Kleinglattbach (ev) – Der SV Iptingen geriet gestern beim Gastspiel in Kleinglattbach ins Stolpern. 3:0 siegte der TSV am Ende und brachte dem SVI somit die zweite Niederlage in dieser Runde bei. Damit hat sich wieder einmal bewahrheitet, was in der Saison 2007/2008 bereits öfter zu lesen war: der TSV Kleinglattbach ist die Wundertüte der Liga.
Die Vorzeichen für einen Kleinglattbacher Sieg standen allerdings nicht sehr gut, auch wenn die Elf in dieser Runde schon mehrmals für eine Überraschung gut war. Kleinglattbach stand vor dem Spieltag auf Rang 9 – auf Tuchfühlung mit den Abstiegskandidaten. Der SV Iptingen rangierte mit bisher nur einer Niederlage souverän auf Platz 2. Was sollte also schief gehen, wenn selbst Kleinglattbachs Trainer Michel Rother vor dem Spiel sagte: „Iptingen ist der klare Favorit. Wir wollen heute solange wie möglich die Null hinten stehen haben und einen Punkt holen.“
Seine Taktik dafür: hinten reinstellen und kontern. Kein Wunder also, dass Rother vier Spieler in die Abwehr beordert und nur einen Mann für den Sturm abstellte.
Von Beginn an hielt sein Team die Vorgaben ein, auch wenn Iptingen über weite Teile spielerisch mehr von der Partie hatte und vor allem ballsicherer war. Zum Torschuss kamen die Gäste zunächst aber erst einmal nicht, denn der TSV kämpfte, ging aggressiver zu Werke – und konterte. So auch in der 11. Minute. Über zwei, drei Stationen kam der Ball zu Spielführer Marc Hahn. Der haute den Ball freistehend in die Maschen. Es war insgesamt der erste Schuss aufs Tor in diesem Spiel.
Auch in der Folgezeit änderte sich nichts am Spielverlauf: Kleinglattbach stand tief, Iptingen biss sich die Zähne aus und Torschüsse blieben Mangelware. Oder wie SVI-Trainer Wolfgang Schenkel es ausdrückte: „Es war Sommerfußball par excellence. Wir sind nicht genug gelaufen und haben nicht ausreichend gekämpft.“
In der 36. Minute konterte Kleinglattbach wieder. Nach einer Unachtsamkeit in Iptingens Abwehr erhöhte Alexander Stierl auf 2:0. Iptingen war in Hälfte 1 nur nach Standardsituationen gefährlich. Die größte SVI-Chance hatte Steffen Glauner. Nach einem Stellungsfehler von Kleinglattbachs Schlussmann Jan Wennagel schoss er am langen Pfosten vorbei.
Das Spiel wurde gegen Ende immer aggressiver
Als die Mannschaften aus den Kabinen kamen, wirkte SVI-Trainer Schenkel nicht gerade gut gelaunt. „Ich habe einiges in der Pause angesprochen“, meinte er. Iptingen war nun tatsächlich engagierter bei der Sache. „Hoffentlich erzielen die jetzt nicht den Anschlusstreffer, sonst wird es gefährlich“, brummte manch ein TSV-Anhänger bereits ängstlich vor sich hin, doch die Sorge war unbegründet: Der SV Iptingen nutzte seine Chancen nicht. Selbst ein Elfmeter brachte den Gästen nichts ein. Rainer Seidler stoppte Eftal Cebeci mit unerlaubten Mitteln im Strafraum und Schiedsrichter Rainer Riedl (Gruppe Böblingen) zeigte zu Recht auf den Elfmeterpunkt. Der Gefoulte versuchte es selbst – und verschoss.
Iptingen war im zweiten Abschnitt zwar überlegen und hatte die besseren Chancen („Wir hätten noch zehn Jahre spielen können und kein Tor geschossen“, so Schenkel), doch auch die Gastgeber hatten immer wieder gute Kontermöglichkeiten. Die größte Chance zum 3:0 hatte Costa Effrosinidis in der 67. Minute.
Das Spiel wurde gegen Ende immer aggressiver. Fouls, Provokationen, Verletzungspausen, Gelbe Karten und tumultartige Szenen häuften sich auf beiden Seiten zunehmend.
Erst 60 Sekunden vor dem offiziellen Spielende kam wieder Ruhe ins Spiel, denn da tanzte Alexander Stierl Torwart Alexander Ulm aus und flankte. Ein Iptinger versuchte zu klären, doch der Ball kam wieder zu Stierl – 3:0. In den vier Minuten Nachspielzeit, die trotz Protestrufe, aufgrund der vielen Unterbrechungen berechtigt war, passierte nichts mehr.
Und nach Spielschluss blieb nur noch eine Frage: Ist die Meisterschaft damit etwa schon entschieden? Iptingen ist immer noch Zweiter, doch Gündelbach hat den Vorsprung weiter ausgebaut. „Seit der Winterpause bin ich mit unserer Leistung eigentlich nicht mehr zufrieden“, sagte Trainer Schenkel. Wahrscheinlich seien seine Spieler aufgrund der guten Leistung einfach zu selbstsicher. Doch seiner Meinung nach ist das Titelrennen noch nicht entschieden: „Ich glaube nicht, dass eine Mannschaft mit nur einer Niederlage Meister werden kann.“ Er spielt damit auf den FC Gündelbach an, der nur ein Spiel verloren hat. Nächste Woche spielt Kleinglattbach gegen den Spitzenreiter – man darf gespannt sein, was dann in der Wundertüte drin ist.
TSV Kleinglattbach: Wennagel – Stierl, Josephy, Duldner (90. Basic), Seidler, Fink, Di Grigoli, Tricarico, Kullmann, Effrosinidis (84. Morlock), Marc Hahn (88. Gutjahr).
SV Iptingen: Ulm – Keller (46. Bach), Andreas Gerhard, Glashauser, Dertinger, Rapp, Schreder (65.Stefan Gerhard), Glauner, Cebeci, Michael Knödl, Heiko Knödl (60. Bichler).
