besitze noch nicht einmal mein eigenes Paddel“, erzählt die 26-Jährige. „Es wäre schön, sich sein eigenes hochwertiges aus Karbon oder Glasfaser zu gönnen.“ Auch eine neue Paddeljacke könnte sie gebrauchen. Und auch der Verein soll nicht zu kurz kommen. Fischer: „In Kürze steht der Bootshausputz an. Da checken wir alle Boote, Helme und Schwimmwesten. Spätestens da wird sich etwas ergeben.“
