Freitag, 25. Mai 2012

Staudt: „Im Fußball ist jeden Samstag Quartalschluss“




Staudt: „Im Fußball ist jeden Samstag Quartalschluss“
VfB-Präsident Erwin Staudt war im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Schule trifft Wirtschaft“ zu Gast in Bietigheim-Bissingen

Bietigheim-Bissingen (kh) – Fußball weckt Emotionen. Diese gilt es zu vermarkten – im Grunde genommen ist auch Fußball-Bundesligist VfB Stuttgart ein Unternehmen. VfB-Präsident Erwin Staudt war im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Schule trifft Wirtschaft“ zu Gast im Beruflichen Schulzentrum Bietigheim-Bissingen und gewährte seinen rund 300 Zuhörern einen Blick hinter die Kulissen.

Gespannt blickten die über 300 Gäste auf die Leinwand, wo Bilder an die emotionale Meisterfeier des VfB Stuttgart im Jahr 2007 erinnerten. Fußball begeistert Menschen auf der ganzen Welt, doch ist Erfolg planbar? Dieser Frage ging VfB-Präsident Erwin Staudt nach.
Der dreifache Familienvater war bis 2003 Vorsitzender der Geschäftsführung von IBM Deutschland, ehe er zum ersten hauptamtlichen VfB-Präsidenten gewählt wurde. Die Professionalisierung der Vereinsführung des VfB wäre ein wichtiger Schritt gewesen, denn für die Leitung eines großen Fußballvereins reiche schon lange kein Freizeitengagement mehr. „Wer mit mehreren Millionen Euro jährlich hantiert, der ist ein richtiges Unternehmen.“
Der Präsident war ganz froh, mit einem Sieg in der Bundesliga (2:1 gegen Dortmund) angereist zu sein. Denn laut ihm sind Wochen der Niederlagen die härtesten in seinem Geschäft. „Im Fußball ist jeden Samstag Quartalschluss. Wir haben an jedem Wochenende Druck. Ein Analyst einer Aktiengesellschaft hat nur am Ende eines jeden Quartals Stress“, so Staudt – die Überleitung zwischen Fußball und Wirtschaft war geglückt.
Immerhin gäbe es viele, die im Geschäft „Fußball“ mitsprechen wollen. Ob in der Schule, bei der Arbeit oder im Musikverein – über 51 Millionen Deutsche haben eine Fußball-Affinität.
Kaum ein Unternehmen könne von solchen Zahlen sprechen. „Fußball weckt Emotionen. Diese gilt es zu vermarkten“, hatte Schulleiter Stefan Ranzinger bereits in seiner Einleitungsrede erwähnt. Die Vereinsführung des VfB hat sich dies als Aufgabe gemacht. „Durch die emotionalen Bindungen, die unsere Fans an die Mannschaft und an den Verein haben, können wir diese glücklich machen. Das ist unser Ziel“, so Staudt.
Professionell zeigt sich das Großunternehmen vor allem in der Fanpolitik. Die Einführung der VfB-Fancard und von VfB-TV erleichtert den Anhängern eine Identifikation mit dem Club. Auch der Mitgliederanstieg auf über 45000 zeigt einen Aufwind des Unternehmens „VfB“. Der Umbau der Mercedes-Benz-Arena, der in diesem Sommer starten wird, ist ein weiterer Schritt in die Zukunft.
Der VfB als treibende Wirtschaftskraft im mittleren Neckarraum entwickelt sich. Mit über einer Million Klicks im Monat auf der Homepage hat der VfB einen unglaublich hohen Werbeeffekts für die Region Stuttgart. Staudt: „Wenn man die Kosten für Zeitungsanzeigen, Radiowerbung und sonstigen Organe für Werbung zusammenzählt, die man bräuchte um so effektiv zu werben, wie wir es tun, dann bräuchte man einen Jahresetat von 53 Millionen Euro.“
Der VfB nutzt diesen Gesellschaftseinfluss: „Wir sind am kulturellen Leben in Baden-Württemberg beteiligt.“ Das Unternehmen war Teilnehmer des Stuttgarter Kulturgipfels, der unter anderem mit dem Stuttgarter Ballett und dem Staatstheater veranstaltet wurde.
Zudem betreue der VfB Integrations- und Präventionsprojekte. „Kicken und lesen“ soll zum Beispiel junge Kinder mit Migrationshintergrund an die deutsche Sprache heranführen. „Wir wollen, dass es uns gut geht, deshalb brauchen wir eine Gesellschaft, der es gut geht.“
Wenn in einem Unternehmen alles stimmt und von der Spitze bis ganz nach unten sorgfältig gearbeitet wird, bleibt der Erfolg meist nicht fern. Im Jahr 2007 war der VfB Stuttgart dieser perfekten Mischung sehr nahe. Alles lief optimal: Der VfB Stuttgart wurde zum fünften Mal Deutscher Meister. Tausende Fans feierten mit. Staudt: „Da haben wir unser Ziel erreicht – wir haben der Umwelt eine schöne Zeit beschert.“




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