Vaihingen (aa) – Fällt das Nordic Walking aus?“, fragen einige Anrufer bei der Vaihinger Kreiszeitung an. Es fällt natürlich nicht aus. Vaihingen und die Region bewegen sich auch bei schlechtem Wetter. Und gar so mies sind die äußeren Bedingungen am Mittwochabend dann doch nicht. Wenigstens bleibt es von oben her trocken.
Kurt Haubennestel ist happy. So viele Leute hatte der Nordic-Walking-Übungsleiter des TV Vaihingen noch nie um sich versammelt. 43 Namen stehen auf der Anmeldeliste des Angebots im Rahmen der Aktion „Vaihingen bewegt sich“. Haubennestel musste noch schnell nach Assistenten – Iris und Boris – suchen, denn bei der Masse würde er sonst den Überblick verlieren.
Treffpunkt hinter der Vaihinger Mühle in der Enzgasse. Sämann Sport hält Stöcke parat. Man kann ja nicht erwarten, dass sich alle Kursteilnehmer gleich das komplette Equipment gekauft haben. Was ist Nordic Walking? Einfach ausgedrückt: Eine Ausdauersportart, bei der Gehen durch den Einsatz von zwei Stöcken im Rhythmus der Schritte unterstützt wird. Skilangläufer in Skandinavien haben den Sport als Sommertraining erfunden. Seit rund zehn Jahren boomt Nordic Walking, das 1997 in Finnland als eigenständige Sportart vorgestellt wurde, in Deutschland.
Auch untrainierte Menschen können Spaß daran haben. Es ist ein Sport, der sich für jedes Wetter, jede Jahreszeit und jedes Gelände eignet. Nordic Walking ist relativ leicht zu lernen und erfordert nur geringe Investitionen in die Ausrüstung.
Ein paar Tipps zum richtigen Schuhwerk. Gedämpfte Schuhe sollten es schon sein, meint Haubennestel. Die Sohle müsse vor allem biegsam sein. Bequeme Klamotten empfiehlt Boris, am besten Funktionskleidung. Und man solle sich der Jahreszeit entsprechend anziehen, rät Haubennestel, der im warmen Anorak gekommen ist und im Winter auf die Handschuhe nicht verzichten will. Was ist bei den Stöcken zu beachten? 0,66 mal Körpergröße wird als Länge empfohlen. Macht bei einem ein Meter fünfundsiebzig großen Menschen eine Länge von 1,15 Meter aus. Es gibt auch Teleskopstöcke, die auf die Körpergröße eingestellt werden können. Generell sollten die Stöcke lieber zu kurz als zu lang sein. Man bekommt sie im Fachhandel ab etwa 40 Euro aus verschiedenen Materialien (Glasfaser-Carbon oder Alu).
Warum brauchen die Stöcke Schlaufen? Das hat schon einen tiefen Sinn: Wenn der Arm nach hinten schwingt, soll die Hand geöffnet werden. Durch die Schlaufe wird verhindert, dass der Stock zu Boden fällt. Das Öffnen der zuvor geschlossenen Hand erzeugt einen Muskel-Pumpeneffekt… Doch das ist am ersten Abend noch etwas viel.
„Es muss immer ein Fuß am Boden sein, der Fuß muss über seine ganz Länge abgerollt werden, die Arme müssen gestreckt sein...“, erzählt Kurt Haubennestel. Alles klar? Die Gruppe friert inzwischen am Enzufer. Ein kurzes Aufwärmen kommt allen gelegen.
Ins Gelände geht es heute noch nicht. An Jugendhaus und Kläranlage vorbei marschiert man in Richtung Tierheim. „Ganz normal gehen und die Stöcke nach hinten schleifen lassen“, rät Haubennestel. Dann die Arme mitschwingen, die richtige Schrittfolge finden und in den Rhythmus kommen. „Manche haben schon Schwierigkeiten, nicht in den Passgang zu verfallen“, erzählt der Trainer aus langer Erfahrung. Wer gedient hat, kann ein Lied davon singen. Linker Fuß und linke Hand führen zu einem Kamelgang.
Es wird heftig geübt und mit den Stöcken gekämpft. Passgänger sieht man aber nicht. Iris und Boris korrigieren, achten auch darauf, dass Schutzkappen an den Stockspitzen nicht verkehrt rum sitzen. Noch ein paar Dehnübungen zum Abschluss. „Bis nächsten Mittwoch um halb sechs, da ist das Wetter besser und es wird auch nicht so bald dunkel“, verspricht und weiß Kurt Haubennestel. Zumindest in Sachen Dunkelheit hat er sich nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt. Die Sommerzeit macht es möglich.
„Aktiv und fit in der Region“ ist eine Aktion der VKZ, der Krankenkasse Barmer, Intersport Sämann und des Gesundheitszentrums Sportschule Scheiber, in Zusammenarbeit mit dem TV Vaihingen.
