Freitag, 25. Mai 2012

Anpfiff – der Weg zum Schiedsrichter


Ein Schiedsrichter braucht viele Sachen.
Die Accessoires, die ein Schiedsrichter braucht, hat die VKZ-Redakteurin. ev

Kann es denn wirklich so schwer sein, Schiedsrichter zu werden? VKZ-Redakteurin Eva Wirth hat sich gewundert, warum es immer weniger Unparteiische gibt und geht der Frage in einem Selbsttest nach. Den Schiedsrichter-Neulingskurs und die dazugehörige Prüfung hat sie bereits hinter sich gebracht.
„Hast du dein erstes Spiel schon gepfiffen?“ Fast täglich wird mir diese Frage gestellt. Dann muss ich aber den Kopf schütteln, denn noch steht mein Premieren-Auftritt im schwarzen Dress aus. Eigentlich hätte ich am vergangenen Wochenende meinen ersten Einsatz gehabt, am 14. April wäre der zweite gewesen. Beide Spiele hatte ich bestätigt, doch sowohl das D-Junioren-Spiel Kleinglattbach gegen Häfnerhaslach als auch das zweite Spiel in Sternenfels sind verlegt worden. Groß war die Enttäuschung, als die E-Mail von Schiedsrichter-Einteiler Eckhart Streckfuss in meinem Postfach lag.
Die nächsten beiden Aufträge (C-Juniorinnen in Nussdorf) und das verschobene D-Junioren-Spiel in Kleinglattbach musste ich absagen. Mittwoch und Donnerstag 18 und 18.30 Uhr – fast unmöglich da rechtzeitig aus der Redaktion zu kommen. Jetzt warte ich gespannt, bis die Stimme meines E-Mail-Postfaches sagt „Sie haben Post“ und damit keine Angebote von blauen Pillen meint.
Immerhin habe ich so noch Zeit, mir eine Stoppuhr zuzulegen. Ansonsten sind die Vorbereitungen für mein erstes Spiel schon abgeschlossen. Bei einer Schiedsrichter-Schulung nach dem Neulingskurs habe ich die wichtigsten Sachen besorgt. Gar nicht so leicht, vor allem wenn man eine Frau ist. Das weibliche Geschlecht tut sich ja bekanntlich beim Einkaufen so leicht, wie die SPD in Bayern.
Trotzdem bin ich recht strategisch an die Sache rangegangen. Was brauche ich? Klar, eine Pfeife sowie eine Gelbe und Rote Karte. Glücklicherweise musste ich das nicht alles einzeln kaufen. Es gibt nämlich Schiedsrichter-Sets. Doch für welches sollte ich mich entscheiden? Für das kleine oder das große? Nach längeren Gesprächen mit erfahrenen Kollegen habe ich das große Set genommen. Darin enthalten: 1 Sportpfeife Fox Classic, 1 Sportpfeife Fox Mini, 1 Metall-Schrilltonpfeife, 1 Schweißband, 1 neonrote und 1 neongelbe Disziplinarkarte, 5 Spielnotizkarten, 1 Wählmünze, 1 Stollenprüfer, 1 Kugelschreiber, 1 Bleistift, 1 Notizblock, 1 Quittungsblock. 28,95 Euro hat die 19 x 26 große schwarze Ledertasche mit Inhalt gekostet. Immerhin durfte ich die gelbe Pfeife gegen eine schwarze eintauschen.
Pfeifen, das habe ich an diesem Einkaufs-Abend gelernt, können sehr unterschiedlich sein, was ein Katalog demonstriert. Gelb, blau, rot, grau, weiß – es gibt keine Farbe, die eine Pfeife nicht haben kann. Bleibt die Frage, welcher Schiedsrichter verwendet eigentlich eine rosarote? „Ich benutze immer eine, die zu meinem Trikot passt“, erklärt mir einer meiner Kollegen. Die unterschiedlichen Farben, sind aber nicht alles, was man beim Pfeifen-Kauf beachten muss. Es gibt stromlinienförmige, wieder andere haben eine schall-optimierte Form. Ton und Lautstärke variieren ebenfalls sehr stark. Vor allem für Anfänger ist dies alles sehr verwirrend.
Die Pfeife habe ich aber schon, da sie im Set war, jetzt fehlt nur noch eins: das Trikot. Das offizielle Fifa-Trikot, das die Unparteiischen in der Bundesliga tragen, das aber auch oft auf den hiesigen Sportplätzen zu sehen ist, wäre nicht schlecht. Am besten in schwarz. Das sieht am gut aus. Da fällt mir ein, neulich beim Afrika-Cup habe ich Schiedsrichter in Fifa-Hemden, die grau waren und pinkfarbene Streifen hatten, gesehen. Da würde dann auch die rosa Pfeife dazu passen. Schnell verdränge ich diesen Gedanken, denn ich sehe den Preis. 43,95 Euro für ein Kurzarm-Hemd, 37,75 Euro für die Hose und 7 Euro für die Stutzen. Lohnt sich das, obwohl ich noch gar nicht weiß, ob die Schiedsrichterei was für mich ist? Mich juckt es ja in den Fingern, einfach zuzuschlagen, doch ausnahmsweise bleibe ich beim Einkaufen mal vernünftig.
Mein Arbeits- und Schiedsrichterkollege Walter Buck bietet mir an, mir ein Trikot, aus dem er „rausgewachsen“ ist, zu leihen. Es ist zwar kein Fifa-Trikot, aber immerhin schwarz. Die Ärmel sind ein bisschen zu lang, aber es steht mir eigentlich recht gut, finde zumindest ich.
Damit habe ich eigentlich alles, nur die Uhr fehlt noch, aber dafür ist ja noch ein wenig Zeit. Jetzt muss ich schnell mal gucken, ob in der Zwischenzeit eine E-Mail eingetroffen ist. Eine, die nicht für blaue Pillen wirbt, sondern mir endlich das Datum für mein erstes Spiel verrät. Eva Wirth


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