Freitag, 25. Mai 2012

Wohin führt die SG-Auflösung?


Vaihingen (ev) – Bei der Hauptversammlung hat der SV Illingen beschlossen, die Handballspielgemeinschaft mit dem TV Vaihingen aufzulösen (wir berichteten). Den Fragen, welche Auswirkung die Auflösung auf den Handballsport hat und wie Spielgemeinschaften grundsätzlich zu bewerten sind, ist die VKZ auf nachgegangen.

Hanspeter Kurz, Vorsitzender des Handballbezirks Enz-Murr:
Ich habe so etwas noch nie erlebt und ich finde es sehr ärgerlich, denn es gibt nur eine Person, die immer gegen die SG Vaihingen-Illingen gekämpft hat. Momentan hat sie ihr Ziel erreicht, aber ich werde die SG-Verantwortlichen unterstützen, um noch eine Lösung zu finden. Auf jeden Fall ist es nicht schön, wie die Sache abgelaufen ist. Die SG war erfolgreich. Dafür gab es Auszeichnungen und zwei Jugendmannschaften haben Titel geholt. Es gab keinen Grund, die SG aufzulösen. Wir hätten auch die finanziellen Bedenken beseitigt. Der Handballsport wird durch die Trennung sicherlich einen Verlust erleiden. Vor allem die Jugend wird mager besetzt sein. Zusammen war die SG stark.
 
Hans Schuster, Handballtrainer des TSV Oberriexingen:
Ich persönlich halte eine Spielgemeinschaft grundsätzlich für schwierig, denn langfristig wird es immer unterschiedliche Interessen geben. Ein weiterer Grund, der gegen eine SG spricht, ist, dass die Identifikation mit dem Verein verloren geht. Ich bin auch der Meinung, dass man nach einem solchen Zusammenschluss nicht auf mehr Spieler zurückgreifen kann. Wir haben auf jeden Fall keine Ambitionen, eine SG einzugehen. Bei uns läuft es gut, wir backen lieber kleinere Brötchen. Ich denke, dass der SV Illingen nun vor einem Neuanfang steht. Die werden im E-Jugend-Bereich von vorn anfangen, denn ich glaube nicht, dass sich die Mannschaften, die jetzt bestehen, auflösen werden.

Frank Blessing, Handballtrainer CVJM Enzweihingen:
Ich habe mit Erstaunen gelesen, dass sich die beiden Vereine wieder trennen. Ich selbst stehe einer Spielgemeinschaft eher skeptisch gegenüber. Meist entsteht eine SG aus einer Notsituation heraus. Da sind Probleme vorprogrammiert. Außerdem lebt der Handball von den Emotionen und der Bindung zum Ortsverein, was bei einem Zusammenschluss aufgeweicht wird. Andererseits halte ich Spielgemeinschaften im Jugendbereich für sinnvoll. Der CVJM Enzweihingen war selbst einmal kurz davor, eine JSG mit Flacht einzugehen. Man muss die Jugend beim Handball halten. Bei den Aktiven dagegen gibt es einfach andere Befindlichkeiten, wie man jetzt gesehen hat. Als Außenstehender scheint die gewählte Vorgehensweise fragwürdig zu sein. Die Jugend der SG Vaihingen-Illingen tut mir jetzt leid. Da werden bestimmt einige Jugendliche wegbrechen, wenn die Sache nicht schnell geklärt wird.

Timo Schön, Geschäftsstellenleiter der SG Bietigheim-Metterzimmern:

Die SG Bietigheim-Metterzimmern wurde 1997 gegründet. Am Anfang gab es wohl auch Skeptiker, aber erst vor Kurzem wurde die SG um den männlichen Teil der SpVgg Bissingen erweitert. Nächstes Jahr kommt auch der weibliche hinzu. Skepsis ist normal, denn zuvor waren die Vereine ja jahrelang Konkurrenten und die Spieler standen sich in heißumkämpften Lokalderbys gegenüber. Für eine SG ist es prinzipiell wichtig, dass die Basis dahinter steht und das sich alle beteiligten Vereine wiederfinden, das heißt, die Aufgaben gleich verteilt sind. Dann fällt auch die Identifikation mit einer SG leichter. Wenn wir heute zurückdenken, dann kann man sagen, dass der Weg, der hier vor zehn Jahren eingeschlagen wurde, der richtige war.


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