SV Illingen kündigt Spielgemeinschaft mit TVV
Illingen (ev) – Bei der Hauptversammlung des SV Illingen am Freitag wurde beschlossen, dass die Handballspielgemeinschaft zwischen dem SVI und dem TV Vaihingen zum Jahresende aufgelöst wird. Die SG selbst war von diesem Entschluss völlig überrumpelt und fühlt sich hintergangen.
„Die Vorwürfe der SG-Gegner kurz zusammengefasst: die SG Vaihingen-Illingen sei zu teuer und zu viele Vaihinger würden die Illinger Sportstätten nutzen. Insgesamt sei der Nutzen der SG für den SVI zu gering“, berichtet Martin Witte-Gutjahr, 2. Vorsitzender der SG Vaihingen-Illingen von der Hauptversammlung. Er ist immer noch schockiert, genauso wie Ingrid Göbgen, die 1. Vorsitzende der SG. Ihre Sprachlosigkeit haben die beiden mittlerweile überwunden, erbost sind sie aber immer noch, denn die Anträge, die SG aufzulösen, kamen für die beiden völlig überraschend.
Am Freitagabend bei der Hauptversammlung des SV Illingen wurden zwei Anträge eingereicht, mit dem gleichen Ziel: die Auflösung der SG. Einer stammte von der SVI-Abteilung „Fitness und Gesundheit“, der zweite kam offenbar aus den Reihen der Handballabteilung. „Von den Anträgen wussten wir nichts. Die SG-Handballer wurden nicht informiert und übergangen“, sagt Martin Witte-Gutjahr. „Ich fühle mich völlig überrumpelt. Solch ein Vorgehen ist unfair“, so Witte-Gutjahr weiter.
Von den Antragstellern, sofern bekannt, gab es keine Stellungnahmen. So auch nicht von Doris Müllner, Abteilungsleiterin der Sparte „Fitness und Gesundheit. „Der Vorstand arbeitet gerade an einer Stellungnahme. Dieser will ich nicht vorgreifen.“
Wer den Antrag der Handball-Abteilung unterschrieben hat, ist nicht bekannt. Auch Roland Mannhardt, bis vergangenen Freitag Vorsitzender des Vereins und Ehrenabteilungsleiter der SVI-Handballer, schweigt: „Ich gebe keinen Kommentar ab. Das wäre nur eine weitere Provokation, es wird aber eine Pressemitteilung zu diesem Thema geben.“ Dass er nicht mehr als SG-Vorsitzender kandidierte, kam nicht überraschend, da er dies vor einem Jahr bereits angekündigt hatte.
Die Mehrheit für die Auflösung war groß. 79 stimmten bei der Hauptversammlung dafür, nur zehn dagegen (bei acht Enthaltungen). Für Ingrid Göbgen und Martin Witte-Gutjahr kein Wunder. „Da wir nicht informiert worden sind, waren kaum Befürworter der SG vor Ort. Ich habe mich ebenfalls nicht entsprechend vorbereiten können und konnte die aufgeführten Argumente nicht nachhaltig mit Fakten entkräften. Außerdem ist die Sachlage völlig verzerrt dargestellt worden“, sagt Witte-Gutjahr. „Zum Beispiel stimmt es einfach nicht, dass sich der TVV nicht an den Hallenkosten beteiligt“, stellt Göbgen klar.
Aufgeben wollen die Handballer die SG allerdings noch nicht. „Wir prüfen gerade alle Möglichkeiten“, sagt der 2. Vorsitzende. Laut Göbgen könnten verschiedene Wege eingeschlagen werden. „Wir können versuchen, den Beschluss rückgängig zu machen.“ Doch wie die Zusammenarbeit mit dem Illinger Hautpverein dann noch funktionieren würde, sei fragwürdig. Die Gründung eines neuen Vereins sei ebenfalls eine Überlegung wert. „Wir planen alles durch und dann werden wir die Mitglieder befragen, was die überhaupt wollen“, so Göbgen. Sollten ihre Bemühungen keinen Erfolg haben, läuft der SG-Vertrag zum 31. Dezember aus. Bis zum Ende der Hallensaison (April 2009) werden die Mannschaften aber noch gemeinsam an den Start gehen.
Wie es dann weitergeht, steht in den Sternen. „Mit entscheidend ist, wie viele Spieler den Vereinen erhalten bleiben und wie viele sich einen neuen Club suchen“, so Witte-Gutjahr. Schon in der nächsten Wechselperiode bestünde wegen dieser Situation die Gefahr, dass einige Spieler die SG verlassen.
Nach dem momentanen Stand würden die Vaihinger Handballer vermutlich noch fast alle Altersklassen besetzen können, würden auch ein Frauen- und Herrenteam stellen können. Die Illinger müssten sich wahrscheinlich mit einer Damenmannschaft und zwei, drei Jugendteams begnügen. Zusammen stellt die SG gerade vier aktive Teams. Außerdem sind alle Jugendklassen besetzt. Dafür gab’s vor Kurzem sogar einen Preis. „Das Sportliche hat bei diesem Entschluss aber keine Rolle gespielt. Da ging’s um persönliche Eitelkeiten und falsch verstandenen Patriotismus“, murrt Witte-Gutjahr.
Doch unter Umständen gibt es die SG gar nicht mehr bis 2009, denn das Budget für die Saison 2008/2009 ist noch nicht bewilligt. Der TVV hat seinen Teil des Etats bereits im vergangenen Oktober durchgewunken, dem SVI war sein Anteil von 8500 Euro zu viel. „Wenn das Geld nicht bewilligt wird, wird es keinen Spielbetrieb mehr geben. Wir haben Verpflichtungen gegenüber Trainer und dem Verband. Das zieht einen Rattenschwanz hinterher, an den ich noch gar nicht denken möchte“, so Witte-Gutjahr. „Allerdings würde das vom Verband eine saftige Strafe nach sich ziehen“, ergänzt Göbgen und ob das dem SVI die Sache wert sei? Die Verhandlungen zwischen SG und SVI in den letzten Wochen wären friedlich verlaufen. „Ich hatte das Gefühl, dass wir bald zu einem Abschluss kommen“, erklärt die 1. Vorsitzende.
Nun stehen die Handballer vor einer ungewissen Zukunft. Eins ist aber klar, sollte die Entscheidung so bestehen bleiben, stehen TVV und SVI ab 2009 wieder vor den gleichen Problemen, die 2006 zum Zusammenschluss geführt haben.
