„Der Jabulani fliegt wie ein Fünf-Euro-Ball“
11/06 2010
„Der Jabulani fliegt wie ein Fünf-Euro-Ball“
Roßwag (nac). Noch bevor er richtig auf der Bildfläche erschienen war, hagelte es bereits Kritik: der offizielle Spielball der Fußball-Weltmeisterschaft Jabulani. Beim Test mit den A-Liga-Spielern des FV Roßwag fällt das Fazit unterschiedlich aus. Den Offensivkräften Manuel Gayer und Marcel Seyb würde es Spaß machen, damit zu spielen. Torwart Salvatore Rivarolo steht ihm skeptisch gegenüber.
„Furchtbar“, „schrecklich“, „ein Desaster“ – die Worte, die viele Fußball-Profis für den Spielball der WM in Südafrika, den Jabulani von Adidas, gefunden haben, sind nicht schmeichelhaft. Gianluigi Buffon (Juventus Turin), immerhin viermal Welttorhüter des Jahres, urteilt noch schärfer: „Ich glaube, dass es eine Schande ist, ein so wichtiges Turnier mit solch einem Ball zu spielen.“ Die VKZ wollte es wissen und ließ einen Ball von den A-Liga-Fußballern des FV Roßwag, Torwart Salvatore Rivarolo, die Offensivkräfte Manuel Gayer und Marcel Seyb sowie Trainer Martin Grözinger, testen.
Die gute Nachricht für alle Torhüter: Die Oberfläche des Jabulani ist sehr griffig. Rivarolo: „Wenn ich ihn zu fangen bekomme, ist es kein Problem.“ Die schlechte Nachricht für alle Torhüter: Es lässt sich schwer einschätzen, wie der Jabulani fliegt. Der offizielle Spielball der WM 2010 in Südafrika flattert. Das heißt, seine Flugbahn ist nicht eine gerade Linie oder ein gleichmäßiger Bogen. Sie ist eher mit einer Wellenlinie zu vergleichen. Und das ist das Problem für jeden Schlussmann. „Als Torwart stelle ich mich mit den Händen zum Beispiel beim Hechten auf die Flugbahn des Balles ein“, erklärt Rivarolo. „Wenn der Ball dann im letzten Moment etwas tiefer kommt, sieht man alt aus.“ Die vier Roßwager Fußballer haben Probleme, die Flugeigenschaften in Worte zu fassen. „Wenn man hart schießt, bekommt er komische Eigenschaften“, sagt Torwart Rivarolo. Gayer, der in Roßwag in der Regel für alle Standards zuständig ist, ergänzt: „Er steigt ziemlich lang und fällt kurz vor dem Torwart ab.“ Als er das nächste Mal auf das Tor schießt, fragt Gayer erstaunt in die Runde: „Habt ihr gesehen, wie der fliegt?“ Dabei immitiert er eine Schlangenlinie. Selbst als Grözinger einen Einwurf imitiert, sieht man, wie flatterhaft das Wesen des Jabulani sein kann. Rivarolos vernichtendes Urteil: „Bei einem Discounter gibt es Bälle für fünf Euro. Der Jabulani fliegt genauso.“ Diese Meinung teilt Julio César (Inter Mailand). „Er gleicht den Bällen, die man im Supermarkt kauft“, sagt der Torwart der brasilianischen Nationalmannschaft.
Was für die Torhüter schlecht ist, ist für jeden Torjäger gut. „Es ist ein feldspielerfreundlicher Ball“, sagt Gayer. „Jeder Spieler mit einer einigermaßen ordentlichen Schusstechnik kann viele schöne Dinge mit dem Jabulani machen – zumindest beim Torschuss und bei ruhenden Bällen.“ Wenn beispielsweise der Portugiese Cristiano Ronaldo (Real Madrid) den Jabulani richtig trifft, braucht sich der Torwart gar nicht erst bewegen, ist die einstimmige Meinung der drei Roßwager. Trainer Grözinger ergänzt: „Wenn man ihn voll trifft und der Ball einen Drall bekommt – auch wenn es unbeabsichtigt ist –, sieht der Torwart alt aus. Wenn man ihn aber nicht voll trifft, macht der Jabulani irgendetwas.“ Ein Grund auch für diese Einschätzung ist, dass der Jabulani bei gleichem Krafteinsatz weiter fliegt. „Der geht ab. Da braucht man gar nicht arg draufschlagen“, sagt Seyb. „Den schlag ich locker 20 Meter weiter als normal. Fliegen tut das Ding – das ist enorm“, freut sich auch Grözinger. Nur Gayer sieht darin auch einige Nachteile. „Bei Standards muss man sich umgewöhnen, wie man an den Ball hintritt. Aber nach ein paar Trainingseinheiten hätte man sich bestimmt eingespielt“, sagt der offensive Mittelfeldspieler des FVR. „Mit all den Vorurteilen die ich hatte, hat mich der Jabulani beim Test positiv überrascht.“
