„Alle sind von Anfang an Vollgas gefahren“
09/06 2010
„Alle sind von Anfang an Vollgas gefahren“
Nussdorf (red). Trotz widriger Umstände hat Wolf-Thorsten Witt beim Bike-Trans-Germany-Rennen in der Altersklasse Masters (40- bis 50-Jährige) Platz 20 belegt. Für die vier Etappen über 286 Kilometer und mehr als 7000 Höhenmeter von Garmisch Partenkirchen bis nach Bregenz benötigte der 45 Jahre alte Nussdorfer 13:16:54:8 Stunden.
Wolf-Thorsten Witt (Team Mister Bike Pforzheim) belegte bei dem internationalen UCI-Mountainbike-Rennen mit rund zwei Stunden Rückstand auf den Sieger der Mastersklasse, Hans Grasegger aus Grainau, Platz 20 in seiner Klasse. Den Gesamtsieg sicherte sich Christoph Sauser aus dem schweizerischen Sigriswil in 10:23:38,4 Stunden vor Alban Lakata (Lienz/Österreich) in 10:25:28,6 Stunden und Christian Schneidawind (Gerbrum) in 10:33:58,4 Stunden. Bei den Frauen triumphierte Elisabeth Brandau (Schöneich) in 11:54:02,5 Stunden vor Birgit Söllner (Nürnberg) in 12:20:35,4 Stunden und Milena Landtwing (St. Moritz/Schweiz) in 12:43:15,3 Stunden.
Über 1200 Mountainbiker quälten sich von Garmisch Partenkirchen über Lermoos, Pfronten und Sonthofen zum Bodensee nach Bregenz. Sowohl Welt-, Europa- und Landesmeister als auch Amateure und viele Hundert Hobbyfahrer gingen auf die Strecke. „Die Etappen waren für ein Mountainbikerennen relativ kurz“, berichtet Witt. „Alle sind von Anfang an Vollgas gefahren. Das war extrem hart, weil ich immer versuche, mir die Etappen einzuteilen.“ Zudem mussten die Fahrer teilweise Steigungen von bis zu 24 Prozent überwinden.
Außerdem spielte auf den ersten beiden Etappen das Wetter überhaupt nicht mit. Ein Tiefdruckgebiet hatte sich in den Alpen festgesetzt. Es regnete unentwegt. Bei Temperaturen von knapp über dem Gefrierpunkt hatten die rund 1200 Teilnehmer größte Probleme, ihre Körper einigermaßen warm zu halten. Witt: „Wenn bei Anstiegen der Puls am Anschlag ist und man so durchnässt ist, dass das Wasser aus den Schuhen quillt, dann reichen kurze Abfahrten aus, bei denen man aber leicht bis zu 80 Kilometer pro Stunde erreicht, um den Körper so auszukühlen, dass man seine Finger nicht mehr bewegen kann.“ Trotz eines Defekts und eines Sturzes belegte Witt auf der seiner Meinung nach schwersten Etappe den 33. Rang.
Über Nacht zur zweiten Etappe hatte es so viel geregnet, dass einige Pfade weggespült worden waren. Teilweise stand das Wasser bis zu den Radnaben. Der tiefe Schlamm und die niedrigen Temperaturen taten ihr übriges. Witt hatte nach der halben Etappe große Probleme mit den Bremsen. Durch den vielen Schlamm hatten sich die Bremsbeläge abgerieben. Auch war die Sicht für die Radler häufig gleich null. Die Brillen waren sofort verschmutzt. Doch als Kontaktlinsenträger konnte Witt sie nicht absetzen, um keinen Dreck ins Auge zu bekommen. „Eigentlich ist jeder Einzelkämpfer. Und an den Steigungen und auf den Abfahrten ist man lieber allein“, erzählt der Nussdorfer. „Doch auf ebenen Passagen werden Allianzen geschmiedet, um schneller voranzukommen. Windschattenfahren zahlt sich ab 30 Kilometer pro Stunde aus.“ Auf der zweiten Etappe verlor Witt einige Plätze, er erreichte Rang 38.
Dies holte der 45-Jährige aber auf der dritten Etappe wieder auf. Von Pfronten nach Sonthofen standen zwar Steigungen von bis zu 24 Prozent an. Doch Witt blieb ohne Defekt und verbesserte sich auf den 22. Platz. Auf der letzten Etappe zeigte sich der Wettergott gnädig: Kaiserwetter. Von Sonthofen ging es auf Deutschlands höchsten Pass, den Riedbergpass, mit 16 Prozent Steigung und 1400 Metern. Über Balderschwang ging es weiter nach Hittisau und Buch, wo eine schwere Singletrail-Passage zu bewältigen war, bis nach Bregenz. Auf der letzten Etappe machte der Nussdorfer noch einmal zwei Plätze gut.
