Freitag, 25. Mai 2012

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“


Am Wochenende findet in Aschaffenburg die Faustball-DM statt.
Bereits im vergangenen Jahr kämpften Marc Krüger und der TV Vaihingen bei der DM um eine Medaille. Foto: Archiv

Aschaffenburg (ev/rkf) – Der Überflieger der vergangenen Jahre, der TV Westfalia Hamm, hat sich nicht für die deutsche Faustballmeisterschaft in Aschaffenburg (8./9. März) qualifizieren können. Der Weg für einen neuen Titelträger ist also frei. Kenner der Faustball-Szene favorisieren in diesem Jahr unter anderem den TV Vaihingen.
Die deutschen Hallenmeisterschaften der Herren finden am kommenden Wochenende in Aschaffenburg statt. In der f.a.n. frankenstolz-arena werden die jeweils drei Erstplatzierten der 1. Bundesliga Nord beziehungsweise Süd den neuen Titelträger des Herren-Faustballs ausspielen.
Sechsmal war der TV Vaihingen bereits bei den deutschen Meisterschaften. Fünfmal (2003 bis 2007) in der Halle und einmal auf dem Feld (2007). Mit dem Ziel, eine Medaille zu gewinnen, hat es bisher aber nie geklappt. In Aschaffenburg ist Vaihingen nicht nur ein Kandidat für das Treppchen, sondern auch für den Titelgewinn. „Neben dem TK Hannover ist Vaihingen für mich der große Favorit“, sagt zum Beispiel Ulrich Meiners, der Präsident der Deutschen Faustball-Liga.
Der TV Vaihingen will eine Medaille gewinnen
Die Vaihinger dagegen stapeln selbst etwas tiefer: „Wir wollen ins Halbfinale und eine Medaille gewinnen“, gibt Kolja Meyer vom TVV die Zielsetzung bekannt. Die Chancen sind da, denn der TV Westfalia Hamm, der den Titel in den vergangenen vier Jahren gewann, verpasste als Fünfter der 1. Liga Nord die Qualifikation. „Die Gegner haben etwas nachgelassen und wir sind stärker geworden“, so Meyer.
Stimmt, denn nach der Rückkehr von Andreas Rothmaier und Michael Marx zur Feldrunde, ist in Michael Krauß ein weiterer Spieler der SpVgg Weil der Stadt zum TV Vaihingen gewechselt. Mit ihm im Angriff hat sich der TVV nochmals verstärkt. Auch in der Abwehr hat sich etwas getan. Daniel Wörsinger spielt, nach einer Saison beim NLV Stuttgart-Vaihingen, jetzt wieder für den TVV.
Auch Vaihingens Trainer Werner Blechschmidt, der den TVV bereits zweimal zu einer Hallen-DM begleitete, ist recht zuversichtlich. „Wir sind sicherlich nicht schlecht vorbereitet. Wir haben intensiv trainiert, sind von Verletzungen weitestgehend verschont geblieben und haben unsere Hausaufgaben für die DM gemacht“, sagt Blechschmidt. In den vergangenen Jahren sei der TVV ein bis zwei Schritte hinter den Top-Teams in Deutschland hergehinkt, in diesem Jahr sei die Mannschaft deutlich stärker „und das nicht aufgrund zusätzlicher Spieler, sondern wegen des ganzen Kaders, der intensiv im Training zusammenarbeitet“, so Blechschmidt.
Apropos Training: dort wurde viel Wert darauf gelegt, dass sich die Spieler schon jetzt mit der Halle in Aschaffenburg, beschäftigen. In der großen Halle werden sich einige Mannschaften umstellen müssen, weil anders als in Turnhallen keine Wand ins Spiel einbezogen werden kann. „Wer sonst viele Bälle in Richtung Wand spielt, muss sich umstellen“, sagt Ulrich Meiners, der auch zugibt, dass es vielen nicht gefällt, in einer ganz offenen Halle zu spielen. Das sei dann nämlich fast wie Feld-Faustball. „Wir haben mit Hindernissen, wie zum Beispiel der Tribüne, versucht, die Auslaufmöglichkeiten der Abwehrspieler zu simulieren“, sagt der Illinger Marco Lochmahr.
So weit, so gut. Die Vaihinger sind gut vorbereitet. TVV-Spieler Michael Marx geht sogar so weit, zu sagen, dass diese Mannschaft die beste ist, die Vaihingen je hatte und sein Team-Kollege Andreas Rothmaier vervollständigt den Satz: „Der TVV holt den Titel, weil...“ folgendermaßen: „wir bis in die Haarspitzen motiviert sind und es jetzt an der Zeit ist. Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Doch auch die anderen Teilnehmer der Faustball-DM sind nicht zu unterschätzen.
Aus dem Süden haben sich neben Vaihingen, die Offenburger FG und der TV Waibstadt für die DM qualifiziert. Im Norden sind die DM-Fahrkarten an TK Hannover und den äußerst starken Aufsteiger MTV Hammah und den Ahlhorner SV vergeben. „Das Teilnehmerfeld liegt eng zusammen und es kann nahezu jeder jeden schlagen“, sagt auch Marco Lochmahr.
In der Vorrunde muss sich der TVV erst einmal mit den Mannschaften Ahlhorn (Niedersachsen) und Offenburg (Bayern) auseinandersetzen. Der Ahlhorner TV wurde in der Nord-Liga Zweiter. Der Ahlhorner Sportverein gehört mit 34 am Punktspielbetrieb beteiligten Mannschaften zu den größten Faustballvereinen in Deutschland und die Männer haben die Möglichkeit, nach 1984 erstmals wieder Männer- und Frauen-Titel in einen Ort zu holen. Die Damen haben ihren Beitrag in Bretten vor einer Woche bereits geleistet.
„Offenburg ist immer ein unangenehmer Gegner“, sagt Ulrich Meiners. Die Vaihinger haben mit dieser Mannschaft schon ihre Erfahrungen gemacht, denn Offenburg ist das einzige Team, gegen das der TVV in der Süd-Liga ein Spiel verloren hat.
„Offenburg ist definitiv mit uns auf Augenhöhe und kämpferisch wie auch technisch sehr stark. Die Mannschaft des Ahlhorner SV ist sehr kompakt und routiniert. In beiden Begegnungen treffen wir auf Teams, deren Spielanlage uns nicht unbedingt entgegen kommt“, so Blechschmidts Erkenntnisse. „Die Spieler werden physisch und psychisch in der Vorrunde an ihre Grenzen gehen müssen, um unser Etappenziel am Samstag – das Halbfinale am Sonntag – zu erreichen.“
Trainer Blechschmidt wäre es im Nachhinein doch lieber gewesen, wenn sein Team das eine oder andere Punktspiel nicht so deutlich gewonnen hätte. „Viele unserer Gegner haben gar nicht ihre Chance im Spiel gegen uns gesucht und uns so relativ leicht zum Erfolg kommen lassen.“ Nun würden dem TVV-Team einfach die Probeläufe während der Bundesligarunde fehlen, um zu wissen, wie fit es wirklich ist.
Doch was wird die Vaihinger sonst noch erwarten? Die Halle in Aschaffenburg hat fast 4200 Plätze. Da wird der eine oder andere Vaihinger doch etwas ungeduldig. „Meine Aufregung steigt von Tag zu Tag. Schon beim Gedanken an die DM fängt es an zu kribbeln und ich bekomme teilweise feuchte Hände“, berichtet Andreas Rothmaier. Das Kribbeln und die Aufregung beim Gedanke an ein Finale vor einer großen Kulisse motiviere ihn noch mehr.
Die Kulisse wird also vorhanden sein und für Spannung wird auch gesorgt. Gespielt wird nämlich auf vier Gewinnsätze. Auch die kürzeren Sätze bis elf werden sich belebend auswirken.


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